Frust mit Lustpotenzial

Posted by on 23. Januar 2011
Dr. Hans-Erich Müller seziert mit Kasper und Co. die Gesellschaft

MÜHLHAUSEN.

Ein blau gestrichenes Puppentheater mit orange-rotem Vorhang, eine Räuberhöhlen-Kulisse sowie ein Kasper, eine Gretel, ein Seppel, ein Teufel und ein paar Nebendarsteller als Handpuppen: Mehr braucht der Mühlhäuser Chirurg im Ruhestand, Dr. Hans-Erich Müller, nicht, um satirisch und clownesk zu kalauern. Nichts ist ihm dabei heilig: weder die große noch die kleine Politik, weder Gesellschaft noch Familie, selbst der König Fußball bekommt ordentlich sein Fett weg. Denn Frustpotenzial lauert überall und Dr. Müller seziert dieses mit größter Lust. Sein Skalpell dabei sind Kasper und Co.

Die ließ der Akademiker am Wochenende wieder im blauen Mikrokosmos zwischen derb-naiv bis hintersinnig agieren und über das wirkliche Leben wortverspielt philosophieren. Er schickte sie auf geistige Höhenflüge, um eine Medizin gegen die politischen und alltäglichen Beschwerden zu finden. Letztlich ist es stets das „Frustschutzmittel“, dass die Akteure ihrem Publikum empfehlen. Denn dem Publikum, so die Moral von der Geschichte, ist eigentlich nicht zu helfen. Der deutsche Wähler, so bringt es der Kasper auf den Punkt, ist eben wie einer, der täglich seine Runde um den Häuserblock dreht und stets in den an der gleichen Stelle liegenden Hundehaufen tritt und sich dann über stinkende Schuhe ärgert. Doch um den Haufen herum will er nicht gehen: Der Wähler mag keine Experimente.

Eine Stunde lang unterhielt Dr. Müller sein Publikum über nur allzu Menschliches. Die Zuschauer amüsierten sich prächtig und spendete reichlich Szenenapplaus. Auftrittsort war das Haus der Kirche. Ursprünglich sollte die Aufführung „Vom Frust zur Lust“ im Kunsthaus an der Felchtaer Straße stattfinden. Doch es hatten sich so viele Besucher angekündigt, dass sich die Organisatoren kurzfristig für den Umzug in den Saal des Kirchenhauses entschlossen haben.

Dr. Hans-Erich Müller tritt seit mehr als zwei Jahrzehnten mit seinem Kaspertheater auf. Mit satirisch spitzer Lästerzunge lässt er seine Handpuppen den politischen und zwischenmenschlichen Alltag aufspießen. „Weil das politische Leben nur zu ertragen, wenn man es mit Humor betrachtet“, sagt der akademische Puppenspieler, der als Fraktionsvorsitzender von Pro Mühlhausen/B`90 – Die Grünen selbst mit im Mühlhäuser Stadtrat sitzt.

Iris Henning

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.