Die Rückkehr der Pinselohrkatze

Posted by on 8. Januar 2011
Der Luchs wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zum Wildtier des Jahres gewählt

Er ist ein geschmeidiger Sprinter, trägt pinselähnliche Quasten an den Ohren, kann eine Schulterhöhe bis etwa 70 Zentimeter erreichen und liebt die Einsamkeit in großen Wäldern: Der Luchs, die größte in Europa lebende Katzenart, wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zum Wildtier des Jahres 2011 gewählt.

Von Iris Henning

HAINICH.

Der Luchs tritt die Nachfolge des Daches an. Die Pinselohrkatze ist Wildtier des Jahres 2011. Foto: Ralf Weise

Er galt als ausgerottet, doch schleicht sich der Luchs auf weichen Pfoten wieder durch Thüringen. Das berichtet der Landesverband Thüringen des Naturschutzbundes NABU. Gesichtet wurde die scheue Pinselohrkatze schon im Thüringer Wald bei Ilmenau, Suhl, Oberweisbach und Neuhaus am Rennweg sowie bei Sondershausen, am Kyffhäuser, an der Hainleite und Erfurt.

Einst war der Eurasische Luchs (Lynx lynx) in ganz Europa verbreitet. Gejagt und fast ausgerottet wurde er vor allem wegen seines kostbaren Pelzes und wegen seines Rufs als „Jagdschädling“. Im 19. Jahrhundert hatte man es dann geschafft: Der Luchs galt in Deutschland fast als vollständig ausgerottet. In Thüringen wurde der letzte Luchs im Jahre 1819 bei Luisenthal erlegt. Rund 200 Jahre sind nach diesem letzten Schuss vergangen, bis der Luchs wieder durch Thüringer Wälder schleicht.

Die Beobachtungen des Naturschutzbundes bestätigt auch der aktuelle Artenbericht des Nationalparks Hainich. Darin heißt es: „Im Zusammenhang mit der Wiederansiedlung im Harz sowie den Ausbreitungstendenzen aus Richtung Tschechien kann durchaus mit Nachweisen des Luchs im Hainich gerechnet werden. So wurde 2002 mehrfach ein Luchs unbekannter Herkunft bei Ifta (nur rund 20 Kilometer südwestlich des Hainich) beobachtet. Aus dem Jahr 2003 liegt eine glaubhafte Sichtbeobachtung aus einem Gebiet unmittelbar nördlich des Hainich bei Mühlhausen vor. Seit 2005 gibt es Beobachtungen, auch von Jungtieren, im Thüringer Teil des Harzes. Im Dezember 2010 gab es eine glaubhafte Sichtbeobachtung im Hainaer Holz, nur wenige Kilometer südlich des Nationalparks.“

Die Naturschützer von NABU halten eine dauerhafte Wiederansiedlung des Luchs in Thüringen durchaus für möglich. So gibt es in unmittelbarer Nachbarschaft, im Harz und im Bayerischen spezielle Ansiedelungsprojekte, um den Luchs in freier Wildbahn zu etablieren. Da diese Tiere ein großes Revier für sich beanspruchen, könnten sie auch die Thüringer Wälder für sich erobern. Die Reviergröße eines weiblichen Luchses beträgt zwischen 10.000 und 15.000 Hektar, die des Männchens zwischen 12.000 und 40.000 Hektar. Als Lebensraum bevorzugt der Luchs waldreiche Gebiete und deckungsreiche Vegetation. Wobei er durchaus nicht auf absolute Wildnis besteht.

Luchse sind auch dort, wo es sich lohnt, unvorsichtigen Beutetieren hinterher zu pirschen – nicht im tiefen und eher wildarmen Wald, sondern da, wo Wald und Wiese aufeinandertreffen. Auf seiner Jagd nach Rehen legt er oft viele Kilometer zurück.

In Thüringen existieren laut NABU für die Ansiedlung des Luchs gute Voraussetzungen im Thüringer Wald und im Schiefergebirge, im Südharz und im Hainich.

Die Wahrscheinlichkeit, dieser großen Katze zu begegnen, ist allerdings sehr gering. In der Regel meiden Luchse menschliche Ansiedlungen. Sie gelten im Allgemeinen auch als sehr scheu, machen sich aber eigentlich nur „unsichtbar“. Der Luchs vertraut auf seine perfekte Tarnung. Bleibt er bewegungslos und macht keine Geräusche, wird er fast immer von den Menschen übersehen. Zudem sind Luchse meist in der Dämmerung und nachts unterwegs, also in Zeiten, in denen die bequemen Zweibeiner meistens vor dem Fernseher sitzen oder schlafen.

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