Barocke Pracht hinter meist verschlossenen Türen

Posted by on 11. April 2011

Die Wartburg kennt jeder. Weniger bekannt sind die kleineren Burgen und Schlösser im Unstrut-Hainch-Kreis. Dabei hat auch hiesiger Landkreis viele ehemalige Adelssitze. Diese TA-Reihe will die historischen Bauwerke und ihre heutige Nutzung vorstellen. Heute: das Schloss in Schlotheim (1)

Von Iris Henning

 

SCHLOTHEIM.

Die Schlotheimer haben eine große Liebe: ihr barockes Schloss. Es ist eine von Sehnsucht gekennzeichnete Liebe. Denn ihr Schloss ist für sie die meiste Zeit geschlossen. Nur an zwei, drei Tagen im Jahr dürfen die Schlotheimer durch die Gemächer spazieren, die Pracht genießen und sich wehmütig an die Zeit erinnern, als das Schloss für sie eine beliebte Ausflugsgaststätte war. Vielleicht wirkt das Schloss mit seinem zartrosa Anstrich deswegen auch immer ein bisschen melancholisch.

Die Schlosskinder haben es besser. Sie wohnen das ganze Jahr über in dem prächtigen Haus. Tauschen mit den Kindern und Jugendlichen will dennoch niemand. Ihre Probleme möchte niemand haben. Sie gelten als verhaltensauffällig, sind in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung gestört. Ein intaktes Familienleben kennen diese Kinder und Jugendlichen meist nicht. Für sie sind die therapeutischen Kinder- und Jugendwohngruppen im Schloss Schlotheim oft für lange Zeit die Familie.

Seit Oktober 2001 beherbergt das Schloss für 25 Kinder und Jugendliche eine heiltherapeutische Kinder- und Jugendeinrichtung. Die Bewohner leben in drei heilpädagogisch ausgerichteten Intensivgruppen und dem Bereich der Verselbstständigung.

Dr. Martin Edelmann kaufte in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts das Anwesen von der Stadt Schlotheim mit dem Ziel, es als heilpädagogisch-therapeutische Kinder- und Jugend-Wohnstätte zu nutzen.

Mit dem Kauf übernahm er ein riesiges Sanierungsprojekt. Das barocke Schloss, das in den Jahren 1773-1777 von Maximilian Ernst von Hopfgarten am Sitz seiner Familie in Schlotheim errichtet wurde, war bis 1945 in den Händen der Familie von Hopfgarten. Dann wurde es Gemeindeeigentum mit der Nutzung als Wohnraum, Gaststätte, Bücherei und einem Veteranenclub. Die verschiedenen Nutzungen waren mit nicht immer glücklichen Umbauten verbunden. Durch den Küchenbetrieb für die Gaststätten bzw. das Auswaschen von Milchkannen kam es zu einer erheblichen Feuchtebelastung der Wände. Nach 1990 führte die während des Leerstands durch kaputte Fenster verursachte Witterungseinwirkung weiterhin zu drastischen Schäden.

Ein Herzenswunsch der Schlotheimer war, das leerstehende Schloss nicht noch weiter verfallen zu lassen, sondern angemessen zu nutzen. Das Investitionsvorhaben von Dr. Edelmann erschien allen die Rettung. Doch viel Glück hatte der Mediziner selbst nicht mit dem Schloss. Nur wenige Jahre nach Beendigung der Sanierung zog er sich zurück, verließ seine für die private Nutzung aufwändig hergerichteten Privatgemächer und den prachtvoll ausgestatteten Festsaal. Warum, will niemand offiziell sagen. Das Schloss ging wieder in den Besitz der Stadt Schlotheim zurück. Prunkvolles Interieur erinnert noch an den ausgefallenen Geschmack des Dr. Edelmann, den nicht alle grenzenlos teilen.

Geblieben ist die heilpädagogisch-therapeutische Kinder- und Jugend-Wohnstätte. Geblieben ist auch der Wunsch der Schlotheimer, ihr Schloss wieder mehr nutzen zu können. „Schön wäre es, wenn der Festsaal ein- oder zweimal im Jahr für Lesungen oder kleine Konzerte geöffnet werden könnte“, wünscht sich die Bürgermeisterin Margitta Otto (FDP).

Zumindest einmal im Jahr ist das Schloss die Hauptattraktion im kleinen Städtchen: zum Stadtfest. Das wird seit zwei Jahren im Schlosspark ausgerichtet. Auf das Fest richten sich auch die Schlossbewohner ein: Sie öffnen für die Besucher die Türen und laden zu Führungen und kleinen Vorlesungen ein. In diesem Jahr findet das Stadtfest vom 5. bis 7. August statt.

DIASCHAU

 

 

Schloss -Historie

 

 

Das Schloss war einst Wohnsitz der Familie Hopfgarten. Die bestimmte seit 1425 die Geschichte der Stadt. 1768 wurde die alte Burg abgerissen. Das Barockschloss Schlotheim wurde von 1773-1777 von Maximilian Ernst von Hopfgarten errichtet. Vorbild des Schlotheimer Schlosses ist die Sondershäuser Residenz des Dienstherren des von Hopfgarten. Das Schloss war bis 1945 in den Händen der Familie von Hopfgarten, anschließend wurde es Gemeindeeigentum. Kurzzeitig gehörte es einem Investor, seit Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts ist es aber wieder in Besitz der Stadt Schlotheim. Genutzt wird es seit 2001 als heiltherapeutische Kinder- und Jugendeinrichtung.

One Response to Barocke Pracht hinter meist verschlossenen Türen

  1. Holger Heerdegen

    Das Schlotheimer Schloss ist wirklich sehenswert, ich habe damals lange Zeit für das Schloss gearbeitet, die 4 Eingangsportale restauriert, originale Fenster nachgebaut und Parkett für 3 Säle gefertigt und verlegt, hier ein paar Bilder vom Festsaal und 2 kleinen Sälen.
    Holger Heerdegen, Tischlerei u. Restaurierungswerkstatt, http://www.restaurieren-tischlern.de/boeden_parkett.

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