Die Geschichte von der gestohlenen Zeit

Posted by on 4. Mai 2011
Im Mühlhäuser 3K-Theater hat der Märchenroman „Momo“ Premiere

 

Mit „Momo“ bringt das 3K-Theater eine märchenhafte Parabel auf unsere rastlose Zeit auf die Bühne. Gezeigt wird ein modernes Märchen für Erwachsene und Kinder ab 10 Jahre, das den Menschen, die nur noch Stress und Hektik kennen, einen Spiegel vorhält. Samstag, 7. Mai, 19 Uhr, hat „Momo“ Premiere.

 

Von Iris Henning

 

In ausgelassener Fröhlichkeit feiern die jungen Leute. Die Musik ist auf Anschlag gedreht, das Licht auf Partystimmung gedimmt, alles tanzt. Irgendwann wird es ruhig. Ein Mädchen (Cristina Ionita) tritt in die Mitte, blickt sich mit großen, staunenden Augen um, als käme es von einem anderen Stern, aus einer anderen Zeit. Wer bist du denn, wird es gefragt. Ich bin Momo, antwortet das Kind im fremdländischen Akzent, öffnet seinen großen Koffer und rollt einen Teppich daraus aus. Auf diesem Teppich erleben die Jugendlichen mit ihrer neuen Freundin die phantastischsten Geschichten.

Doch dann tauchen diese unheimlichen, Zigarre rauchenden aschgrauen Wesen in grauen Anzügen mit dunklen Aktentaschen auf. Die grauen Wesen reden den Menschen ein, sie dürften nur noch Nützliches tun, um Zeit zu sparen. Der Friseur hört auf, mit seinen Kunden zu plaudern und schneidet ihnen nun die Haare im Akkord. Der Barmixer hat nur noch Zeit für die zahlenden Kunden, der Kaffeeverkäufer will auch keine Zeit mehr durch unnütze Schwätzchen verpassen. Plötzlich bleibt keine Zeit mehr für die schönen Dinge des Lebens, für Muse, für Freundschaften. Nach Stress und Hektik tickt die Uhr. Die Menschen werden getrieben, immer mehr und mehr haben zu wollen. Sie merken nicht, dass sie in Wirklichkeit von den grauen Wesen um ihre ersparte Zeit betrogen werden.

Nur die kleine Momo lässt sich nicht beirren. Als das Kind ein Grauwesen fragt, ob es jemand lieb hat, krümmt sich das Wesen und verrät, dass es und seinesgleichen ohne das von den Menschen angesparte Zeitguthaben nicht existieren können.

Momo und ihre Freunde rufen zu einer Demonstration auf, um die Wahrheit über die grauen Wesen zu verbreiten. Aber kein Erwachsener hat Zeit. Da führt die Schildkröte Kassiopeia (Damian Thüne) Momo zu Meister Hora (Jens Hartmann), dem Hüter der Zeit. Er schenkt Momo eine Stundenblüte und gibt dem Kind damit Gelegenheit, den Zeittresor der Grauwesen zu finden.

Natürlich wird zum Schluss, wie in Michael Endes Märchenroman „Momo“, alles gut. Das Grau verschwindet. Farbe und Freude kommen wieder in das Leben der Menschen.

Von 14 Jugendlichen wird „Momo“ gespielt, sieben von ihnen schlüpfen gleich in drei Rollen, vier in zwei Rollen. Das verlangt Schnelligkeit hinter der Kulisse, um im Handumdrehen statt als Barbiegirl als graues Wesen zu erscheinen. Übrigens: Der jüngste Spieler ist gerade mal 13 Jahre.

Die Inszenierung „Momo“ dürfte für den Spielleiter Bernhard Ohnesorge eine besondere Herausforderung gewesen sein. Fast alle Spieler sind neu in der Jugendgruppe, niemand brachte Theatererfahrung mit. Mit der Besetzung der Titelrolle durch die italienische Austauschschülerin Cristina Ionita hat Ohnesorge eine gute Wahl getroffen. Cristinas kindliche Ausstrahlung, ihre eigene Erfahrung bei der Suche nach Freundinnen im ihr fremden Mühlhausen und ihr ungekünstelter Akzent geben ihr die notwendige Glaubhaftigkeit, mit der Momo gegen die Zeitdiebe antritt.

Am morgigen Samstag, 7. Mai, um 19 Uhr, hat „Momo“ auf der 3K-Bühne in der Kilianikirche Premiere. Eine weitere Vorstellung steht für Sonntag, 8. Mai, um 16 Uhr, auf dem Spielplan. Plätze können reserviert werden unter (03601) 440937.

 

Vor und hinter den Kulissen

 

Auf der Bühne: Cristina Ionita als Momo, Jens Hartmann als Meister Hora, Damian Thüne Kassiopeia, Martel Peacock als Gigi und Graues Wesen, Eva Hahn als Beppi und Graues Wesen, Martin Großkopf als Nino, ein Jugendlicher und Graues Wesen, Laura Freiboth als Liliana, eine Jugendliche und Graues Wesen, Anja Seitz als Frau Fusi, eine Jugendliche und Graues Wesen, Johanna Bensch als Managerin, eine Jugendliche und Graues Wesen, Anna-Diana Pogor als eine Jugendliche und Graues Wesen, Josefine Bartelt als eine Jugendliche und Graues Wesen, Lena Kolle als Puppe Bibigirl, eine Jugendliche und Graues Wesen, Lucia Bauer als Puppe Barbiegirl, eine Jugendliche und Graues Wesen und Ann-Sophie Groß als Polizistin, eine Jugendliche und Graues Wesen

 

Spielleitung: Bernahrd Ohnesorge

Assistenz: Anja Seitz und Malu von Maschall

Musik, Video und Licht: Albert Sadebeck

Köstsüme: Iris Blenklein (FSJ-lerin) und Barbara Schäfer

Bühne: Albert Sadebeck, Barbara Schäfer, Iris Blenklein und Sebastian Garbiel

Atelierarbeiten: Iris Blenklein, Barbara Schäfer und Ralf Bube

Textvorlage: von Michael ende, bearbeitet durch Vita Huber-Hering

DIASCHAU

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