Arbeitsförderverein war die Wiege für ein Stück Kultur

Posted by on 13. Januar 2011
Der Mühlhäuser Detlef Braun legte mit der Gründung des Vereins „Arbeiten und Lernen“ vor 20 Jahren mit den Grundstein für den Verein 3K

Der Kulturverein 3K feiert in wenigen Wochen mit einem Festakt sein 20-jähriges Bestehen. An die Anfänge erinnert sich der Mühlhäuser Detlef Braun, der vor gut 20 Jahren engagiert loszog, um den Verein „Arbeiten und Lernen in Mühlhausen“ zu gründen, der damals noch „SaMeCo Arbeiten und Lernen in Mühlhausen“ hieß und nur 17 Jahre alt werden sollte. Diese Vereinsgründung war nicht nur die Basis für 3K, sondern auch für andere Projekte.

Herr Braun, vor 20 Jahren zogen Sie los, den Verein Arbeiten und Lernen in

Mühlhausen zu gründen. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Die Suche danach, etwas Situationsgerechtes, Positives zu tun, trieb sicher nicht nur mich in der Wendezeit. Damals war ich in den Aufsichtsrat der deproma GmbH, der Rechtsnachfolgerin des VEB Mikroelektronik, gewählt worden. Für jeden, der nicht nur von blühenden Landschaften

träumte, zeigte inzwischen die Realität, dass ein Großteil der Jobs im marktwirtschaftlichen System der BRD keinen Bestand haben würde. Mir ging es dabei insbesondere darum, hier vor Ort Übergangslösungen für diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, für welche sich

nicht in Nachfolgefirmen oder im Vorruhestand eine überschaubare Perspektive abzeichnen

würde. Als mich Hans-Jürgen Schache, ebenfalls Aufsichtsratsmitglied, fragte, ob ich denn einen Arbeitsförderverein gründen könne, habe ich spontan ja gesagt. Schließlich hatte ich ja immerzu gedrängt, dass etwas getan werden müsse. Zusammen mit Wolfgang Hennes, einem Studenten aus Westberlin, erstellte ich eine Vereinssatzung und gewann weitere Unterstützer des Vorhabens. Wir gründeten am 21. Dezember 1990 den Verein „SaMeCo, Arbeiten und Lernen in

Mühlhausen e.V.“, der unter der Registriernummer VR 201 am Amtsgericht

Mühlhausen eingetragen wurde.

Was hatte sich der Verein zur Aufgabe gesetzt?

Der Verein sah seine Aufgabe darin, als regionaler, gemeinnütziger Träger Menschen zu unterstützen, die eine institutionelle Basis für die Umsetzung ihrer Projektideen oder Pläne

benötigten. Dazu sollten insbesondere die Instrumente der Arbeitsförderung, des Europäischen Sozialfonds ESF usw. genutzt werden, um zusätzliche Arbeitsgelegenheiten zu schaffen und bedarfsgerechte Qualifizierung zu realisieren. Es entstanden Projekte wie Arbeit statt Sozialhilfe, Jugendwerkstätten oder die Aufbauqualifizierung von Erzieherinnen zur Anerkennung ihrer Abschlüsse. Es war keine leichte Aufgabe, sich hier zu etablieren. So gab es gerade in der

Anfangszeit das Problem, dass Bildungsträger aus den Altbundesländern ihre

Verbindungen gut zu nutzen wussten und ein realer Wettbewerb nach meinen Erfahrungen nicht gegeben war. Trotzdem fanden wir aber unsere „Nischen“.

Wie lange hat der Verein existiert?

Das exakte Abschlussdatum der Liquidation kann ich leider nicht nennen. Allerdings begann die Liquidation, so wie ich mich erinnere, etwa 1997. Um diese Zeit fanden jedenfalls die Trägerwechsel und die sogenannte Ausgründung von Projekten statt.

Warum war die Auflösung des Vereins notwendig?

Da könnte man einfach sagen, die „Übergangszeit“ war vorbei. Zukunftsträchtige Projekte sind selbstständig geworden. Und das war ja auch Ziel.

Allerdings hätte es vielleicht auch anders gehen können. Immerhin erhielt der Verein bereits institutionelle Förderung für die Schaffung von um die 70 Arbeitsgelegenheiten

und es existierten schon mehrere Nebenstellen, so in Leinefelde, Schlotheim und Bad Langensalza. Über die Trägerschaft von Kindergärten war mit dem damaligen

stellvertretenden Landrat schon gesprochen worden und auch Ansätze für eine Schule in freier Trägerschaft waren bereits entwickelt.

Rückblickend: Was hat der Verein in Mühlhausen geschaffen?

Da gibt es gute Beispiele. Eines unserer „Kinder“ ist das „Seniorenbüro“, das als Bundesmodellprojekt gefördert wurde. Nächstes Beispiel ist der Verein „3K“. Er entwickelte sich als eines der ersten Projekte von Arbeiten und Lernen zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil des regionalen Kulturlebens. Dabei war 3K anfangs mit Töpfer- und Fotowerkstatt nicht nur ein Theaterprojekt. Weitere Beispiele: Die Mitarbeiterinnen der „Pädagogische Praxis“ in der Linsenstraße entwickelten Ihre ersten Aktivitäten bis zur Selbstständigkeit ebenfalls unter dem Dach des Vereins. Die „Schuldnerberatung“ und „Jugend-Konflikt-Hilfe“ im Unstrut-Hainich-Kreis (heute Diakonie bzw. Horizont e.V.) fanden ihre Ursprung ebenso in der Trägerschaft von Arbeiten und Lernen in Mühlhausen e.V. .

Was ist noch geblieben?

Neben den bereits genannten jetzt selbständigen oder in anderer Trägerschaft befindlichen Projekten, bleibt sicher  auch die gute Erinnerung daran, dass man gemeinsam mit anderen

Menschen etwas Positives auf den Weg gebracht hat.

Was machen Sie jetzt eigentlich, Herr Braun?

Im Sommer 2010 habe ich mich selbständig gemacht, nachdem ich in den letzten Jahren zuvor als Qualitätsmanagementbeauftragter in den Bereichen CNC-Technik und Kunststoffverarbeitung tätig war.

2 Responses to Arbeitsförderverein war die Wiege für ein Stück Kultur

  1. Schache,Hans-Jürgen

    War schon lange her oder ? Melden Sie sich,ich lebe noch und zwar in München
    schönen Tag noch

    Schache

  2. Cornelia Boehlke

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    würden Sie bitte meine E-Mail Adresse an Herrn Schache weiter leiten? Ich war damals seine kaufmännische Leiterin bei SaMeCo in Berlin. Nachher habe ich nie seine Adresse bzw. andere Kontaktdaten herausgefunden.

    Ich wäre Ihnen sehr dankbar.

    Mit besten Grüßen und Wünschen

    Cornelia Boehlke, Berlin

    Wolfgang Hennes kenne ich auch sehr gut. Wir haben uns über XING vernetzt.

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