Wo die Hexe grüßt

Posted by on 25. Juni 2011

Radler und Wanderer freuen sich über schöne Entdeckung am Unstrutradweg zwischen Reiser und Dachrieden.

Der Holzbildhauer Udo Bickel bereichert mit drei hölzernen Figuren den schön ausgebauten Weg

 

Von Iris Henning

 

Reiser. Stopp, ruft der Radler und hebt zum Zeichen die Hand. Die Nachkommenden bleiben stehen. Auch sie könen sich ein Grinsen nicht verkneifen: Da steht eine bucklige Alte mit krummer Nase und schiefen Zähnen am Wegesrand – eine mannshohe Hexe aus Holz, die gut und gern die Schwester von Baba Jaga sein könnte. In ihrer Nachbarschaft hat sich ein schelmisch blickender Troll aufgebaut und nur wenige Schritte weiter reckt eine auffällig große Haselmaus ihre spitze Nase in die Luft. „Das sieht toll aus“, sagt der Radler. Seinen Drahtesel stellt er zur Seite. Die Hexe will er sich genauer betrachten. „Was für ein Weib“, scherzt er gegenüber seinen Freunden. „Tolle Kurven“, erwidern die und geben ihrem Macho-Affen noch mehr Zucker: „Das ist eine Frau, die wenigstens nicht widerspricht“. Mit weiteren flotten Sprüchen setzen sie ihren Weg fort.

Udo Bickel aus Dachrieden hat die drei Figuren geschaffen. Er freut sich, als er die Radfahrer-Geschichte hört. Genau das wollte er erreichen: Den Radlern, Wanderern und Pilger etwas Aufmerksamkeit abgewinnen „Die Idee ist mir in Berlin, während eines Symposiums, gekommen“, erzählt der Hobby-Bildhauer.

Das Holz für Hexe, Troll und Haselmaus stammt übrigens genau von jenem Fleck, wo sie nun aufgestellt sind. „Der Troll steht sogar auf dem Rest des Stammes, aus dem er gemacht ist“, erklärt der Bildhauer. Es ist ein Ahorn-Troll. Hexe und Haselmaus sind dagegen aus Linde.

Allein bleiben soll die Dreier-Gesellschaft nicht. „Ich werde vielleicht noch mehr machen“, überlegt der Dachrieder. Auf jeden Fall sollen noch ein Tisch und Bänke hinzukommen, damit die Vorübergehenden noch lieber an dieser Stelle ein Päuschen einlegen.

Bezahlt wird das Engagement von Udo Bickel nicht. „Ich habe in der Gemeinde gefragt, ob ich das machen darf. ‚Wenn es nichts kostet, gern‘, war die Antwort“, entgegnet er.

Er wollte die Figuren trotzdem machen. Genauso wie er vor einigen Jahren die humorvolle Figurengruppe in seinem Heimatdorf Dachrieden, die an der Hauptstraße steht, hergestellt hat. Entsprechend den Anlässen findet man diese Gruppe übrigens in immer neuer Gewandung. Zu Ostern grüßen die Hasen und zum Country-Fest die Cowboys. Derzeit spielt eine hölzerne Männergesellschaft Karten. „Es macht mir Spaß, wenn es den Leuten gefällt“, freut sich Udo Bickel, wenn den Betrachtern seiner Arbeiten ein Lächeln übers Gesicht huscht.

 

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