Eine Burg für den Vogelschutz

29. Juni 2011

Die Wartburg kennt jeder. Weniger bekannt sind die kleineren Burgen, Schlösser und Klöster im Unstrut-Hainich-Kreis. Dabei hat auch hiesiger Landkreis viele ehemalige Adelssitze. Diese TA-Reihe will die historischen Bauwerke und ihre heutige Nutzung vorstellen. Heute: Die Wasserburg in Seebach.

 

Von Iris Henning

 

Seebach. Hier wohnt der Märchenprinz, mindestens aber die verwunschene Prinzessin.

Die von sattem Grün umrankte Wasserburg in Seebach gehört wohl zu den romantischsten Burgen in Thüringen – und zu einer der geheimnisvollsten. Denn zur Geschichte sind nur wenige Daten bekannt. Nach historischer Überlieferung gilt als ihr Erbauer der Freie Bebo von Seebach im Jahr 1107. sicher ist das aber nicht. Aber immerhin die Erwähnung des Herren von Seebach im Jahr 1123 setzt einen „festen Wohnsitz“ voraus, der dem Adel angemessen ist. Die erste urkundliche Erwähnung datiert in das Jahr 1307. Der Erzbischof Peter von Mainz hat den Gebrüdern Albrecht und Hermann von Seebach die Hälfte des Schlosses zum Wiederkauf überlassen.

Dann Schweigen die Chroniken über 200 Jahre lang über die Geschichte des Schlosses. Erst 1524 spielt sie wieder eine Rolle. Hans von Berlepsch, der Burghauptmann auf der Wartburg, wird Schlossherr in Seebach. Wie viel Generationen zwischen jenem Hans von Berlepsch und dem Hans Freiherr von Berlepsch, der der spätere Nestor des Vogelschutzes werden sollte, liegen, weiß wohl niemand genau zu sagen. Hans Freiherr von Berlepsch erblickte jedenfalls an einem Herbsttag, am 18. Oktober 1857, in der Burg Seebach das Licht der Welt. Er sollte durch sein Wirken die Wasserburg zu dem machen, was sie noch heute ist: ein Zentrum für Vogelschutz. Der junge Schlossherr interessierte sich seit seiner Jugend für die Vogelkunde. Die wohlhabende Familie ermöglichte ihm eine Vielzahl von Reisen, die ihn bis nach Südafrika führten. Die dabei gewonnenen Kenntnisse über Lebensraumansprüche und Nistgewohnheiten der Vögel regten ihn in den Jahren 1884 bis 1886 zur Umgestaltung des Burggartens zu einem Vogelschutzpark an. Sein Engagement im In- und Ausland führte 1908 zur Anerkennung seiner Vogelschutzwarte als „Versuchs- und Musterstation für Vogelschutz“ durch die preußische Regierung.

Am 2. September 1933 verstarb der hochgeehrte Dr. h.c. Hans Freiherr von Berlepsch in Seebach.

Geblieben ist sein Erbe: die Vogelschutzwarte. Sie führt bis heute die langjährige Tradition der ältesten Vogelschutzwarte Deutschlands fort – seit 1993 als eine Außenstelle der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie Jena. Heute berät die Staatliche Vogelschutzwarte Seebach sowohl Behörden als auch private Personen auf den Gebieten des praktischen Vogelschutzes und der angewandten Vogelkunde.

Seit 1998 unterstützt der Verein der Freunde der Vogelschutzwarte Seebach die Pflege des Berlepschen Erbes. Mit großem Engagement fördert er die Darstellungen des Lebenswerkes des Hans Freiherr von Berlepsch. „Wir möchten die heimische Vogelwelt mit dem Konzept „Erlebbarer Vogelschutz“ vorstellen und näher bringen“, erklärt Vereinschef Hans-Martin Menge. In der historischen Vogelausstellung können die Besucher verschiedene Vogelarten und die Vielgestaltigkeit der Vogelnester besichtigen. Die Sammlung reicht von einfachster Nestmulde bis zu dem kunstvoll gewebten Nest des Pirols oder den hängenden „Kinderstuben“ von Beutelmeisen, die es sonst nur bei den Webervögeln in warmen Ländern gibt. Weiterhin werden die Spechte als Höhlenbauer und ihre „Nachmieter“ vorgestellt. Die Besucher erkennen die große Bedeutung alter Bäume und Totholz im Kreislauf der Natur. Nur dort finden die Tiere in Astlöchern oder ausgefaulten Spalten wetterfesten Unterschlupf sowie vielfältige Nahrung. Der etwa zwei Hektar große Park mit Vogelvolieren und Schautafeln direkt an der Burg lädt zu einem interessanten und erholsamen Rundgang ein.

Die Wasserburg Seebach hat montags bis freitags für Besucher geöffnet, Führungen sind möglich. In den Monaten Mai bis Oktober werden zudem an Sonn- und Feiertagen um 10 Uhr sowie an Samstagen um 14 Uhr Führungen ohne Anmeldung angeboten.

DIASCHAU

Schloss-Historie

 

 

Um das Jahr 1200 wurde die Wasserburg gebaut.

 

1307 erklären die Gebrüder Albert und Hermann von Seebach erklären die Hälfte von Burg Seebach in Pfand zu haben.

 

Die Burganlage wechselt 1523 in den Besitz des Hans von Berlepsch,

Burghauptmann von der Wartburg, zwei Jahre später bezieht er die Burg.

 

Am 18. Oktober 1857 wird Hans Freiherr von Berlepsch in der Burg Seebach geboren, der spätere Nestor des Vogelschutzes.

 

In den Jahren 1885/86 wurden der Vogelschutzpark und weitere Vogelschutzgehölze angelegt. Aus dieser privaten Initiative ging die heute älteste Vogelschutzeinrichtung Deutschlands hervor.

 

Am 1. April 1908 wird die bislang privat betriebene Vogelschutzstation als „Versuchs- und Musterstation für Vogelschutz“ staatlich anerkannt.

 

In den Jahren 1911 bis 1914 erfolgte der Umbau der Burg Seebach nach Plänen von Hans Freiherr von Berlepsch.

 

Seit 1936 ist die Wasserburg die Staatliche Vogelschutzwarte Seebach.

 

Nach 1945 wird die Vogelschutzwarte verschiedenen landwirtschaftlichen Einrichtungen zugeordnet.

 

Seit 1991 ist die Wasserburg Staatliche Vogelschutzwarte des Freistaates Thüringen und Außenstelle der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie

 

(Quelle: Chronik des Vereins der Freunde der Vogelschutzwarte Seebach)

 

 

 

Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben