Wo man noch Küken streicheln darf

Posted by on 14. Juni 2011

Der Tier- und Bauernmarkt im Kloster Anrode hat sich zu einem beliebten Handelsplatz entwickelt.

Händler freuen sich vor allem über das Stammpublikum und über die Neugier der Kinder

 

Von Iris Henning

 

Anrode. „Unser Tiermarkt hat das Kloster Anrode weit über Thüringen hinaus bekannt gemacht“, sagt Willi Rinke. Seit

14 Jahren organisiert der Westfale den Tier- und Bauernmarkt inmitten dieser reizvollen Kulisse zwischen Verfall und Aufbau der mittelalterlichen Klosteranlage. „Herr Rinke“ sagt freilich niemand der Händler zu ihm. Er ist „der Willi“, der alles organisiert und stets mittendrin ist im Geschehen.

Die Händler sind zufrieden, so wie es der Willi ausrichtet. „Ich bin von Anfang an dabei“, meint Michael Lautz-Niedik, der sich kurz als „Geflügel-Niedik“ vorstellt. Einen ganzen Zoo an Gefiedertem hat er mitgebracht. Hühner und Enten gack

Leona Marx (5) aus dem Schwarzwald gehörte zu den Besuchern des Tier- und Bauernmarktes. Sie mag Tiere sehr. Foto: Iris Henning

ern und schnattern in ihren Gehegen um die Wette. Dem Federvieh scheint’s zu gefallen, hier im Schatten der Bäume vorgestellt zu werden. Schnell sind auch Käufer da. „Ich habe mein Stammpublikum“, freut sich Geflügel-Niedik über die Treue der Thüringer Kundschaft. Über 200 Kilometer legt er jedes Mal zurück, wenn er zu den monatlichen Märkten nach Anrode kommt. „Das muss sich schon irgendwie lohnen“, meint er. „Ich kaufe gern hier meine Tiere“, erzählt eine resolute Kundin. Auch heute nimmt sie ein Huhn mit. „Prächtig sieht es aus“, freut sie sich. Ausgesucht hat es die fünfjährige Leona, ihre Enkeltochter, die zu Besuch aus dem Schwarzwald gekommen ist.

„Anfangs hatten wir zu tun, dass die Leute überhaupt erfahren haben, dass hier ein Markt ist“, erinnert sich Willi Rinke an den Beginn. Nur wenige Gäste fanden während der ersten Märkte ins Kloster. „Kaum wer kannte das Kloster Anrode“, begründet Rinke.

Heute ist das anders. Der monatlich stattfindende Tier- und Bauernmarkt – jeden zweiten Samstag im Monat – hat sich etabliert, ist zum beliebten Marktplatz geworden. „Viele Familien kommen auch deswegen her, um ihren Kindern die Tiere zeigen zu können“, beobachtete der Marktleiter. Das sei sehr schön. Die Händler hätten auch Verständnis dafür. „Ist doch auch gut, wenn die Kinder aus der Stadt mal eine richtige Ente, ein Küken oder ein Huhn sehen und es sogar anfassen können“, fügt Geflügel-Niedik an. Für ihn steht jedenfalls fest: Auch im 15. Jahr wird er mit seinem gefiederten Zoo wieder dabei sein.

Willi Rinke freut das. „Auf meine Händler ist eben Verlass“, lobt er. Im Übrigen, erzählt er, sei er immer bemüht, den Besuchern des Marktes was Neues zu bieten. Jetzt habe ein Künstler seine Bilder in einer Scheune ausgestellt. Vorstellbar für ihn sei auch, Oldtimer-Freunde mit ihren Fahrzeugen einzuladen oder die in Mühlhausen ansässige Jugendkunstschule. Der Künstlernachwuchs würde hier bestimmt viele Motive für neue Bilder entdecken.

Nur eines wünscht sich Rinke nicht: noch mehr Bürokratie. „Die hat in den vergangenen 10 Jahren immens zugenommen und macht vor allem den Händlern von Tieren zu schaffen“, klagt er über die immer strenger werdenden Auflagen. Bis jetzt habe man es aber immer geschafft, diese Hürden zu meistern. So bereitet Willi Rinke bereits den nächsten Tier- und Bauernmarkt in Anrode vor, der am Samstag, 9. Juli, stattfindet.

 

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