Ein astronomisches Ziel

Posted by on 24. Dezember 2010
Freunde der Mühlhäuser Sauer-Orgel haben sich eine ehrgeizige Aufgabe gestellt

Etwa 750.000 Euro kostet die Sanierung der Sauer-Orgel in der Kirche St. Marien. Vor einem guten Jahr schlossen sich die Freunde der Mühlhäuser Sauer-Orgel zu einem Verein zusammen, mit dem Ziel, dieses Geld für die dringend notwendige Sanierung Restaurierung zusammenzubekommen. Vorsitzender des Vereins ist der künstlerische Leiter der Mühlhäuser Marienkonzerte, Denny Ph. Wilke.

Herr Wilke, der Freundeskreis arbeitet intensiv daran, Geld für die notwendige Restaurierung der Sauer-Orgel zu beschaffen. Wie ist der Stand der Dinge?

Einen kleinen Grundstock darf der Verein durchaus sein Eigen nennen. Einige Anträge für die Unterstützung der Restaurierung der Sauer-Orgel sind in Arbeit. Wir warten natürlich auf das Resultat und sind fleißig am gezielten Weitersuchen und Weiterarbeiten.

Für die Sanierung ist eine Summe notwendig, die manch einer als „astronomisch“ bezeichnet: 750.000 Euro. Ist das die Orgel wert?

Ja natürlich! Es ist ein Instrument, welches klanglich und in der handwerklichen Anfertigung in einer Kategorie anzusiedeln ist, die man als künstlerisch hochwertig, gar außerordentlich bezeichnen darf. Eine Orgel wie die Sauer-Orgel in St. Marien neuzubauen, würde etwa 1,8 Millionen Euro kosten. Ich möchte Ihnen einige Summen nennen, wie viel die Restaurierungen anderer bedeutender Orgeln gekostet haben: drei Millionen für die Stellwagen-Orgel in der Marienkirche in Stralsund, eine Million Euro für die Sauer-Orgel im Bremer Dom und eineinhalb Millionen Euro für die Ladegast-Orgel im Merseburger Dom.

Wie will der Freundeskreis das viele Geld für die Sauer-Orgel beschaffen?

Man sollte sich bewusst sein, dass man nicht für sich und für die Zeit, in der man gerade lebt, restauriert, sondern vor allem für nachkommende Generationen – als Zeitdokument. Sonst hätten wir nicht soviel wertvolle erhaltene Denkmäler und vor allem nicht soviel schöne Musik aus vergangener Zeit. Für die Sauer-Orgel müssen möglichst alle potenziellen Spender und Sponsoren begeistert und gewonnen werden. Wir können es uns als Verein nicht erlauben zu selektieren. Das ist bei dieser Summe einfach nicht möglich.

Mal angenommen, das Geld kommt nicht zusammen und die Orgel kann in den nächsten Jahren nicht restauriert werden. Was würde passieren?

Die Orgel klingt auch im jetzigen Zustand sehr gut. Das ist ein weiterer Garant für die hohe Qualität dieses Instrumentes. Aber viele mechanische Teile sind nach 120 Jahren Dienst einfach verschlissen. Manche mechanischen Wege, die von der Taste bis zur Pfeife führen, werden mit einer zurechtgebogenen Büroklammer zusammengehalten. Da fällt mir ein Vergleich ein: Wenn man am Automotor einen Keilriemen durch eine Strumpfhose notdürftig ersetzt, kommt man mit etwas Glück einige Kilometer weiter, aber eben nur einige.

Nicht nur die Orgel-Restaurierung kostet Geld, auch die Konzerte brauchen finanzielle Unterstützung. Ist das nicht eine Riesenaufgabe für den kleinen Verein, sowohl die

Konzerttätigkeit aufrechtzuerhalten als auch Geld für die Restaurierung zu beschaffen?

Könnte man nicht erst die Orgel restaurieren und dann an weitere Konzerte denken?

Nun, ein Teil der „Mühlhäuser Marienkonzerte“ wird von der Stadtverwaltung getragen. Die Einnahmen der Konzerte, die der Verein veranstaltet, sind der Grundstock für den finanziellen Eigenanteil des Vereins, der für Förderungen, etwa durch Stiftungen oder staatliche Fördermaßnahmen unabdingbar ist. Außerdem müssen wir für die Marienkirche wieder eine Hörerschar gewinnen, die sich der musikhistorischen Tradition dieses Raumes bewusst wird und weiß, dass in den Marienkonzerten eine absolut künstlerisch hohe Qualität geboten wird. Zudem sind die Marienkonzerte ein Teil unserer öffentlichen Vereinsarbeit.

Herr Wilke, Sie selbst kommen oft und gern nach Mühlhausen, um auf der

Orgel Konzerte zu spielen, so geben Sie auch das Weihnachts- und Silvesterkonzert.

Feiern Sie auch in Mühlhausen in das neue Jahr hinein?

Nein, leider nicht. Nach dem Konzert fahre ich nach Nürnberg und feiere dort in das neue Jahr hinein. Am Neujahrstag spiele ich im Gottesdienst eine Kantate aus dem Weihnachtsoratorium mit.

Was wünschen Sie sich als Vorsitzender für den Verein vom kommenden Jahr?

Dass viele Mühlhäuser Bürger, als auch viele Gäste aus nah und fern mit dem Verein, der sich gerne über weiteres ehrenamtliches Engagement freut, das Jubiläum, nämlich 120 Jahre Sauer-Orgel, mitfeiert und würdigt.

Worauf können sich die Freunde der Orgel-Musik im nächsten Jahr freuen?

Gleich auf den Auftakt der Marienkonzerte, der 4. Juni 2011. Einer der besten Organisten der Welt habe ich für Mühlhausen gewinnen können: Notre-Dame-Organist Olivier Latry aus Paris. Des weiteren ein Konzert mit den Thüringer Sängerknaben. Natürlich wird auch der 200. Geburtstag von Franz Liszt in den Programmen eine Rolle spielen. Und im Oktober gibt es ein Jubiläumskonzert anlässlich des 400. Todesjahres des in Mühlhausen geborenen Komponisten Johannes Eccard. Es gibt für die Marienkonzerte auch im nächsten Jahr wieder eine Abo-Karte, der Verkauf startet im neuen Jahr.

Gespräch: Iris Henning

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