Ein Kloster als Museum

Posted by on 20. Juni 2011

Die Wartburg kennt jeder. Weniger bekannt sind die kleineren Burgen, Schlösser und Klöster im Unstrut-Hainich-Kreis. Dabei hat auch hiesiger Landkreis viele ehemalige Adelssitze und Klosteranlagen. Diese TA-Reihe will die historischen Bauwerke und ihre heutige Nutzung vorstellen. Heute: das Augustinerkloster in Bad Langensalza

 

Von Iris Henning

 

Bad Langensalza. So also sieht sie aus, die „gute und beheizbare Stube“ des 18. Jahrhunderts, der Stolz jeder bürgerlichen Hausfrau. Jetzt ist die gute Stube im Stadtmuseum in Bad Langensalza, im Augustinerkloster, für die Nachwelt konserviert – eine eigenständige, farblich gefasste Holzkonstruktion. „ In vielen Bürgerhäusern der Stadt sind bis heute Holzstuben oder Teile von Holzstuben erhalten“, weiß Sabine Tominski, die Leiterin des Hauses. Mit einem Bund Schlüssel in der Hand führt sie durch das Haus und die imposante Anlage hinter dem Gebäude, die einst ein Augustinereremitenkloster war. Günther von Salza hatte dies in der Blütezeit des Mittelalters, im Jahr 1280, gestiftet.

Von der ursprünglichen gotischen Anlage sind heute noch in veränderter Form der Kirchturm, Teile des Ostflügels mit einer spätgotischen Kapelle, Reste des Westflügels und des Kreuzganges erhalten. Der Augustinerkirchturm kann dank umfangreicher Sanierungsarbeiten bestiegen werden und eröffnet interessante Ausblicke auf die mittelalterliche Stadt und Umgebung. Der schöne Innenhof mit Resten des gotischen Kreuzgangs lädt zum Verweilen und Entdecken ein. Zeitgenössische Kunst ist ausgestellt, die eindeutig die Handschrift des in Bad Langensalza lebenden Bildhauers Harald Stieding erkennen lässt. Es sieht gut aus, wie er die üppigen, in Kalkstein gehauenen Frauenkörper in den Nischen der Jahrhunderte alten Klosterruine positioniert hat. Auch die Bad Langensalzaerin Elisabeth Weidemann widmet sich in ihren ausgestellten Arbeiten der Geschichte der Stadt.

Zurück zur Geschichte, die Spuren in der Klosteranlage hinterlassen hat. Manche sind nicht sichtbar, so der Besuch eines der prominentesten Mönche des 16. Jahrhunderts: Dr. Martin Luther besichtigte am 29. Mai 1516 den Konvent von Salza. Eine Gedenktafel über der Eingangstür erinnert an dieses Ereignis.

Damals ahnte wohl noch niemand, dass nur 23 Jahre später, im Jahr 1539 nach Einführung der Reformation, die Augustinermönche ihr Kloster verlassen mussten. Der städtische Rat kaufte fünf Jahre später die Gebäude des Klosters mit allem Zubehör. Im ehemaligen Dormitorium wurde 1544 die erste städtische Schule eingerichtet.

Die Tage des Klostergebäudes schienen dennoch gezählt. Denkmalschutz gab es seinerzeit nicht. Noch im 16. Jahrhundert begannen die Abtragung der Klosterkirche und des Refektoriums. Die Steine wurden zum Bau von Scheunen verwendet.

Großen Schaden sollte der Stadtbrand von 1711 anrichten. Die Feuerbrunst fegte durch alle Straßen und Gassen und machte auch vor den noch vorhandenen Klosterresten nicht Halt. Der Turm des Klosters, in die Häuserreihe der Brüdergasse integriert, markierte die Längsseite der ehemaligen Kirche, die dem großen Brand zum Opfer fiel. Dabei wurde auch die gotische Turmspitze so geschädigt, dass später die jetzige barocke Haube aufgesetzt werden musste. Auch die Schule im ehemaligen Dormitorium im Ostflügel musste neu aufgebaut werden. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts diente es Schul- und Verwaltungszwecken.

Ein nächstes Kapitel schlägt die Museumsführerin auf – das der Nutzung des alten Klosters als Museum. Am 27. Juni 1900 wurde im Erdgeschoss, im ehemaligen Kapitelsaal, das städtische Museum mit einer Ausstellung zur Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866 eröffnet. Heute erinnert ein beeindruckendes Diorama in der Dauerausstellung des Museums an diese Schlacht.

Weitere ständige Ausstellungen, wie die zur Stadtgeschichte, Sonderausstellungen, Führungen und Vorträge gehören heute zu den Angeboten des Stadtmuseums im Augustinerkloster. Bei einwohner und Kurgästen der Stadt gleichermaßen beliebt sind vor allem die sommerlichen Konzerte im Kreuzgang.

Diese umfangreiche öffentliche Nutzung des als Kulturdenkmal ausgewiesenen Gebäudeensembles wurde durch die denkmalpflegerische Sanierung der mittelalterlichen Baureste nach 1990 möglich.

DIASCHAU

 

Kloster-Historie

 

Günther von Salza stiftete 1280 vor der Stadtmauer das Augustinereremitenkloster.

Der Augustinermönch Dr. Martin Luther visitierte am 29. Mai den Konvent in Salza.

Nach Einführung der Reformation im Herzogtum Sachsen 1539 verließen die Augustinermönche das Kloster.

1544 kaufte der städtische Rat die Gebäude des Klosters. Noch im selben Jahr wurde die erste städtische Schule eingerichtet.

Der Stadtbrand 1711 richtete großen Schaden an. Die Schule im ehemaligen Dormitorium musste neu aufgebaut werden.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts diente das Kloster Schul- und Verwaltungszwecken.

 

Am 27. Juni 1900 wurde im Ostflügel das städtische Museum eröffnet. Noch heute wird das Augustinerkloster als Museum genutzt.

Seit 1995 ist der Kreuzgang für die Museumsbesucher zugänglich. Jährlich finden dort das Museumsfest und Konzerte statt.

 

(Quelle: Aufzeichnungen von Sabine Tominski)

 

 

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