Herzschlag auf dem Monitor

Posted by on 2. April 2011
Im Radiologischen Zentrum Mühlhausen sind jetzt auch Kardio-MRTs möglich

 

Konzentriert blickt das Ärzteteam auf den Monitor. Schichtweise ist ein schlagendes Herz zu sehen. Die Ärzte suchen nach Läsionen des Herzens. Der Mann, dem das Herz gehört, liegt ruhig im Kernspintomograph, der im Nebenzimmer steht.

 

Von Iris Henning

 

MÜHLHAUSEN.

BLICK INS HERZ: Dr. Martina Schuchard (r.) und die Applikationsspezialistin Ciny Lübeck der Firma Philips werten am Bildschirm die Aufnahmen aus. Foto: I. Henning

„Halten Sie mal die Luft an“, sagt die Assistentin. Im Radiologischen Zentrum Mühlhausen wird dieser Satz demnächst oft zu hören sein und er ist wörtlich gemeint. Ab sofort können in dem Zentrum die sogenannten Kardio-MRTs durchgeführt werden – ein nichtinvasives Verfahren zur Untersuchung des Herzens mit Hilfe der Kernspintomographie. Kein Herzkatheter muss durch die Arterie des Patienten geschickt werden. „Die Anatomie und Funktion von Organen und Geweben lässt sich in nur einer einzigen Untersuchung darstellen. Wir Ärzte können beispielsweise gleichzeitig sehen, ob ein Gefäß am Herzen verändert ist und der Herzmuskel richtig versorgt wird“, erklärt Dr. Martina Schuchard das Diagnoseverfahren. Als weiteren Vorteil dieser Untersuchungsmethode hebt sie hervor, dass für die Patienten keine Strahlenbelastung entsteht. Es wird nicht mit Röntgenstrahlen gearbeitet.

In der Kernspintomographie produziert ein Magnetresonanztomograph (abgekürzt: MRT) mithilfe von Magnetfeldern und Radiowellen Daten, die per Computer in Bilder übersetzt werden. Auch dreidimensionale Ansichten von Organen sind möglich, ebenso können sich bewegende Organe wie das Herz untersucht werden.

Allerdings muss der Patient bei dieser Untersuchung „mitarbeiten“. Etwa 30 Minuten dauert das Diagnoseverfahren. Ruhig liegen muss der Patient im Kernspintomographen, der „Röhre“. Um ein Schnittbild des schlagenden Herzens zu erzeugen, muss während der Untersuchung ein EKG abgeleitet werden, beschreibt die Ärztin das Prozedere. So erkenne das Gerät den Rhythmus des Herzschlages und sei in der Lage, Bildfragmente aus mehreren Herzschlägen zu einem vollständigen Bild zusammenzusetzen. Um Bewegungen des gesamten Brustkorbes zu vermeiden, muss der Patient während der Messungen wiederholt für etwa 10 bis 15 Sekunden die Luft anhalten. Das pulsierende Herz ist im Nebenraum auf Monitoren zu sehen. Später werden die Ärzte diesen „Film“ auswerten.

Seit dem Umzug im vergangenen Jahr aus dem Hufeland-Klinikum an die Thomas-Müntzer-Straße ergänzt der moderne Kernspintomograph die Technik im eigenständigen Radiologischen Zentrum, zu der unter anderem neben den Röntgengeräten auch ein 16-Zeilen-Computertomograph, ein Kernspintomograph, eine nuklearmedizinische Gammakamera und eine nuklearmedizinische Doppelkopfkamera und Ultraschallgeräte gehören. Etwa drei Millionen Euro investierte das dreiköpfige Ärzteteam des Zentrums, Dr. Martina Schuchard, Dr. Uwe Schuchard und Dr. Mathias Bürger, in den neuen Standort. In die technische Erweiterung um das neue Diagnoseverfahren „Kardio-MRT“ wurden jetzt weitere 80.000 Euro investiert. „Wir wollen radiologische Diagnostik und Therapie auf höchstem Niveau bieten “, erklärt die Medizinerin. Darum müssen Herzpatienten ab nächster Woche während des Diagnoseverfahrens für einige Sekunden die Luft anhalten.

 

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