Besuch mit langer Nase

Posted by on 18. Januar 2011
Die possierliche Hausspitzmaus gehört zu den Insektenfressern

Sie ist mit sieben bis 15 Gramm ein super Leichtgewicht, trägt ein unauffälliges graubraunes Gewand, hat eine lange Nase und beträchtlichen Appetit: die Hausspitzmaus.Doch keine Bange. Das possierliche Tierchen hat es nicht auf Mehl und Brot abgesehen. Der Winzling bevorzugt vor allem Insekten und deren Larven, Asseln, Spinnen und Schnecken und nur gelegentlich Pflanzenteile.

Von Iris Henning

HAINICH.

SCHNÜFFELNASE: Die Hausspitzmaus ist gar nicht so selten, wie mancher denkt. Schwer zu finden ist sie trotzdem. Foto: Ralf Weise

Die kleine Rüsselnase ist ein scheues Tierchen. Kein Wunder. Bei dem Fliegengewicht wird es schnell zur leichten Beute. So ist es meist in der Dämmerung und in der Nacht unterwegs, um auf Nahrungssuche zu gehen. Einige Mutige lassen sich nicht gänzlich daran hindert, zu anderen Tageszeiten ihren Geschäften nachzugehen. Doch vor allen dann, wenn sich das Land mehr und mehr in Dunkelheit hüllt und nur noch wenige Lichtstrahlen die Landschaft erhellen, begibt sich unser Mäuschen mit der auffällig langen Nase auf die Suche nach Insekten, Schnecken, Würmern und ähnlichem Getier. Und da es nun, in den Wintermonaten, auf Wiesen, in Gärten und an Waldrändern zu ungemütlich ist, schleicht es sich gern in von menschlichen Wesen errichtete Bauwerke. Auch, wenn die Hausspitzmaus keine Mehltüren und kein Brot anknabbert, ist sie dort nur höchst ungern gesehen. Woher sollen die Zweibeiner auch wissen, dass es diese Maus mit ihren spitzen Zähnen nicht auf die Vorräte abgesehen hat und dass diese nicht direkt mit der Hausmaus und der Brandmaus verwandt ist, auch wenn einige Ähnlichkeiten dies vermuten lassen? Schnell ist die Falle aufgestellt oder Gift ausgelegt.

Glück hatte jedoch unsere kleine Hausspitzmaus. Sie suchte sich nicht in irgendeinem Haus Quartier, sondern wählte sich das des Biologen und Tierfotografen Dr. Ralf Weise aus. Der mag zwar auch keine Mäuse als Untermieter, doch stellt er ihnen eine Lebendfalle auf. Das geschieht nicht nur im Interesse der Maus. Als Tierfotograf sucht er stets geeignete Models. Die kleine zierliche Hausspitzmaus hatte das Zeug dazu. Im Terrarium gab sie eine gute Figur ab. Ihr Lohn dafür: ausreichend Nahrung und die Aussicht auf Freiheit auf einer nahen Wiese.

Schon viele Kleinsäugetiere aus der Region bekam Dr. Weise vor die Kamera. Nicht jede ging dabei in die Falle. Mitunter liegt der Tierfotograf beträchtliche Zeit auf der Lauer für den richtigen Moment.

Die Bildtrophäen sind die eine Sache, die den Tierfotografen reizen. Eine Übersicht über die Vielfalt der Kleinsäuger in der Region zu bekommen, ist das Interesse des Biologen. Akribisch wird jeder Fund und jede Beobachtung festgehalten.

Die kleine Hausspitzmaus übrigens, so erklärt der Biologe, gehöre nicht wie die Hausmaus und die Brandmaus zur Ordnung der Nager. Sie gehöre zur Ordnung der Insektenfresser. Rein äußerlich unterscheidet sich die Hausspitzmaus von der Hausmaus nicht nur durch eine geringere Größe. Sie ist lediglich nur Zweidrittel so groß. Die Hausspitzmaus hat eine spitzere Form des Kopfes und die Nase ist rüsselförmig. Diese lange Nase ist mehr oder weniger bei allen Arten von Spitzmäusen ein Charakteristikum. Die Hausspitzmaus trägt dazu oberseits noch ein graubraunes Gewand. Verbreitet ist sie in Westeuropa, Mitteleuropa und Nordwestafrika. Neuerdings wurde sie auch in Irland gesichtet.

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