Ein Juwel im Rokoko-Stil

Posted by on 31. Mai 2011

Die Wartburg kennt jeder. Weniger bekannt sind die kleineren Burgen, Schlösser und Klöster im Unstrut-Hainich-Kreis. Dabei hat auch hiesiger Landkreis viele ehemalige Adelssitze. Diese TA-Reihe will die historischen Bauwerke und ihre heutige Nutzung vorstellen. Heute: Das Friederikenschlösschen in Bad Langensalza

 

Von Iris Henning

 

Bad Langensalza. Schön soll sie gewesen sein und freigiebig gegenüber den Armen. Ihr Herz aber war von Trauer erfüllt. Die Herzoginwitwe Friederike von Sachsen-Weißenfels (1715 – 1775) verlor nicht nur ihren Mann, als sie selbst noch eine junge Frau war. Sie verlor auch ihre vier Söhne, als diese noch im zarten Säuglingsalter waren, und ihre Tochter wurde gerade Mal vier Jahre alt. Quälende Seelennot war Friederike nicht fremd. Vielleicht war sie gerade deswegen so wohltätig. Vielleicht stand ihr gerade deswegen der Sinn nach einem verspielten Schlösschen, statt hinter den dunklen und schwermütigen Mauern des Schlosses Dryburg – ihr eigentlich zugedachter Witwensitz – auf Alter und Tod zu warten.

Jedenfalls ließ die junge Witwe unmittelbar vor den Toren der Stadtmauer im Osten von Bad Langensalza ihr Traumhaus errichten – ein romantisches Schlösschen im feinsten Rokokostil mit gestuften Mansardendächern und verzierten Gauben, flankiert von schmucken Kavaliershäuschen. Im Jahr 1751 konnte sie Einzug in ihre Residenz halten und von nun an das ländliche Idyll genießen. Den bereits vorhandenen Garten ließ sie vergrößern und zu einer barocken Gartenanlage umgestalten.

Das alles erzählt Mary Fischer, eine junge Bad Langensalzaerin und Gästeführerin. In Jeans und mit einer modischen Mütze auf dem Kopf führt sie charmant durch die luxuriösen, aber keinesfalls protzigen Räume des Friederikenschlösschens, durch den roten und blauen Salon, das Kaminzimmer, den Festsaal, vorbei an Gemälden in prächtigen Rahmen, funkelnden Spiegeln und niedlichem Inventar. Alles wirkt leicht und zierlich.

Vor einem blauen Gewand, ganz im Rokokostil, dem Modetrend jener Zeit in feinen Häusern, macht sie Halt: So könnte ein Kleid der Friederike ausgesehen haben, erklärt sie. Dieses hier gehört allerdings ihr, der Gästeführerin. Dann und wann schlüpft sie hinein, um als gastfreundliche Friederike die Besucher zu empfangen. „Dann fühle ich mich auch ein bisschen so wie diese großartige Frau, die trotz Schicksalsschläge ihren Lebensmut nicht verloren hat“, erzählt sie.

Heute gehört das Friederikenschlösschen der Stadt Bad Langensalza. Für „viel viel Geld“ (Mary Fischer) hat die Stadt das Anwesen in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurückgekauft. Im spanischen Besitz hatte es sich zuletzt befunden. Einige Millionen Euro flossen in die Sanierung, bis das Haus wieder zu dem wurde, was es war: ein Schmuckstück.

Wie ein kleines Juwel bildet das Friederikenschlösschen heute einen Anziehungspunkt im Kurbereich von Bad Langensalza. Hinter dem Rokokobau befindet sich ein romantischer Garten mit Orangerie, Brunnenhäuschen und Remise. Sphinx-Skulpturen flankieren die großzügige Steintreppe, die in den Garten führt.

Das wiederbelebte Friederikenschlösschen bereichert heute das kulturelle Leben der Stadt. Im Festsaal werden Kammerkonzerte und Kleinkunstprogramme aufgeführt. Die im Gewölbekeller dargebotenen Konzerte sind eine kontrastreiche Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Beliebt ist das Schlösschen besonders bei Brautpaaren: Sie können sich dort das Ja-Wort geben und die herzögliche Kulisse für ihre Hochzeitsfeier nutzen.

Friederike von Sachsen-Weißenfels hätte ganz bestimmt ihre Freude daran, wie ihr Schloss heute noch genutzt wird, ist sich Mary Fischer sicher.

DIASCHAU

 

Schloss-Historie

 

Im Jahr 1749 erwarb die Herzoginwitwe Friederike von Sachsen-Weißenfels vor der Stadtmauer, im Osten von Bad Langensalza, einen bürgerlichen Garten nebst weiteren Grundstücken.

 

Noch im selben Jahr wurde mit dem Bau des Schlösschens begonnen. 1751 zog Friederike in ihr Schloss.

 

Nach dem Tod der Herzogin im Jahr 1775 kaufte ihr ehemaliger Leibarzt Christian Friedrich Stöller das Grundstück.

 

Seit 1922, bis in die 90er Jahre, war das Schlösschen im Besitz von Ida Mary Fries-Fiscowitsch. Durch Heirat mit einem Spanier ging das Anwesen in spanischen Besitz.

 

Die private Nutzung zu Wohnzwecken bis 1945 führte zu baulichen Veränderungen in der Innenausstattung. Das äußere barocke Erscheinungsbild blieb erhalten.

 

In den 90er Jahren kaufte die Stadt Bad Langensalza das Friederikenschlösschen aus dem spanischen Besitz. Zwischen 1994 und 2000 wurden Schloss und Parkanlage grundlegend saniert. Der Schlossgarten wurde auf der Grundlage historischer Pläne in seiner barocken Grundstruktur von 1751 rekonstruiert.

 

Seit 1946 werden das Friederikenschlösschen und der Garten öffentlich für Kulturveranstaltungen genutzt.

 

Quelle: „Friederike“ (im Verlag Rockstuhl erschienen), diverse Ortschroniken

 

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