Mehr als 1000 Jahre Geschichte

Posted by on 28. April 2011

Die Wartburg kennt jeder. Weniger bekannt sind die kleineren Burgen und Schlösser im Unstrut-Hainich-Kreis. Dabei hat auch hiesiger Landkreis viele ehemalige Adelssitze. Diese TA-Reihe will die historischen Bauwerke und ihre heutige Nutzung vorstellen. Heute: das Goldackersche Schloss in Weberstedt (3)

 

 

WEBERSTEDT.

Die Herren von Weberstedt bewiesen Geschmack. Sie liebten es nicht gerade groß und protzig, eher der leichten Hügellandschaft angepasst und gediegen. Was sie vor mehr als tausend Jahren in dem Ort, der heute noch den Namen „Weberstedt“ trägt, bauten, fand in allen vergangenen Jahrhunderten Gefallen. So ist es bis heute geblieben. Wenn die Weberstedter über ihr „Goldackersches Schloss“ sprechen, ist der leise Stolz in ihren Stimmen nicht zu überhören. Und jede Familie, die was auf sich hält, feiert Hochzeit, Taufe und andere Jubelfeiern natürlich im Schloss.

Seit 66 Jahren ist das Schloss Gemeindeeigentum. Bis zur Enteignung im Jahr 1945 hat sich das imposante Anwesen als Rittergut der Familie von Goldacker behauptet. Die hatte das einst als Wasserschloss errichtete Anwesen Ausgang des 14. Jahrhunderts von denen von Weberstedt übernommen und bewirtschafteten es über mehr als 500 Jahre hinweg als Rittergut.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Schloss Goldacker in Weberstedt im Jahr 960. Mit seiner mehr als tausendjährigen Geschichte gilt es als Gründungszelle des Ortes Weberstedt. Zugleich ist es das historisch wertvollste Gebäude im Ort.

Nicht nur goldene Zeiten erlebte das historische Gemäuer, sondern auch mausgraue. Es hatte zwar Glück und blieb während der etlichen Kriege in den tausend Jahren weitgehend verschont. Doch Ende des 20. Jahrhunderts schien der Verfall kaum mehr aufzuhalten. Viele Umbauten in den Räumen und Gemächern hatte es sich bereits gefallen lassen müssen. Nach der Enteignung der Familie von Goldacker wurde es zur dringend gebrauchten Wohnung für Aussiedler und Flüchtlinge, es wurde später zur Schule und zum Gewerbeobjekt. Es wurde gebraucht und verbraucht – bis es ineinander zu brechen drohte. Wegen Baufälligkeit wurde es geschlossen. Fotos belegen: Das ehemalige Rittergut Schloss Goldacker in Weberstedt war in einem fürchterlichen Zustand.

Erst dem Förderverein „Goldackersches Schloss am Hainich“ gelang mit der Unterstützung der Gemeinde Weberstedt die Renaissance des historischen Gemäuers. Auf gemeinsames Drängen hin und mit Finanzierungshilfe aus Fördertöpfen wurde das einstige Herrenhaus in den Jahren 1997 bis 2000 komplett saniert und umgebaut. Einzug in die über 1000 Jahre alten Mauern hielten ein modernes Landhotel, eine Gaststätte mit Kellergewölbe und Biergarten, ein Tagungszentrum mit einer Ausstellung zum Nationalpark und ein kleines Museum, das Sammelstücke aus dem früheren Leben in der Hainichregion zeigt. Als guter Geist im Schloss beweist sich die Landhotel-Betreiberin Monika Hinsching. Sie will mehr anbieten als Speisen und ein Bett für die Nacht. Das Ambiente des Schlosses fordere geradezu dazu heraus, mehr zu offerieren, sieht sich die Gastronomin gefordert. So rief sie die Goldackerschen Wanderungen ins Leben, die meist die genießbare Kräuter- und Pflanzenwelt des Hainichs zum Thema haben. Einen großen, leerstehenden Raum im Schloss stellte sie Künstlern für Ausstellungen zur Verfügung.

Heute ist das Schoss Weberstedt nicht nur eine beliebte gastronomische Adresse, sondern auch eine touristische Attraktion. Der Schlosspark mit seinem wertvollem Baumbestand ist der Ausgangspunkt des neugeschaffenen Weberstedter Erlebnispfades, der direkt in den Urwald in der Mitte Deutschlands führt und zugleich mehrere Wanderrouten anbietet.

Schloss-Historie

 

Das Schloss wurde im Jahr 960 als Wasserschloss der Herren von Weberstedt erstmalig urkundlich erwähnt.

Ausgang des 14. Jahrhunderts wechselte das Schloss in den Besitz der Herren von Goldacker und wurde über 500 Jahre lang als Rittergut bewirtschaftet.

1945 wurde das Rittergut enteignet. Das Haus wurde als Wohnung, Schule und Gewerbeobjekt genutzt, bis es wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Für die Weberstedter blieb das historische Gemäuer stets das „Goldackersche Schloss“.

1997 bis 2000 wurde das Schloss restauriert und komplett umgebaut. Es beherbergt heute eine Gaststätte, ein Tagungszentrum mit einer Ausstellung zum Nationalpark Hainich und eine Sammlung altertümlicher Gegenstände aus dem früheren Leben der Menschen in Thüringen.

DIASCHAU

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