Wo der Kaiser schon feierte

Posted by on 23. Oktober 2010
Der Hof der Familie Breitbarth in Bruchstedt war schon einmal Kulisse für ein historisches Schlachtfest

In immer mehr Höfen sagen sich Natur und Architektur mittlerweile Guten Tag. Was einst als Wirtschaftsfläche und -gebäude geplant und angelegt wurde, ist vielen Menschen heute die Verlängerung der Wohnräume. Höfe verwandelten sich besonders in den letzten Jahren Oasen der Lebensfreude und zu Stätten der Begegnung für die Familie, mit Freunden und Bekannten. Einblicke in diese meist versteckten Refugien hinter den Häusern will diese Serie geben. Ein schöner Hof, in dem schon einmal ein historisches Schlachtfest zünftig gefeiert wurde, ist der von Familie Breitbarth in Bruchstedt.

Von Iris Henning

BRUCHSTEDT.

Wetzstein, Wagenräder und Erntegräte von anno dazumal, die zur Zierde auf dem Hof arrangiert sind, verraten es: Hier wohnen Leute, die die Erbstücke der Großeltern und Urgroßeltern geradezu liebevoll hegen und pflegen. Bernhard und Nordrun Breitbarth aus Bruchstedt sind weit über ihre Gemeindegrenzen hinaus dafür bekannt, dass sie leidenschaftliche Sammler aller möglichen Utensilien aus dem Leben der Vorfahren sind. Zwei Kammern im Seitenflügel ihres Hofes sind prall gefüllt mit Schätzen aus der Vergangenheit. Wer die Schwelle zu diesen Museums-Kammern übertreten darf, wähnt sich um mindestens hundert Jahre in die Vergangenheit zurück versetzt.Doch während einst der Hof ein von der schweren Arbeit der Landwirtschaft geprägter Ort war, ist er heute ein gepflegter Ort, in dem es sich angenehm erholen lässt.

Gut 200 Jahre alt ist der Hof, erzählt Bernhard Breitbarth. Die Großeltern von Nordrun kauften das Gehöft in den 1960er Jahren und hatten somit endlich Platz für die groß gewordene Familie. Doch bis Haus und Hof zum Wohlfühl-Ort wurden, vergingen Jahre. Vernachlässigt waren die Gebäude, Ställe und Schuppen. Hüfthoch lag der Mist im Stall. Wasseranschluss kannte das Haus nicht. Der Gang zur Toilette führte über den Hof zum „Häuschen“ mit Plumsklo als einziges Inventar.

Viel Geld und Mühsal investierten die Großeltern in ihr neues Habe. Nordrun und ihr Gatte Bernhard setzten das Erbe behutsam fort. Mit den Jahren und den veränderten Lebensgewohnheiten nahm der Hof allmählich die heutige Gestalt an: eine großzügig gestaltete Fläche, eingerahmt von Haupthaus, Seitenflügel mit Laubengang, Hofmauer und Gartenzaun.

Einmal noch in jüngster Zeit, klopfte die Vergangenheit an das Tor. Der in Thüringen bekannte Restaurantkritiker und Küchenchef Matthias Kaiser, ein gebürtiger Mühlhäuser, kam mit dem Wunsch, auf diesem Hof ein zünftiges Schlachtfest zu feiern, wie es hätte auch vor hundert Jahren stattfinden können. So wetzten Nordrun und Bernhard Breitbarth nicht nur die Schlachtmesser auf dem historischen Wetzstein. Der Hausschlachter und dessen Helfer wurden zudem mit zünftiger Garderobe aus den Truhen des Breitbarth’schen Museums ausgestattet. „Das Schlachtfest war ein Riesenaufwand. Aber es hat auch viel Spaß gemacht“, erinnern sich Nordrun und Bernhard Breitbarth an diesen außergewöhnlichen Tag, der von Matthais Kaiser in seinem Buch „Aschara – Auf den Spuren des guten Geschmacks“ festgehalten wurde.

Ein Schlachttag ist aber die Ausnahme auf dem Hof. Auch die Landwirtschaft ist mit dem Einzug der Großeltern ausgezogen. Was geblieben ist, ist die Erinnerung daran und Zeugnisse aus jener Zeit wie Pflugschar, Heurechen und andere Gerätschaften, die die Breitbarths sorgam aufbewahren.

DIASCHAU

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.