Ein verstecktes Kleinod

Posted by on 30. Mai 2011

Die Wartburg kennt jeder. Weniger bekannt sind die kleineren Burgen, Schlösser und Klöster im Unstrut-Hainich-Kreis. Dabei hat auch hiesiger Landkreis viele ehemalige Adelssitze und Klosteranlagen. Diese TA-Reihe will die historischen Bauwerke und ihre heutige Nutzung vorstellen. Heute: Kloster Zella (5)

 

 

Von Iris Henning

Kloster Zella. Mit vom Alter gebeugtem Oberkörper, schwer auf einen Gehstock gestützt, tippelt ein kleiner Mann über den gepflasterten Hof. „Guten Tag“, sagt er freundlich, als er mich sieht, und hebt den Hut beim Gruß etwas vom Kopf, so wie es in seinen jungen Jahren üblich war. Schön sei es hier, freut er sich über die unverhoffte Plaudergelegenheit. Er wohne in einem freundlichen Zimmer. Gerade sei er auf dem Weg ins Restaurant. Es ist Mittagszeit. Dann tippelt er weiter und ich bin vergessen.

Das Restaurant ist einer der drei gemütlichen Begegnungsräume in dem Zentrum für Altenpflege und Betreutes Wohnen im Kloster Zella. Seit 1949 ist das ehemalige Benediktinerinnenkloster ein Altenheim. Die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen hat das Kloster nach dessen Erwerb im Jahr 1948 als solches eingerichtet. An dieser Nutzung hat sich bis heute nichts geändert. Heute unterhält die Evangelische Heimstätte Kloster Zella e.V. das Altenheim mit 91 Plätzen für Pflegebedürftige und 12 Wohnungen für Betreutes Wohnen. „Alles ganz modern“, erklärt Heimleiterin Waltraud Germanus beim Gang durch die Anlage. Etwa 50 Beschäftigte einschließlich der Auszubildenden kümmern sich um die Heimbewohner.

Malerisch liegt das Klosteranwesen westlich des Ortes Struth in einem Waldtal, am Lauf der Frieda. In Anlehnung an den Flusslauf wird das Kloster in alten Urkunden auch als „Zella Friedensspring“ bezeichnet. Heute führt auch der Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda an der Anlage vorüber. Historiker gehen davon aus, dass dieses Benediktinerinnenkloster bereits im 12. Jahrhundert gegründet wurde. Schnell hat sich der Frauenkonvent zu einem der wohlhabendsten Klöster des Eichsfeldes entwickelt. Es verfügte über weit verstreute Besitzungen in Form von Ländereien, Freihöfen, Mühlen und Dörfern.

Nach der Blütezeit im hohen Mittelalter setzte mit der Reformation und dem Bauernkrieg der Niedergang ein. Bewohner der Klösterdörfer Effelder und Struth plünderten die Propstei. Am 26. April 1525 zerstörte das von Mühlhausen angerückte Bauernheer unter der Leitung von Heinrich Pfeiffer das Kloster. Die Nonnen flohen aus dem Konvent, nahmen aber in späteren Jahren, als wieder Ruhe eingekehrt war, das klösterliche Leben wieder auf. Ein wirtschaftlicher Aufschwung in den folgenden Jahren ermöglichte den Wiederaufbau des Klosters.

Von Dauer sollte der Wiederaufbau nicht sein. Eine weitere Zäsur bedeutete der Dreißigjährige Krieg. Das Kloster wurde mehrfach geplündert und gebrandschatzt. Nach Kriegsende konnte Mitte des 1. Jahrhunderts erneut mit dem Wiederaufbau begonnen werden.

Endgültig abgelaufen war die Zeit des Klosters jedoch im Jahr 1810. Der Konvent wurde aufgehoben. Ein Jahr später wurde die gesamte Immobilie verkauft. Überwiegend diente sie von nun an landwirtschaftlichen Zwecken. In die Klosterkirche, noch bis 1847 für Gottesdienste genutzt, wurden Stallungen und Lagerräume eingebaut.

Erneut schweren Schaden nahm das Klosteranwesen während eines großen Brandes in der Nacht zum 28. November 1906. Die Wirtschaftsgebäude brannten bis auf die Grundmauern nieder, auch die Kirche brannte vollständig aus. In den beiden darauf folgenden Jahren wurde das Kloster wieder aufgebaut.

Mit Kriegsende 1945 musste die Familie von Fries, die letzten Besitzer des Anwesens, das Gut aufgeben. Im ehemaligen Kloster fanden flüchtlinge Unterkunft.

Im Verlauf der Bodenreform gelangte die Anlage 1948 in den Besitz der evangelischen Kirche. Die ließ die Klosterkirche wieder für Gottesdienste instand setzen. Das Evangelische Hilfswerk richtete 1949 im Kloster unter Leitung des Diakons Friedrich Babendererde ein Altenheim ein.

In den vergangenen Jahren wurde das Altenheim grundauf saniert und modernisiert. Im November 2010 wurde mit einem letzten Bauabschnitt die Sanierung abgeschlossen.

Die Klosteranlage ist auch für Besucher geöffnet. Sehenswert ist neben der architektonisch geschlossenen Gesamtanlage, in die sich die nachträglichen Neubauten harmonisch einfügen, vor allem die teilweise noch mit romanischem Bauschmuck ausgestattete Klosterkirche. Einige Male im Jahr ist sie auch Stätte öffentlicher Konzerte. Die Klosterklause lädt an den Wochenenden und zu Feiertagen zur Einkehr ein.

DIASCHAU

 

Kloster-Historie

 

Kloster Zella, oder Kloster „Friedensspring“, wie es nach dem Fluss, der zu Füßen des Klosters entspringt, benannt ist, wurde um 1100 als Doppelkloster gegründet. Die älteste noch vorhandene Urkunde von 1215 bezeichnet es als Frauenkloster.

 

Fast alles urkundliche Material des Klosters wurde bei dem großen Mühlhäuser Brand im Jahr 1649 im Zellschen Hof vernichtet. Dort sollten Klosterschatz und Urkunden vor den Wirren des 30-jährigen Krieges geschützt werden.

 

Der Bauernkrieg, der 30-jährige Krieg, die Revolution von 1848, Umbauten und Brände in der rittergutlichen Nutzung des Klosters haben alle ursprünglichen Oberbauten verändert oder beseitigt. Das älteste noch erhaltene Fachwerk stammt aus dem Jahr 1603.

 

1810 wurde der Konvent Kloster Zella aufgehoben.

 

1811 wurde das Anwesen an die Mühlhäuser Wilhelm Lutteroth und Heinrich Wilhelm Röbling verkauft.

 

Letzter private Besitzer war Rittmeister Helmuth von Fries. Mit Ende des 2. Weltkrieges musste die Familie den Besitz aufgeben.

 

Innerhalb der Bodenreform gelangte die Anlage in den Besitz der evangelischen Kirche.

 

Seit 1949 ist das Kloster Zella ein Altenheim. Heute betreibt die „Evangelische Heimstätte Kloster Zella“ ein modern ausgestattetes Zentrum für Altenpflege und Betreutes Wohnen mit 91 Heimplätzen und 12 Wohnungen.

 

(Quellen: „Kulturelle Entdeckungen Thüringen“ und „Kloster Zella“, beid eim Verlag Schnell & Steller GmbH Regensburg erschienen)

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