Sinnflutartige Verbalattacken

Posted by on 1. Mai 2011
Astrid Bransky und Michael Kirmes-Seitz servierten scharfkantige Wortspiele

 

In Sachen Kabarett gehören Astrid Bransky und Michael Kirmes-Seitz vom Kabarett „Sinnflut“ wohl zu den spitzzüngigsten Wortjongleuren Thüringens. Mit ihrem Programm „Schottern und Scharfmachen“ kamen sie jetzt aus der Klassiker-Stadt Weimar nach Mühlhausen, in die “Kulturfabrik“.

 

Von Iris Henning

 

Mühlhausen. Diesen galligen Humor traut man ihnen nicht zu. Der etwas rundliche Michael Kirmes-Seitz mit seinem blau-weiß-gestreiften Hemd und der schrillen Blümchen-Weste, weiter gekleidet mit einem steten unschuldigen Lächeln im Gesicht, einer Brille auf der Nasenspitze und einer Frisur, die an Albert Einstein erinnert, ist eher der Prototyp eines freundlichen Kleingartennachbars. Auch die mollige Astrid Bransky wirkt harmlos. In ihrer dunklen Hose und dunklen Weste könnte sie eine mütterliche Lehrerin sein.

Doch kaum machen der Gartennachbar und die Lehrerin den Mund auf, schicken sie

heimtückisch verpackte, gallig-bi

So nett wie sie aussehen sind sie nicht: Astrid Bransky und Michael Kirmes-Seitz finden mit scheinbarer Leichtigkeit schwarzhumorige Pointen. Foto: Iris Henning

ssige Pointen in die Welt. Immer geht es ihnen um die aktuelle Tagespolitik, die sie in bester Kabarett-Manier hinterfragen: Warum schottern Goethe und Schiller an der ICE-Trasse in Weimar? Wer regiert in Wirklichkeit, die Banken, die Energiekonzerne, die Kanzlerin oder gar die Scharfmacher von der Springer-Presse? Ist die schwarzgelbe Regierung ein Irrtum der Geschichte und die Kanzlerin der Faktur Null in einer physikalischen Versuchsanordnung? Und welchen Beitrag kann jeder einzelne zur Herstellung des E-10-Bio-Sprits leisten?, waren nur einige Fragen in dem 90-minütigen Programm voller feinsinnigem Wortwitz und alten Volkslieder in neuem, satirischen Gewand.

Zum zweiten Mal war das Sinnflut-Kabarett in Mühlhausen und hat all das mitgebracht, was man sich im Genre politisches Kabarett wünscht: niveauvolle Unterhaltung, Wortspiele mit Tiefgang und erfreulicherweise nicht den überflüssigen, albernen Nonsens – nur ein bisschen davon, sozusagen als Garnierung. Passend auch die musikalische Begleitung am Keyboard, die dem Publikum zwischen den sinnflutartigen Verbalattacken die nötigen Pausen verschaffte, diese auch verarbeiten zu können.

Auftrittsort des Kabaretts war die Kulturfabrik. Seit neun Jahren bereichert diese mit ihrer Kleinkunstbühne das kulturelle Angebot in Mühlhausen. Astrid Bransky und Michael Kirmes-Seitz wollen jedenfalls mal wieder nach Mühlhausen kommen.

 

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