Ungebremste Leselust

Posted by on 20. Januar 2011
Die „Grabkammer“ und das „Kalorienkiller-Kochbuch“ führen die Bibliotheks–Bestseller-Liste an

Der typische Bibliotheksleser ist weiblich, Mitte 40 Jahre und greift zur Belletristik. Die weniger ausgeliehene Literatur über Heimatkunde wird dagegen von der männlichen Leserschaft bevorzugt. Auch die ist mit Mitte 40 und älter nicht mehr ganz jung.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

FAST IMMER VERGRIFFEN: Die „Grabkammer“ von Tess Gerritsen ist bei den Lesern sehr begehrt. Kaum hat sie Bibliotheksmitarbeiterin Christina Georg das Buch ins Regal gestellt, ist es auch schon wieder weg.

An den Lesegewohnheiten hat sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum etwas verändert. Die Mühlhäuser im Alter zwischen 40 und 50 Jahren schmökern am liebsten. Das geht aus der Jahresstatistik der Mühlhäuser Bibliothek hervor. Diese Leselust liegt vermutlich daran, dass die Kinder aus dem Haus sind und nun wieder mehr Zeit für eigene Freizeitinteressen bleibt. Allerdings flacht das Interesse mit zunehmenden Schritten auf das Rentnerdasein wieder ab. Warum auch immer. Doch wer dann in den Ruhestand getreten ist, greift abermals gern wieder nach Literatur.

Seit dem Jahr 2008 verzeichnet die Stadtbibliothek zudem ein großes Lesebedürfnis bei den 9- bis 13-Jährigen. Sind die Mühlhäuser Grundschüler also besser, als die Pisa-Studien über die Thüringer Kinder behaupten?

Bibliotheksleiter Peter Rink lächelt. Die Frage könne er zwar nicht beantworten, meint er. Aber dass viele Zweit- bis Viertklässler gern lesen, das wisse er mit Bestimmtheit. Die Erklärung liefert er gleich mit: Seit im Jahr 2008 die erste Schulbibliothek eingerichtet wurde – das war in der Nikolaischule -, sind die Ausleihzahlen sprunghaft in die Höhe geschnellt. „Tintenherz“ und „Hexe Lilli“ sind bei den Kindern am beliebtesten. Diese Bücher sind fast immer unterwegs. Mittlerweile gibt es vier Schulbibliotheken und noch in diesem Monat soll in der Margartenschule die fünfte eröffnet werden.

Eine erstaunlich interessierte Leserschaft ist auch unter den 17- bis 21-Jährigen zu finden. Haben die jungen Leute etwa die Faxen dicke von Computerspielen und Filme anschauen und entdecken die Literatur für sich? An diese Interpretation der Zahlen glaubt Peter Rink nicht. Die jungen Leute bereiten sich auf ihre Prüfungen vor und suchen entsprechend Fachliteratur, hat er eine simple Erklärung.

Insgesamt registrierte die Bibliothek in der Jakobikirche im vergangenen Jahr 46271 Besucher. Darunter sind nicht nur Bücherausleiher. Viele Touristen interessieren sich für die zur Bibliothek umgestalteten Kirche. Ebenso ist der Büchertempel an vielen Abenden beliebter Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen und Vorträge.

Eine „echte Zahl“ ist für Peter Rink die der Entleihungen. Knapp 100000 so genannter Medieneinheiten, also Bücher, Hörbücher, CDs, DVDs, Schallplatten usw., haben sich die Bibliotheksnutzer im vergangenen Jahr ausgeliehen, etwa genauso viel wie im Jahr zuvor. Mit mehr als 27000 Büchern ging am häufigsten Belletristik über den Bibliothekstisch. Bibliotheksbestseller war dabei die „Grabkammer“ von Tess Gerritsen. Das Buch war fast immer über vergriffen, ebenso das Buch auf Platz Nummer zwei, „Rache“ von Richard Laymon.

Sachliteratur wurde im vergangenen Jahr mehr als 17000 Mal ausgeliehen. Auf Platz Nummer eins dabei „Das Kalorienkiller-Kochbuch“ von Sven-David Müller.

Wenn auch die Zahl der Entleihungen im Vergleich zum Vorjahr stabil blieb, hatte die Stadtbibliothek im vergangenen Jahr einen Rückgang von etwa 800 aktiven Nutzer zu verkraften. Das ist Resultat der im Mai vergangenen Jahres eingeführten Bibliotheksgebühren für Leser ab 18 Jahre. Viel weniger Leser gibt es dennoch nicht. Viele Familien, in denen jeder einen Benutzerausweis besaß, beschränkten sich nun auf einen.

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