„Bitte keine Blumen“

Posted by on 25. November 2010
Am 1. Dezember feiert die Stöberhalle Neueröffnung – ein Anlass, den Ärmsten zu helfen

Ein Umzug bedeutet viel Arbeit, viel Stress. Zieht gleich eine ganze Möbelhalle um, potenzieren sich Arbeit und Stress. So auch für Jürgen Stude, dem Inhaber der Mühlhäuser Stöberhalle. Der Tag könnte derzeit 48 Stunden haben, so knapp ist die Zeit. Trotzdem denkt er nicht nur an sich.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Ein Kaffee auf die Schnelle. Das Telefon läutet. Anweisungen für die Mitarbeiter und Möbeltransporter sind laufend zu geben. Dort warten Schränke, Küchen, Schlafzimmer und Sitzmöbel darauf, zusammenmontiert und in gute Position gebracht zu werden. In wenigen Tagen, am Mittwoch, 1. Dezember, soll die Mühlhäuser Stöberhalle an der Friedrich-Engels-Straße 14b öffnen. Ein Berg Arbeit ist bis dahin zu bewältigen. Jürgen Stöber behält die Ruhe, so gut es geht. Man möchte kaum glauben, dass dieser Mann zwischen dem Montieren der Möbel, den Telefonaten und Gesprächen mit seinen Leuten noch an etwas anders denken kann als an die Eröffnung seiner Stöberhalle.

Irrtum. „Es ist doch nicht in Ordnung, dass immer noch Millionen Menschen hungern, dass vor allem Kinder so früh sterben müssen, weil sie unterernährt sind oder Medikamente fehlen “, sagt er. Angesprochen habe er sich gefühlt, als er in der „Thüringer Allgemeinen“ über die Situation im Süd-Sudan gelesen habe. Doch wie helfen, wenn die eigene Kasse durch Investition und Umzug stark strapaziert ist? Pures Mitleid allein ändert an der Angst der Mütter und an der Qual der Kinder nichts.

Während Jürgen Stöber noch einen Schrank zusammenbaut und sich über die Ungerechtigkeit in dieser Welt ärgert, kommt ihm eine Idee. Er will die Neueröffnung für eine Spendenaktion nutzen. Statt Blumen und Geschenken wünscht er sich von seinen Freunden und Geschäftspartnern Bares in eine Spendenbox. Zudem will er für jeden Kunden, der in den ersten drei Tagen nach Neueröffnung in die Stöberhalle kommt, einen Euro in diese Box stecken – und zwar unabhängig davon, ob der Besucher etwas Passendes für sich findet oder nicht. „Da dürfte doch ein hübsches Sümmchen zusammenkommen“, hofft Jürgen Stude auf viel Kundschaft.

Die Mühlhäuser Stöberhalle gibt es seit 2004. Eine Lagerhalle an der Windeberger Landstraße nutzte Stude für seine Geschäftsidee des An- und Verkaufs von Gebraucht- und Neumöbeln sowie Haushaltsgeräten und Geschirr. Jetzt sind ihm die 500 Quadratmeter zu eng geworden. An der Friedrich-Engels-Straße 14b, gegenüber der Mehag, fand er eine 800 Quadratmeter große Halle. Mit viel Farbe, Talent zur Innenraumgestaltung und einem guten Gespür für eine angenehme Einkaufskulisse verwandelte er binnen kurzer Zeit das verlassene und mausgraue Gebäude in ein sehenswertes Objekt. „Auch, wenn ein Einkauf in der Stöberhalle sehr preiswert ist, sollen sich die Besucher wohl fühlen“, so Stude. Das sieht er als ein Recht für alle Kunden, egal ob sie den Euro dreimal umdrehen müssten oder ob sie Gutverdienende seien, die nach Schickem – aber Preiswertem – wie lederne Sitzmöbel, Echtholzschränke oder Extravagantem Ausschau hielten.

Mit der Neueröffnung ändert Jürgen Stude auch die Öffnungszeiten der Stöberhalle. War die bislang nur mittwochs geöffnet, lädt sie ab 1. Dezember montags bis mittwochs von 10 bis 18 Uhr ein. Noch eine Hoffnung verbindet Stude mit der Neueröffnung: Vielleicht freut sich ja der eine oder andere so sehr über ein preiswert gefundenes Möbelstück, dass er ebenfalls einen kleinen Obolus für die Verbesserung der Situation der Kinder im Süd-Sudan übrig hat. Eine Spendenbox steht bereit.

Jeder Euro ist willkommen. Für 29 Euro können allein 200 Kinder gegen Kinderlähmung immunisiert werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.