Die pure Lebensfreude

Posted by on 23. November 2010
Zwei Big Bands feierten während der Jazzmeile auch eine langjährige Städtefreundschaft

Ob mit dem hausgemachten Hainich-Wildkatzen-Blues oder dem Klassiker „Fever“ von John Davenport: Die Big Band der Kreismusikschule begeisterte am Wochenende das Publikum im Mühlhäuser Schwanenteich-Saal. Gemeinsam mit der Big Band der Schule für Musik aus der westfälischen Partnerstadt Münster gestaltete sie eine Station der Thüringer Jazzmeile.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Gut gewählt war der Titel zu beginn des Konzerts. Mit „Summertime“ von George Gershwin gewann die Mühlhäuser Big Band sogleich die Sympathien des Publikums. Das lag weniger am tristen Novemberwetter, sondern vor allem an der Interpretation dieses Klassikers im Big-Band-Stil. Das 25-köpfige Ensemble unter Leitung von Christian Rangnick, dem Direktor der Kreismusikschule, begeisterte mit einem abwechslungsreichen Mix aus Melodien, pendelte zwischen purer Lebensfreude und sehnsuchtsvoller Melancholie und immer wieder schuf Rangnick Platz für die Soli seiner Instrumentalisten und Sänger. Das bereitete nicht nur den Solisten sichtbar Freude. Das Publikum dankte stets mit lautem Szenenapplaus und begeisterten Rufen. Und das nicht nur bei den Klassikern, die stets ein Garant für gute Stimmung sind. Christian Rangnick baut in seine Big-Band-Programme stets gern eine kleine Dosis Selbstkomponiertes und -geschriebenes ein. Mit dem Hainich-Wildkatzen-Blues und „Fusiontime“ traf er genau den Geschmack des Publikums. „Wenn es den Wildkatzen-Blues auf CD gäbe, würde ich mir den sofort kaufen“, meint eine Tischnachbarin. Zum Geld ausgeben kommt sie allerdings nicht. Diesen Blues gibt es bislang nur als Konzert-Variante, nicht zum Mitnehmen.

Insgesamt 16 Lieder servierte die Big Band an diesem Abend. Eigentlich standen 19 auf dem Programm. Doch auch Künstler geraten unter Zeitdruck: Die zweite Band des Abends – die Big Band aus Münster – wartete bereits. Sie hatte es allerdings schwer, die durch die Mühlhäuser vorgegebene gute Stimmung beim Publikum aufrecht zu halten. Aber auch für die temperamentvollen Darbietungen der sympathischen Gäste aus der Partnerstadt gab es viel Beifall.

Das gemeinsame Konzert der Mühlhäuser und Münsteraner fand innerhalb der 17. Thüringer Jazzmeile statt. Es war das zweite und letzte Konzert in Mühlhausen innerhalb dieses achtwöchigen thüringenweiten Festivals, das am kommenden Wochenende mit Konzerten in Jena und Arnstadt zu Ende geht und 18 Städte über Blues und Jazz miteinander verknüpfte. Schwerpunktmäßig stand es unter dem Thema „Borderhopping – Innen- Außensichten“ und sollte an die Grenzöffnung vor 20 Jahren zwischen Ost- und Westdeutschland und die Wiedervereinigung und die damit verbundenen Möglichkeiten des kulturellen Austausches über alle Grenzen hinweg erinnern.

In Mühlhausen ist das mit diesem Konzert gelungen. Es erinnerte zudem an die bereits seit 20 Jahren bestehende Städtefreundschaft zwischen Mühlhausen und Münster.

Übrigens standen beide Ensembles nicht zum ersten Mal gemeinsam auf der Mühlhäuser Bühne. Schon im vergangenen Jahr waren die Münsteraner Gäste während des Jazzmeilen-Konzerts und vielleicht sind sie im nächsten Jahr ebenfalls wieder mit dabei.

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