Erinnerung an Vertreibung und Neuanfang

Posted by on 29. August 2011

Aus dem kleinen Museum des Bundes der Vertriebenen soll eine Gedenkstätte werden.

Ehrenamtliche Museumsleiterin forscht im Landkreis nach Zahlen und Geschichte

Körner. Aus dem Museum des Bundes der Vertriebenen in Körner soll eine Gedenkstätte der Vertriebenen im Unstrut-Hainich-Kreis werden. Das wünscht sich die ehrenamtliche Leiterin des Museums, Silvia Schmidt. Mit der Gedenkstätte würde auch der Nachwelt über das traumatisierende Schicksal zig Tausender, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen mussten und im Unstrut-Hainich-Kreis angesiedelt wurden, berichtet.

„Allein in der kleinen Gemeinde Körner wurden damals über 1100 Flüchtlinge in die Häuser, Höfe und Wohnungen der

Das Museum des Bundes der Vertriebenen in Körner ist bis Ende Oktober jeden letzten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Silvia Schmidt führt die Gäste gern durchs Haus. Foto: Iris Henning

Körnerschen einquartiert“, weist Silvia Schmidt auf Recherchen hin. Das waren beinahe genauso viele Flüchtlinge, wie es Einwohner in Körner gab.

Die Museumsleiterin hatte das Glück der später Geborenen. Sie kennt dieses Kapitel Geschichte aus den Erzählungen ihrer Mutter, die aus Schlesien stammt, sowie von Dokumentarfotos und aus der Literatur. Sie möchte noch mehr Zahlen, Fakten und Dokumente zusammentragen, um das Bild des Flüchtlingsdramas im Unstrut-Hainich-Kreis zu vervollständigen. Denn noch heute gibt es keine gesicherten Zahlen, wie viele Flüchtlinge insgesamt dem Unstrut-Hainich-Kreis zugewiesen wurden. Zudem sind Silvia Schmidt und der Bund der Vertriebenen stets auf der Suche nach originalen Dokumenten, Fotos und Exponaten aus jener Zeit für das Museum und die künftige Gedenkstätte.

Etwas abseits gelegen, in einer früheren Halle mitten auf dem Gelände des Landwirtschaftsbetriebes ist das Museum untergebracht. „Eigentlich zu weit weg“, sagt Frau Schmidt. „Trotzdem haben wir eigentlich Glück“, fügt sie hinzu. Die zu zahlende Miete sei eher ein symbolischer Obolus und vom Bund der Vertriebenen gut zu verkraften.

Das Museum in Körner ist durchaus sehenswert. Es versucht einen kleinen Einblick zu geben, wie der zur Verfügung gestellte Hausrat ausgesehen hat, und erinnert an die kulturellen Bräuche aus den Vertreibungsgebieten. Erschüttert stehen die Besucher aber vor der Foto-Dokumentation, die das Elend der Flüchtlinge ganz nah zeigt. Es sind Kopien, die das Sudetendeutsche Archiv im Bayerischen Hauptarchiv zur Verfügung stellte. „Diese Geschichtsaufarbeitung und -darstellung ist uns wichtig“, erklärt Frau Schmidt. Dankbar ist sie über jedes zusätzliche Exponat für das Museum. Wer aus seinem Besitz oder Nachlass für die künftige Gedenkstätte etwas zur Verfügung stellen möchte, kann sich direkt an die Museumsleiterin wenden, (036025) 50606.

 

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