Langsames Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

Posted by on 20. Juni 2011

Die Wartburg kennt jeder. Weniger bekannt sind die kleineren Burgen, Schlösser und Klöster im Unstrut-Hainich-Kreis. Dabei hat auch hiesiger Landkreis viele ehemalige Adelssitze und Klosteranlagen. Diese TA-Reihe will die historischen Bauwerke und ihre heutige Nutzung vorstellen. Heute: Schloss Bischofstein

 

Von Iris Henning

 

Lengenfeld unterm Stein. Der Ausblick ist grandios. Zu Füßen liegt der Ort Lengenfeld unterm Stein, umgeben von sanften Waldhügeln. Bauwillige Grafen aus dem Mittelalter hatten schon immer einen Faible dafür, ihre Burg auf einer Anhöhe errichten zu lassen. Die gute Aussicht war damals weniger dem Geschmack geschuldet als dem rechtzeitigen Erspähen ungebetener Gäste.

Wer der Bauherr der Burg „Stein“ war, ist kaum mehr nachvollziehbar. Aus einer Chronik geht hervor, dass der Landgraf Ludwig 1. von Thüringen 1137 die Burg als Erbe übernommen hat.

Lange blieb sie nicht im Besitz der Landgrafenfamilie. Im Jahre 1316 kaufte der Erzbischof Matthias von Mainz die Hälfte dieser Burg. Aus der Burg „Stein“ wurde bald Burg „Bischofstein“. Erstmals urkundlich erwähnt ist dieser Name im Jahr 1409. Unterhalb dieser Burg gab es einen kleinen Marktflecken, die Stadt zum Stein. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Burg und die ,,Stadt zum Stein“ teilweise zerstört. Das Schicksal der Burg schien besiegelt.

Eine Wiederauferstehung im neuen Stil sollte es Mitte des 18.Jahrhunderts geben. Der Kurfürst von Mainz, Johann Friedrich Karl von Ostein, ließ im Jahr 1746 die alte Burgruine abbrechen. Auch, wenn es seinerzeit das anglizistische Wort „recyceln“ noch nicht gab: Aus dem aus Abriss gewonnenen Baumaterial ließ er ein Jahr später durch den Baumeister Christoph Heinemann aus Dingelstädt das „Schloss Bischofstein“ als neuen Amtssitz seiner Amtsvögte errichten, ganz nach der Mode der gerade ausklingenden Barockzeit. Stand die ursprünglich Burg Stein ursprünglich im Nordwesten von Lengenfeld/Stein, auf dem Burgberg in etwa 400 Meter Höhe, „wanderte“ das Schloss an den Südabhang des Burgberges, auf 316 Meter Höhe.

1802 wurde das Schloss durch die Säkularisation preußische Staatsdomäne, um einige Jahre später, 1815, wieder privat als Landsitz und Rittergut genutzt zu werden. Eine Schule wurde das Schloss Anfang des 20. Jahrhunderts. 1907 kaufte Dr. Gustav Marseille Schloss Bischofstein einschließlich der Ländereien, um eine private Internatsschule aufzubauen. Inhaber und Leiter des Internates als Privatschule war neben dem Pädagogen Dr. Marseille seit 1920 auch der klassische Philologe Dr. Wilhelm Ripke. Zum Freundeskreis von Dr. Marseille gehörte die bekannte Bildhauerin und Grafikerin Käthe Kollwitz, die während des Zweiten Weltkrieges für eine Zeit auf Schloss Bischofstein lebte. 1934 erhielt der humanistisch gesinnte Pädagoge Unterrichtsverbot, 1943 musste er das Schloss verlassen, das zur „SS-Heimschule“ wurde.

Zu DDR-Zeiten war das Schloss ein FDGB-Erholungsheim. Bereits am 1. Juni 1948 trafen die ersten Feriengäste in Schloss Bischofstein ein.

Nach dem politischen Umbruch im Land war die Treuhand verantwortlich für die Immobilie. Schnell interessierten sich die Freimaurer dafür und pachteten das Schloss. Das Priorat für Kultur und Soziales mit Sitz in Mühlhausen plante eine Anknüpfung an die Nutzung als Ferienobjekt, zunächst eine Kombination von Kur-, Sport- und Ferienhaus. Später sollte das Schloss eine Begegnungsstätte für Kultur, Bildung und Kunst für Schüler aus ganz Europa werden. Aus den Plänen wurde nichts. Die Freimaurer zogen sich zurück. Das Schloss verfiel in den folgenden Jahren in eine Art Dornröschenschlaf.

Hoffnung weckte der 1999 gegründete Verein Internat Schloss Bischofstein. Er kaufte die Immobilie von der Treuhand mit dem Ziel, das Schloss als Internat zu nutzen. Im Frühjahr 2003 begann eine aus dem Verein hervorgegangene Investorengemeinschaft damit, das Schloss schrittweise zu sanieren.

Glück sollte die Investorengemeinschaft nicht haben. Der Internatsbetrieb musste aufgrund zu weniger Schüler und zu hoher Kosten am Ende des Schuljahres 2006/2007 eingestellt werden.

Gut möglich, dass die neue Nutzung des Schlosses die Erlösung aus dem Dornröschenschlaf bringt. Annette Seyfert aus Eisenach entdeckte in dem Haus eine geeignete Immobilie für ein Altenheim. Sie pachtete einen Teil des Schlosses und investierte kräftig in die Ausstattung einer modernen Pflege. Im August 2008 öffnete sie ihr Pflegezentrum mit 21 Plätzen für Kurzzeitpflege. Es folgten weitere Investitionen. In diesem Monat erweiterte sie die Kapazität um zehn Plätze.

Den vielen Umbauten im 20. Jahrhundert geschuldet, ist von der einstigen barocken Pracht im Inneren des Schlosses leider nichts mehr erhalten.

DIASCHAU

Schloss-Historie

 

Wann die ursprüngliche Burg Stein gebaut wurde, ist in den Chroniken nicht überliefert. Der Landgraf Ludwig 1. von Thüringen übernahm im Jahr 1137 die Burg als Erbe. Im Jahre 1316 kaufte der Erzbischof Matthias von Mainz die Hälfte dieser Burg.

 

1409 wird die Burg ,,Stein“ zum ersten Male ,,Bischofstein“ erwähnt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg teilweise zerstört.

 

Der Kurfürst von Mainz Johann Friedrich Karl von Ostein ließ im Jahre 1746 die Burgruine abbrechen und aus dem daraus gewonnenen Baumaterial im Jahre 1747 das heutige ,,Schloss Bischofstein“ als neuen Amtssitz seiner Amtsvögte errichten.

 

1802 wurde das Schloss durch die Säkularisation zum Staatseigentum erklärt.

 

Von 1815 bis 1907 wurde das Schloss wieder privat als Landsitz und Rittergut genutzt

 

1907 kaufte Dr. Gustav Marseille Schloss Bischofstein, um eine private Internatsschule einzurichten.

 

Zu DDR-Zeiten war das Schloss ein FDGB-Erholungsheim.

 

Nach der politischen Wende 1989/1990 war die Treuhand verantwortlich für Schloss Bischofstein. 1991 wurde das Gebäude von Freimaurern gepachtet, die sich bald wieder zurückzogen. Es folgten Jahre des Leerstandes.

 

1999 wurde der Verein Internat Schloss Bischofstein gegründet. Er kaufte im Jahr 2000 das Schloss von der Treuhandanstalt.

 

Der Internatsbetrieb musste aufgrund zu weniger Schüler und zu hoher Kosten am Ende des Schuljahres 2006/2007 wieder eingestellt werden.

 

Seit 2008 wird mit dem Umbau zum Altenheim ein völlig neues Konzept verfolgt

 

(Quelle: Chronik von Walther Fuchs und der Gemeinde Lengenfeld unterm Stein)

 

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