Geschichte und Geschichtchen

Posted by on 22. März 2011
Jürgen Thormann erinnerte an die Gründung des Kulturbundes vor 65 Jahren

 

MÜHLHAUSEN.

An die Gründung des Mühlhäuser Kulturbundes vor 65 Jahren in Mühlhausen erinnerte jetzt Jürgen Thormann, der heutige ehrenamtliche Vorsitzende des Vereins. Ein großer Tag im Nachkriegsgeschehen war der 28.März 1946. Am „Schützenberg“ fand die Gründungsversammlung statt. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Hellmut Neumann hielt eine Rede über Ziele und Aufgaben des Kulturbundes. Mit Kunst und Kultur sollte der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung beitragen und das faschistische Gedankengut aus den Köpfen der Menschen bringen. Die Sehnsucht nach Normalität im Land und nach Kultur war groß. 344 Mühlhäuser trugen sich gleich als Mitglieder im Kulturbund ein, darunter 32 Ärzte, 34 Lehrer, 17 Fabrikanten, 48 Angestellte und 20 Handwerker. Dr. Neumann wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Viele Stationen des Mühlhäuser Kulturbundes führte Thormann auf. Die erste Geschäftsstelle befand sich in der Ratsstraße, später zog der Kulturbund in die Linsenstraße, letztlich wurde die Adresse an der Brückenstraße 9 (Entenbühl) die Kulturbundadresse. Die Möbel wurden von Mitgliedern gespendet. Beliebte Veranstaltungsorte waren das Puschkinhaus und das Geschwister-Scholl-Heim. Strom- und Heizungsengpässen begegneten die Mitglieder des Kulturbundes mit Kerzen und von zu Hause mitgebrachtem Heizmaterial.

Allein vom Gründungstag, jenem 28. März 1946, bis zum 31. Okt.1948 gestaltete der

Kulturbund 492 Veranstaltungen, die von 36 000 Gästen besucht wurden.

Auch an ernste Krisen erinnerte Thormann. So verschwand der Geschäftsführer des Kulturbundes mit der Kulturbund-Kasse und wertvollen optischen Geräten nach Westdeutschland. Die Währungsreform 1948 sorgte fast für den finanziellen Zusammenbruch. Nur Spenden

wohlhabender Mitglieder retteten den Kulturbund vor der Auflösung.

Noch einmal sollte es eine Zerreißprobe für den Kulturbund geben – in den Jahren nach der politischen Wende im Land. Von den einst 1300 Mitgliedern in den 1990er Jahren blieben knapp 400. Eine Erbengemeinschaft beanspruchte für sich das Kulturbundhaus. Es folgten unsichere Jahre des Hin- und Herziehens in der Stadt. „Die Umzugsodyssee wurde erst beendet, indem wir 1990 in das neu eröffnete Puschkinhaus zogen“, so Jürgen Thormann.

Heute zählt der Kulturbund etwa 320 Mitglieder. Jährlich werden mehr als 850 Veranstaltungen angeboten, die von etwa 15000 Gästen besucht werden. Das 65-jährige Bestehen des Kulturbundes wird derzeit mit Tagen der Wissenschaft und Kultur im Puschkinhaus gewürdigt. ih

 

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