Eine vernachlässigte Dorfliebe

Posted by on 1. Mai 2011

Die Wartburg kennt jeder. Weniger bekannt sind die kleineren Burgen, Schlösser und Klöster im Unstrut-Hainich-Kreis. Dabei hat auch hiesiger Landkreis viele ehemalige Adelssitze. Diese TA-Reihe will die historischen Bauwerke und ihre heutige Nutzung vorstellen. Heute: Schloss Klein-Ballhausen

 

Von Iris Henning

 

BALLHAUSEN.

Es scheint, als hätte dieses Schloss die Zeit seines Glanzes hinter sich. Ungeliebt und vernachlässigt wirkt es, wie ein unerwünschtes, lästiges Stiefkind. Niemand scheint bereit, sich darum kümmern zu wollen.

Zwischen zwei noch einigermaßen gut aussehenden Türmen streckt sich seit Jahrzehnten ein schmuckloser, unverputzter Backsteinbau. Bauteile vom Typ null acht fünfzehn aus der Zeit des sozialistischen Schulgebäudebaus wirken darin nicht nur fremd, sondern überaus fehl am Platz. Ebenso die Fenster, die zwar neueren Datums sind, aber aus jedem Baumarkt stammen könnten.

So kennen die meisten Ballhäuser ihr Schloss am Rand des Dorfes bereits aus ihren Kindheitstagen und irgendwie scheinen sie sich damit arrangiert zu haben. „Das mit dem Bauen war eben damals so“, erklärt der ehrenamtliche Ortsbürgermeister Uwe-Karsten Saalfeld mit einem hilflosen Schulterzucken den Backsteinteil. Erst seit vergangem Jahr ist er Bürgermeister.

Ob die Ballhäuser ihr Schloss dennoch mögen? Ja, natürlich, versichert Saalfeld, der selbst in Ballhausen aufgewachsen ist. Beim Parkfest im Sommer und zur Kirmes im Herbst sei hier das ganze Dorf versammelt, nennt er zwei Beispiele.

Und ja, natürlich, wäre es ein erfüllter Traum, wenn sich für das Schloss in Klein-Ballhausen eine Zukunft abzeichnen würde. Schon mit dem Verputzen der Fassade dieses unfertig wirkenden Zwischenbaus wäre man dem Ziel ein Stück näher.

Doch selbst mit dieser Aufgabe sieht der Bürgermeister die kleine Gemeinde finanziell überfordert. Dabei gibt es bereits Pläne für eine erste, einfache Sanierung des Schlosses. Studenten haben eine Nutzungsstudie und eine Fassadengestaltung erarbeitet. Diese Planungspapiere haben in diesem Jahr ihr erstes Jubiläum: Sie liegen seit fünf Jahren in der Schublade, ist Saalfeld traurig über die schlummernden Visionen.

Einst gab es zwei mittelalterliche Burgen: neben der in Klein-Ballhausen die in Groß-Ballhausen. Letztere steht schon lange nicht mehr. Erbaut wurden sie Anfang des 12. Jahrhunderts. Urkunden belegen, dass in der Zeit von 1110 bis 1206 ein „freies Geschlecht, welches sich nach Balenhusen nannte“. Bis um 1290 sollen „Die von Ballhausen“ Besitzer des Schlosses in Klein-Ballhausen gewesen sein. Dann folgte Besitzerwechsel auf Besitzerwechsel. Das Schloss schien niemanden auf Dauer ertragen zu wollen. So erklärte sich auch kaum wer bereit, sich um den baulichen Zustand zu kümmern. Letzter Besitzer war ein gewisser Sebastian Lucius, der das Schloss, das sich in ein Rittergut gewandelt hatte, für 113000 Taler kaufte. Bis zur Bodenreform 1945 blieben Gut und schloss in Besitz der Familie Lucius. Dann zogen Kriegsflüchtlinge und Vertriebene ein. Später entdeckte man das Schloss als Platz für Schulsport und für die Mittagsversorgung der Schulkinder. Zudem wurde es Herberge für den Kindergarten von Klein-Ballhausen. Heute wird das Schloss als Wohnhaus genutzt. Doch längst sind nicht alle Wohnungen belegt. „Schwer vermietbar“, weist der Ortsbürgermeister auf die schlosstypischen hohen Räume und den unübersehbaren Sanierungsbedarf hin. Die Miete sei zwar billig, aber die Nebenkosten dafür hoch.

Dennoch gibt Uwe-Karsten Saalfeld die Hoffnung für das Schloss nicht auf. Mit Förderanträgen will er versuchen, wenigstens Geld für den notwenigen Außenputz zu beschaffen. Zudem sieht er das Schloss in exponierter touristischer Lage. Der Schlosspark mit seinem alten Baumbestand, dem Tiergehege und den Wasserläufen und Teichen lädt zu Spaziergängen und Wanderungen ein. Durchaus vorstellbar für ihn, dass sich vom geplanten Radweg entlang des Bahndamms eine Spur durch den Schlosspark abzweigt und am Schloss vorbeiführt. „Das würde unsere kleine Gemeinde aufwerten. Wir könnten es gut gebrauchen“, sagt er.

DIASCHAU

Schloss-Historie

 

Urkunden belegen, dass in der Zeit von 1110 bis 1206 hier ein freies Geschlecht ansässig war, welches sich „nach Balenhusen“ nannte.

Belegt ist, dass bis um 1290 „die von Ballhausen“ Besitzer des Schlosses waren.

1297 soll die Burg an das Erzbistum Mainz verpfändet worden sein.

Von nun an wechselten die Besitzer häufig.

1518 kaufte Herzog Georg II. Von Sachsen das mittlerweile schon wüste Schloss und belehnte damit einen gewissen Hans von Werthern, der ein Rittergut daraus machte. Rund 200 Jahre befand sich das Rittergut im Besitz der Familie von Werthern.

1720 ging das Schloss an die von Berlepsch und 1732 an die von Keudell.

Es folgten weitere Besitzerwechsel.

1851 kaufte es ein Sebastian Lucius für 113000 Taler.

Bis zur Bodenreform blieb es im Besitz der Familie von Lucius.

Heute ist das Schloss Gemeindeeigentum. Es wird als Wohnhaus genutzt und bedarf einer dringenden Sanierung.

 

(Quelle zur Schloss-Historie: „Zur Geschichte von Ballhausen“ von Dr. Heidrun Zenker)

 

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