Außergewöhnliche Erscheinung

Posted by on 6. Januar 2011
Betteleiche ist auch im Winterkleid der Star im Nationalpark Hainich

Er gilt als der bekannteste Baum im Hainich: die Betteleiche in der Gemarkung Mülverstedt. Ihre bizarre Form ließ sie zum Wahrzeichen des Nationalparks Hainich werden. 1000 Jahre soll der Baum alt sein. Die Betteleiche ist nicht nur in den Sommermonaten beliebter Nationalpark-Star. Auch in ihrer Winterbekleidung ist diese wundersame Stiel-Eiche eine außergewöhnliche Erscheinung.

Von Iris Henning

MÜLVERSTEDT.

WAHRZEICHEN: Die Betteleiche im Herzen des Nationalparks ist auch im Winterkleid der Hainich-Superstar. Foto: Ralf Weise

Breitbeinig und ein wenig schief steht das knorrige Baumgeschöpf im Herzen des Nationalparks. In seinem Stamm klafft ein Spalt, so hoch und breit, dass selbst ein gut gebauter Zwei-Meter-Mann mühelos hindurchgehen könnte. Trotz dieser klaffenden, vernarbten Wunde schafft es dieses Wunder von Baum jedes Frühjahr wieder, zu neuem Leben zu ergrünen.

Bettelmönche aus dem Franziskanerorden St. Katharinen in Eisenach, die im Hainich, am Ihlefeld, eine Außenstelle gründeten, sollen die Kerbe Mitte des 15. Jahrhunderts in den Baum geschlagen haben. Einwohner der umliegenden Dörfer sowie vorübergehende Reisende auf dieser eins stark frequentierten Handelsstraße legten Spenden für die Mönche und Bittgebete in die Vertiefung. So gelangte die Betteleiche zu ihrem Namen. Durch Fäulnis und Verwitterung hat sich die Nische in den vergangenen fünfhundert Jahren zu der heutigen Größe, einem etwa zweieinhalb Meter hohen Durchgang, erweitert.

Zugegeben: Dieses gigantische Loch macht die Betteleiche, die direkt am Kammweg durch den Hainich steht, nicht gerade zu einer Schönheit, zu einem besonderen Erscheinungsbild aber schon. Das wurde bereits vor über 70 Jahren erkannt. 1936 wurde die Betteleiche unter Naturschutz gestellt. Heute ist sie weit mehr als ein Naturdenkmal. Sie wurde zum Wahrzeichen des Nationalparks Hainich.

Zu erreichen ist die Betteleiche von Kammerforst aus gut über den „Betteleichenweg“. Ausgangspunkt der gut elf Kilometer langen Rundwanderung kann das Obergut Kammerforst sein. Der gut ausgeschilderte Weg führt bergan in Richtung Hainich zur Wüstung Bechstedt im gleichnamigen Grund. Durch einen Schluchtwald mit Ahorn und Eschen führt der Weg weiter Richtung Hainichkamm zum Ihlefeld mit der imposanten Betteleiche. Etwa 200 Meter von der Betteleiche entfernt, erinnert ein weiterer Zeuge an das Mittelalter: das Ihlefelder Kreuz. Es erzählt von einem Jagdunfall mit einem Bären. Jäger und Bär sind auf der eingeritzten Zeichnung zu erkennen. Das Ihlefelder Kreuz stammt aus der Zeit um 1450 und ist damit das älteste Steinkreuz im Hainich. Steinkreuze wurden in dieser Zeit an Orten errichtet, an denen jemand unvorhergesehen verunglückte, so dass er die Letzte Ölung nicht mehr empfangen konnte,

Folgt man dem Rundwanderweg weiter, wird bald der historische Wegweiser „Eiserne Hand“ erreicht und mit einigen wunderschönen Blicken in das Thüringer Becken geht es bergab über Offenlandflächen wieder Richtung Kammerforst zurück.

Durch die dicke Schneedecke bietet der Hainichkamm derzeit traumhafte Bedingungen für Ski-Langläufer. Der Nationalpark Hainich wurde übrigens vor 13 Jahren als 13. Nationalpark Deutschlands gegründet. Mit seinem reichen Buchenbestand gilt er als Naturerbe von internationalem Rang. Die bizarre Betteleiche ist das besondere Extra.

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