Sie greifen nach den Sternen

Posted by on 25. November 2010
Theaterwerkstatt 3K wird 20 Jahre alt und plädiert für die Existenzberechtigung der Breitenkultur

Im nächsten Jahr wird der Verein 3K und damit auch die Theaterwerkstatt 20 Jahre alt. Bernhard Ohnesorge, der langjährige Leiter der Theaterwerkstatt, will in dem Jubiläumsjahr nach den Sternen greifen, wie er im TA-Gespräch vorausblickt.

Herr Ohnesorge, wie stellen Sie sich das Jubiläumsjahr für den Verein, speziell für die Theaterwerkstatt vor?

Wir machen was richtig Schönes. Mit dieser Einstellung habe ich mir gemeinsam mit Mitarbeitern und Jugendlichen zum jährlichen Brainstorming Gedanken gemacht. Wir wollen im nächsten Jahr nach den Sternen greifen. Das müssen Sie als ein Spiel verstehen, das allen – den Beteiligten und den Gästen unseres Hauses – Spaß machen soll. Einer unserer Arbeitstitel für das nächste Jahr lautet „Sternengreifer – Nichts können’se, nur Theater machen“. Auch unseren Spielplan setzten wir ganz unter das Motto. Er wird nicht, wie bisher üblich, einen Monatsüberblick geben. Der Plan wird nach den Sternzeichen ausgerichtet sein.

Das klingt nach sorgenlosem Spaß. Dabei gibt es gegenwärtig viel Theater um die Thüringer Theater. Der Intendant der Neuen Oper Erfurt, Guy Montavon, plädiert für Strukturveränderungen im Land zugunsten der großen Bühnen. Solche Veränderungen hätten doch auch Auswirkungen auf hiesige Region…

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass bei Schließung der kleinen Theater alle Besucher in die großen strömen würden. Gibt es keine Angebote in unmittelbarer Nähe, gehen die meisten Menschen nicht ins Theater. Für Kindergruppen, etwa aus Kindergärten oder Grundschulen, gäbe es überhaupt kein Theater. Für eine Gruppe, zum Beispiel aus Hüpstedt, wäre es viel zu aufwändig, nach Erfurt zu fahren. Zu uns nach Mühlhausen kommt sie dagegen gern. Das liegt sicherlich auch am Vertrauensbonus, den wir uns in 20 Jahren Spielzeit erworben haben. Ein Vertrauensbonus übrigens, der verpflichtet.

Der Verein 3K steht ja nicht nur für Theater. Glauben Sie, dass der Verein von eventuellen Strukturveränderungen betroffen wäre?

3K steht für Kunst, Kultur und Kommunikation. Wir arbeiten auf dem Sektor der Breitenkultur, nicht der Hochkultur. Wir bringen unser Kulturangebot, dazu zählen auch sozio-kulturelle Angebote, unmittelbar zu den Menschen. Wir spielen unsere Stücke in kleinen Städten und fahren in die Dörfer. Wir bringen Theateratmosphäre dorthin, wo es sie sonst nicht gibt. Die Kinder und Jugendlichen, die wir heute mit Theater begeistern, sind später potenzielle Gäste in den großen Häusern. Kinder, die dagegen keine Theatererfahrungen sammeln konnten, verspüren später kaum Lust auf einen Theaterabend. Das ist wissenschaftlich belegt. Ob wir und auch andere freie Theater von einer eventuellen Strukturveränderung betroffen sind, hängt davon ab, wie hoch das Land Thüringen seine Breitenkultur schätzt.

Wie ist Ihre Vision von einer Theaterlandschaft in Westthüringen?

Die Kürzungen in Eisenach sehe ich als ein Fehler. Das Kulturniveau wurde nach unten gezogen, Orientierungsmaßstäbe gingen verloren. Sowohl die kleinen als auch die großen Theater haben ihre Berechtigung. Die kleinen Spielstätten brauchen aber bessere Bedingungen. Derzeit ist es so, dass wir zu vielen Gastspielen die gesamte technische Ausrüstung mitschleppen müssen, weil es am Nötigsten fehlt. Mitunter sind die Bedingungen so schlecht, dass Gastspiele gar nicht gegeben werden können. Ich wünschte mir, dass sich das Land auch darüber mal Gedanken macht, wie das zu ändern ist, damit auch in kleinen Städten gute Kultur angeboten werden kann. Dabei geht es gewiss nicht um große Geldsummen. In unserem Haus wird sehr viel ohne Bezahlung geleistet. Ich blicke dabei nur einmal auf das hingebungsvolle Engagement unserer Spieler, die zig Stunden in Proben und Aufführungen stecken. Ihr einziger Lohn ist der Beifall der Zuschauer und der Spaß am Spiel. Es ist ihr gutes Recht, aus Freude am Spiel nach den Sternen zu greifen.

Gespräch: Iris Henning

One Response to Sie greifen nach den Sternen

  1. Detlef Braun

    Hallo Frau Henning,

    hatte gerade mal ein paar Minuten und da schaut man mal hier und da.
    So auch in den Artikel zu 3K. 20 Jahre. Und da fiel mir doch auf, dass es ja nun fast auf den Tag genau auch 20 Jahre her ist, dass ich loszog, den Verein „Arbeiten und Lernen in Mühlhausen e.V.“ (damals noch „SaMeCo …“) zu gründen. War schon eine spannende Zeit damals. Und letzlich war die Vereinsgründung ja auch die Basis für 3K und vieles vieles mehr.
    Na ja, wissen Sie ja sicher.
    Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich eine schöne Weihnachtszeit und alles Gute für 2011.

    Mit freundlichen Grüßen

    Detlef Braun

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