Flucht in die Nischen

Posted by on 18. November 2010
Galerie geschlossen: Verein Kunstwestthüringer sucht nach Auswegen

15 Jahre lang war die Galerie o.T. des Vereins Kunstwestthüringer in Mühlhausen ein Aushängeschild der bildenden Kunst. Jetzt hat die Galerie ihre Türen in der Unstrut-Hainich-Kreisstadt geschlossen, vermutlich für immer. Die letzten Bilder sind längst abgehangen. Verstärkt sind die Künstler jetzt auf Nischen angewiesen, um sich und ihre Werke präsentieren zu können.

Von Iris Henning

LANDKREIS.

„Kopplung“ titelte die letzte Ausstellung in den Räumen an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße 20. Sie galt als ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr des Vereins, der auf sein 20-jähriges Bestehen blickt. Und sie war gleichzeitig Abschied von liebgewordenen Räumen. Wirtschaftliche Not zwang die Mitglieder des Vereins zur Aufgabe ihrer Galerie.

Auf Nischen greifen nun die Künstler als Galerieersatz zurück. Nischen finden sie in Fluren und Wartezimmern von Arztpraxen und in Foyers von Unternehmen und Institutionen. „Wir sind froh, dass wir parallel zur Galerie schon langjährige Beziehungen aufgebaut haben“, sagt die Vorsitzende des Kunstwestthüringers, Judith Unfug-Leinhos. Als bewährte dezentrale Ausstellungen nennt sie das Sparkassenhaus am Untermarkt, das Gesundheitszentrum am Forstberg, das Radiologische Zentrum an der Thomas-Müntzer-Straße und die Adib GmbH in Bad Langensalza. „Wartezimmer-Kunst“ nennt sie die kleinen Ausstellungen in den Arztpraxen. Es klingt wie ein Scherz.

Die Künstler sind in den Nischen sehr willkommen. „Das Gesundheitszentrum sieht gleich viel freundlicher aus, wenn im Treppenhaus und in den Fluren Bilder hängen“, meint Kinderarzt Dr. Wolfgang Karmrodt. So manches ausgestellte Bild habe auch einen Käufer gefunden. Derzeit ist eine Ausstellung der Mühlhäuser Künstlerin Kirsten Priebsch zu sehen.

Ein über Jahre zuverlässiger Partner ist den Künstlern auch die Sparkasse Unstrut-Hainich. Der Bollstedter Maler Siegfried Böhning hat jüngst eine vielbeachtete Ausstellung im Foyer des Hauses am Untermarkt eröffnet. Er schätzt auf diesem Marktplatz des Geldes vor allem den großen Publikumsverkehr.

Ausstellungsfläche stellt auch die Barmer-Krankenkasse in Mühlhausen am Untermarkt zur Verfügung – allerdings ohne die Künstler dafür bezahlen zu können. Einen Vorteil für die Künstler sieht Bezirksgeschäftsführer Holger Burchardt dennoch in der Verkaufsmöglichkeit. „Einige Bilder haben schon ihre Liebhaber gefunden“, sagt er. Zurzeit werden Bilder der gebürtigen Mühlhäuserin Veronika Eckert aus Eschwege (nicht im Kunstwestthüringer) gezeigt.

Ein Podium für Ausstellungen des Kunstwestthüringers stellen ebenfalls die Mühlhäuser Museen in Aussicht. „Wir haben das Angebot, in der Museumsgalerie Allerheiligen unsere traditionellen Jahresausstellungen zu zeigen“, so Judith Unfug-Leinhos.

Neue Ausstellungsflächen könnten sich zudem im „Haus Rosenthal“ in Bad Langensalza ergeben. Gut vorstellbar für den Kunstverein wäre, dass dieses Haus die neue Adresse der „Galerie o.T.“ wird. An ein endgültiges Aufgeben der vereinseigenen Galerie möchte jedenfalls noch niemand denken. Gut möglich also, dass diese namhafte und weit über die Region bekannte Galerie mit ihrem 20-jähriges Bestehen in fünf Jahren die Kur- und Rosenstadt schmückt statt Mühlhausen. Die Unstrut-Hainich-Kreisstadt scheint wieder um ein Kleinod ärmer zu werden. Manch Kunstfreund spricht bereits von einem „kulturellen Kahlschlag“.

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