Die Geschichte von den unheimlichen Zeitdieben

Posted by on 10. Mai 2011
Premiere in der 3K-Theaterwerkstatt: „Momo“ von Michael Ende

 

Ein Video läuft. Jugendliche tanzen, lachen und streiten. Dann kommt ein Mädchen. Zaghaft, ja beinah schüchtern betritt es die Szene. Alles lacht, als es sich vorstellt: Momo. Was für ein komischer Name.

 

Von Iris Henning

 

Mühlhausen. Momo (gespielt von Cristina Ionita) scheint aus einer anderen Welt ins Irdische gefallen zu sein. Geld und Einfluss interessieren das Kind nicht. Es will Freunde und Freude am Leben haben, will in Geschichten schwelgen. Doch dazu braucht man Zeit. Und die geht den Menschen, mit denen sich Momo angefreundet hat, zunehmend verloren. Die Uhren ticken nur noch Stress und Hektik, haben wollen und mehr haben wollen. Das ist das Werk der unheimlichen grauen Wesen, die den Menschen die Zeit stehlen.

Mit „Momo“ bringt die 3K-Theaterwerkstatt den bekannten Märchenroman von Michael Ende in einer Bearbeitung von Vita Huber-Hering auf die Bühne. Regie hat Altmeister Bernhard Ohnesorge übernommen. Damit hat er sich eine schwere Bürde aufgelegt. Denn fast alle der 14 jugendlichen Darsteller (der jüngste ist gerad mal zwölf) sind Bühneneleven. Mit null Ahnung kamen sie erst in jüngster Zeit in die Theaterwerkstatt, vom Wunsch beseelt, auf der Bühne zu stehen. Ohnesorge hatte das Kunststückchen fertigzubringen, die jungen Leute zum einen zu einer Theatergruppe zusammenzuschmieden und zum anderen, sie in die Schauspielkunst einzuweisen. „Momo“ ist zwar ein Stück, das gleichermaßen für Kinder wie für Erwachsene geeignet ist, aber bei weitem kein Kinderspiel, es auf die Bühne zu bringen. Charaktere, Dialoge und Gespräche, Mimik und Gestik müssen sitzen.

Eine glückliche Wahl traf Ohnesorge mit der Titelheldin. Die ist von der jungen Austauschschülerin aus Italien, Cristina Ionita, besetzt. Ihre kindliche Ausstrahlung und ihr ungekünstelter südländischer Akzent machen ihre Rolle so glaubhaft. Schön auch, die anderen Spieler in ihren Rollen zu sehen. Die verlangen ihnen vor allem hinter der Kulisse so einiges ab. Sieben Jugendliche haben gleich drei Rollen zu spielen, vier agieren in je zwei Besetzungen. Da heißt es, im Rekordtempo hinter dem Vorhang in eine andere Hülle zu schlüpfen.

Bemerkenswert in dieser 3K-Inszenierung ist wieder einmal die künstlerische Ausgestaltung mit

Videos. Da wird nicht einfach nur ein Filmchen als schmückendes Beiwerk abgespielt. Da hat sich einer tiefgründige Gedanken gemacht, wie mittels Film, Musik, Geräuschen und Licht die Szenen dramaturgisch verdichtet werden können. So hat Albert Sadebeck einen großen Beitrag für „Momo“ geleistet.

„Momo“ ist eine Geschichte von der verlorenen Zeit. Keine Zeit ist verloren, sich diese frische 3K-Inszenierung anzuschauen. Manchen der Darsteller möchte man gern einmal wiedersehen auf der 3K-Bühne. Mit viel Applaus beglückwünschte das Publikum am Samstagabend die Premierenvorstellung. Die nächste Aufführung steht für Mittwoch, 11. Mai, 10 Uhr, auf dem Spielplan.

DIASCHAU

 

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