Historisches sucht Liebhaber

Posted by on 7. September 2011

Mehr als 500 Jahre alter Zierrat der Mühlhäuser Marienkirche kommt am Denkmaltag unter den Hammer. Der Erlös der Versteigerung ist für die Mühlhäuser Museen bestimmt

Von Iris Henning

Älter als 500 Jahre ist der Zierrat, der am Denkmaltag, Sonntag, 11. September, versteigert wird. Um 15 Uhr beginnt die Auktion auf dem Hof der Denkmalpflege Mühlhausen. Foto: Iris Henning

Mühlhausen. Kreuzblumen, Brüstungsteile, Teile von Fialen, Konsolsteine und Gesimssteine liegen auf dem Hof der Denkmalpflege Mühlhausen, an der Thomas-Müntzer-Straße 15. Ein rot-weißes Band steckt ein Viereck um diese verwitterten Steinveteranen aus Muschelkalk und Travertin ab. Die Altsteine sind Zeugen der Steinmetzkunst aus der Zeit um das 15. Jahrhundert. Bis vor kurzem haben sie die Mühlhäuser Marienkirche verziert. Jetzt wurden sie innerhalb der Restaurierung abgenommen und durch Nachbildungen ersetzt.

Die von Wind, Wetter und anderen Umwelteinflüssen gezeichneten Originale sollen nun versteigert werden. Am kommenden Sonntag, dem Denkmaltag, soll die Auktion stattfinden. Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten heißt es dann für die insgesamt 87 historischen Bauteile. Die Mindestgebote wurden von 20 bis 100 Euro angesetzt.

Aber darf man denn historische Baukunst einfach so versteigern? In anderen Städten, in denen Kirchen saniert werden, gibt es „Steinfriedhofe“ für aussortierte Bauteile. „Man darf“, sagt Matthias P. Gliemann, der Vorsitzende des Zweckverbandes Mühlhäuser Museen. Er begründet: Diese Altteile lassen sich aus denkmalpflegerischer Sicht nicht mehr sanieren. Normalerweise würden solche aussortierten Teile von den mit der Restaurierung beauftragen Unternehmen entsorgt.

Und ein „Steinfriedhof“, wie es ihn in anderen Städten für historische Altteile gibt?

„Haben wir ebenfalls. Dort werden wertvolle Exemplare aufbewahrt“, antwortet Gliemann und verweist auf das reiche Lapidarium und eine Reihe von Bauspolien hinter der Nordwand der Kornmarktkirche.

Die Versteigerung von Altteilen der Mühlhäuser Marienkirche ist nicht die Erste. Bereits vor vier Jahren gab es eine Auktion. 120 Teile wurden damals angeboten, die meisten davon jüngeren Datums, etwa hundert Jahre alt. Das Interesse war groß. Fast alles fand einen neuen Besitzer. Kreuzblumen, Brüstungsteile, Teile von Fialen und anderes zieren seitdem so manchen Garten in Mühlhausen und Umgebung. Mehr als 17000 Euro brachte die Auktion. Das Geld ging an die Mühlhäuser Museen. Auch diese zweite Versteigerung ist zugunsten der Museen. Matthias P. Gliemann hofft, an das gute Ergebnis anknüpfen zu können.

Die zweite Auktion, bei der Teile der Marienkirche verkauft werden, wird zugleich die Letzte sein. „Die Sanierung ist so gut wie abgeschlossen“, erklärt Gliemann und fügt hinzu: „Vielleicht, dass in hundert Jahren wieder mal Bauarbeiten notwendig sind.“

Die Auktion beginnt am Sonntag, 11. September, um 15 Uhr, Denkmalpflege Mühlhausen. Moderiert wird sie von Auktionator Peter Zimmer. In einem Katalog sind die Versteigerungsexemplare abgebildet. Den Katalog gibt es gegen eine Gebühr von zwei Euro in der Marienkirche oder kann aus dem Internet geladen werden: www.muehlhausen.de.

 

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