Die Drehorgel-Freude

Posted by on 16. Dezember 2010
Der Leitende Staatsanwalt ist gern mit Musik auf besonderer Mission

Früher hatten die Leierkasten-Männer stets einen Affen bei sich, der frech wie Oscar war. Heute sind Plüschtiere der Affen-Ersatz. Bei Harpo Krieg ist es ein kleiner Weihnachtsmann, der den Korb hält, in den die Passanten die Münzen klingen lassen. „Aber nur zu Weihnachten“, schmunzelt der Freizeit-Leierkasten-Mann.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

„Leise rieselt der Schnee“ und „Stille Nacht“ haben derzeit Hochsaison. Harpo Krieg steht auf dem Weihnachtsmarkt und dreht an der Kurbel. Heute ist es ungemütlich, ein kalter, feuchter Wind geht. Trotzdem greifen die Passanten ins Portmonee und spenden. Die Melodien gefallen. 10-Cent-, 20-Cent- und 50-Cent-Stücke landen im Körbchen. Ein- und Zwei-Euro-Münzen sind seltener. Für jedes Klingeln im Körbchen, und sei es auch noch so klein, hat der Leierkasten-Mann ein freundliches Lächeln und ein dankbares Kopfnicken übrig.

Das Geld, das er einnimmt, sammelt der hochgewachsene Mitfünfziger nicht für sich. Damit hilft er anderen. Harpo Krieg verdient als Leitender Staatsanwalt in Mühlhausen seine Brötchen. „Ich bin ein Leierkasten-Mann, weil es mir Freude bereitet“, sagt er.

Sein Leierkasten ist eine Raffin-Konzert-Orgel, ein schickes Vorzeigestück mit allem Drum und Dran. Mit etwa 20 Jahren ist sie noch recht jung. Eigentlich gehört die Orgel gar nicht ihm, erzählt der Staatsanwalt. Die Orgel gehört seinem Sohn Eicke (14), der sie wiederum vor einigen Jahren von seinem Großvater geerbt hat. Doch Freude am Spiel auf der Drehorgel habe eben nicht nur der Sprössling.

An diesem nasskalten Tag spielt Harpo Krieg zugunsten des Vereins der Freunde der Mühlhäuser Museen. Der braucht Geld, um wertvolle Sammelstücke im Besitz der Mühlhäuser Museen restaurieren zu können. Diese Sache will er unterstützen. Alle Jahre wieder, Heute kommt der Weihnachtsmann, Kling Glöckchen… lässt er über den Weihnachtsmarkt schallen. Das Programm ist reichhaltig, jedes Lied klingt perfekt. Der Staatsanwalt scheint sehr musikalisch zu sein. „Mitnichten“, streitet er lachend ab. „Ich bin eher unmusikalisch“. Das sei sogar vorteilhaft für einen Drehorgel-Spieler, meint er. Der müsse nämlich lediglich die Kurbel gleichmäßig mit der richtigen Geschwindigkeit drehen. Harpo Krieg legt ein Musikpause ein, lüpft die Klappe seiner Drehorgel und gibt zur Erklärung des Gesagten das Innere preis: ein Lochband. Und das sieht ziemlich neu aus.

Gut 70 solcher Lochbänder besitzen er und ein Sohn. Frank Sinatra, Michel Jackson, Abba, listet er als Beispiele auf. Diese Melodien seien zu Geburtstagen bei Verwandten und Freunden sehr gefragt.

Trotz CDs und MP3’s, Fernehen und Radio hat die Drehorgel von ihrem Charme nichts eingebüßt. Noch heute staunt das Publikum über das Musikgerät, das Ende des 19. Jahrhunderts als ein wahres Wunderwerk galt. Erstmals konnte ein Gerät Melodien beliebig oft und in immer gleicher Qualität wiederholen. Mann oder Frau musste nur gleichmäßig die Kurbel drehen.

Und falls auf einem heutigen Fest, einem Markt oder während einer Benefizveranstaltung in Mühlhausen wieder ein freundlich lächelnder Mann zur Freude der Passanten und Gäste auf der Drehorgel spielt, ist es vielleicht der Staatsanwalt, der in der Mission unterwegs ist, mit bekannten und beliebten Melodien anderen zu helfen.

One Response to Die Drehorgel-Freude

  1. Martin Johannes Göttsching

    Es wäre schön, den leitenden Herrn Oberstaatsanwalt kennen zu lernen

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