Auslandseinsatz am Herd

Posted by on 19. Mai 2011

Marcus Henning aus Eigenrieden war für sieben Monate als Koch in Südamerika gefragt. Jetzt ist er wieder zu Hause und bereitet sich auf seinen nächsten Einsatz in der Fremde vor

 

Von Bea Kromberg

 

Eigenrieden. Die dicke schwarz-rote Reisetasche war noch nicht ganz ausgepackt, da stand für den jungen Mann schon fest: Ich gehe wieder fort. Marcus Henning scheint vom Fernweh-Virus infiziert. „Nicht nur“, lacht er. „Es ist ebenso die Neugier, was woanders in Topf und Pfanne kommt“, verrät er.

Für seine 22 Jahre ist der hochgewachsene, schlanke Mann schon viel herumgekommen. Nach seiner Ausbildung in Mühlhausen verdingte er sich in Bayern, in Österreich und auf der Nordseeinsel Sylt. Dann hörte er, dass in Südamerika, in Chile, in einer anspruchsvollen Gastronomie ein Saisonposten zu vergeben sei. Er bewarb sich – und wurde zu seiner großen Freude angenommen. Etwa 12.000 Kilometer von seiner Heimat entfernt, verwöhnte er mit raffinierten Speisen auf dem Frühstücksbuffet sieben Monate lang die internationalen Gäste im Landhaus San Sebastian in Pucon, im landschaftlich reizvollen Norden des langen schmalen Landes, unmittelbar am Rand des Nationalparks Huerquehue. „Dort, wo der aktive Vulkan Villarrica seine magische Kraft versprüht“, schwärmt der naturbegeisterte Koch.

„Eine wunderbare Zeit“, blickt Marcus Henning schon jetzt mit einer Brise Wehmut zurück. „Das Land ist wunderschön, die Menschen dort sehr freundlich und immer hilfsbereit, vor allem nicht so hektisch“, will er sich seine Erinnerungen aufbewahren.

Die Verständigung dort war freilich nicht einfach. Kein Wort Spanisch hatte der Eigenrieder im Gepäck, nur jede Menge Optimismus, dass alles gut werde. „Ich hatte aber das Glück, dass mein Arbeitgeber eine deutsche Auswanderfamilie war“, erzählt er. Ein paar Floskeln Spanisch hätten ihm im Laufe der Zeit die einheimischen Beschäftigten beigebracht. „Mit sehr, sehr viel Geduld“, wie der junge Koch anmerkt. Leichter ist ihm dagegen gefallen, die chilenische Lebensmentalität anzunehmen. „Die sind dort viel lockerer“, beschreibt er. Ein Einkauf beginne beispielsweise stets mit einem Schwätzchen. Zurück in Deutschland sei er allerdings ganz seltsam angeschaut worden, als er beim Umtausch der Chilenischen Peso in seiner Bank die Angestellte fragte, wie es ihr denn heute so gehe.

Lange aufhalten will sich Marcus Henning nicht in Deutschland. „Es gibt noch viel zu entdecken. Und mit meinem Beruf kann ich viel herumkommen“, blickt er der nächsten Zeit entgegen. Allzu weit weg soll es aber dieses Mal nicht gehen: „Ich bleibe in Europa.“ Die Schweiz ist angepeilt. Vorstellbar wäre aber ebenso Italien oder die Bergwelt in Österreich.

Ein „Wanderkoch“ wurde der Eigenrieder eher gezwungenermaßen. Nach seiner Lehrzeit waren Koch-Stellen in Thüringen rar. Wollte er mit Topf und Pfanne hantieren, musste er hinaus in die Welt. „Am Anfang war es nicht einfach, sich so mutterseelenallein in der Fremde zurechtzufinden. Aber ich war damals froh, überhaupt einen Job bekommen zu haben. Jetzt freue ich mich schon auf die nächste Herausforderung am Herd“.

 

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