Aus Holz und Stein

Posted by on 6. Februar 2011
Im Kunsthaus: Jürgen Bartsch ist ein einfühlsamer Suchender

MÜHLHAUSEN.

Er zieht die schwere Lederschürze über seinen hellen Rollkragrenpullover, streift ein ledernes Stützband über sein Handgelenk, setzt eine Schutzbrille auf, greift nach dem Stechbeitel und dem Holzhammer und gibt eine kleine Lehrstunde in Sachen Holzbearbeitung. Statt Laudatio zur Eröffnung der Ausstellung von „Künstlerisches Gestalten in Holz und Stein“ im Kunsthaus an der Felchtaer Straße gab Jürgen Bartsch einen kurzen Einblick in die praktische Arbeit als Bildhauer. Für einige Minuten war das Rednerpult ein Werkstatttisch geworden.

Der Mann aus Lohenfelde bei Kassel ist ein leidenschaftlicher Bildhauer. Viel Worte um seine Arbeiten verliert er nicht. Er besinnt sich ganz auf das Schaffen, auf das Werden und Entstehen von Skulpturen. Davon hat er für seine kleine Personalausstellung reichlich mitgebracht: in Tierkörper verwandelter Speckstein, Porträts aus Holz. Alles keine Eins-zu-eins-Darstellungen, wie der Künstler erklärt. Das Material zeige ihm stets Grenzen auf: Astflecken oder Unregelmäßigkeiten im Stein, zum Beispiel. Mit entsprechendem Einfühlvermögen sucht er Schicht um Schicht nach der im Holz oder Stein verborgenen Skulptur.

Ausgleich in seinem Bemühen um Perfektion scheint Bartsch in der Malerei zu suchen. Mit kraftvollem Strich gemalt sind seine Bilder, die er in erstaunlicher Gengre-Vielfalt mitgebracht hat: Studien, Tuschezeichnungen, Aquarelle, Acrylarbeiten.

Für Mario Götting, dem Inhaber des Kunsthauses, sind die Arbeiten von Bartsch „Ausdruck erstaunlicher Anmut“, wie er lobte. Entsprechend eröffnet wurde die Bartsch-Ausstellung. Während eines Trompeten-Ständchens, dargeboten von Klaus Eisenacher und Mario Götting, wurde „Amazing grace“ gespielt, das die Musiker mit „Höchst erstaunliche Anmut“ übersetzten. Musikalische Grüße brachte auch die Gattin des Künstlers. Elisabeth Bartsch spielte für ihren Mann und die vielen Gäste auf dem Schifferklavier.

Zu sehen ist „Künstlerisches Gestalten in Holz und Stein” im Kunsthaus nun bis Ende März.

Iris Henning

DIASCHAU

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