Kunst als Verbindung

Posted by on 29. September 2010
Ein einmaliges Projekt findet am Wochenende seinen Abschluss / Neuauflage 2012

Zeitgenössische Kunst in Kirchen: Kann dieses Aufeinandertreffen von Kulturen, zwischen denen oft Jahrhunderte liegen, ein ästhetisch gutes Miteinander ergeben? Es kann, wie das in Deutschland wohl einmalige Projekt „Kunst in Kirchen“ beweist.

Von Iris Henning

LANDKREIS.

Eigentlich sind Kirchen keine bequeme Kulisse für moderne Kunst. Das gedämpfte Licht und die erhaben wirkende Geschichtsträchtigkeit machen es den Künstlern aus der Jetzt-Welt nicht einfach, mit ihren Werken in den historischen Kirchenhäusern bestehen zu können.

Unmöglich jedoch ist die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart nicht. Zum sechsten Mal gingen Thüringer Künstler mit Mut und Ideen an das alle zwei Jahre stattfindende Projekt „Kunst in Kirchen“. Sieben Wochen lang, seit 14. August noch bis zum morgigen Samstag, 2. Oktober, lenkten und lenken sie mit ihren Kunstwerken in sieben Kirchen die Aufmerksamkeit des Publikums nicht nur auf sich, sondern vor allem auf eben jene Bauwerke.

„Mit ‚Kunst in Kirchen‘ wollen wir hauptsächlich den Blick auf unser bauliches Erbe in den Dörfern lenken“, erklärt Ines Gliemann von der unteren Denkmalpflege das Ansinnen. Von Anfang an betreut die Denkmalpflegerin dieses Projekt und knüpft damit quasi nebenbei noch ein Netzwerk des Verstehens zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen.

Die jetzt zu Ende gehende sechste Auflage von Kunst in Kirchen wertet Ines Gliemann bereits als „sehr erfolgreich“. „Das Interesse der Medien war groß. Fernsehen, Rundfunk und nicht zuletzt die Tageszeitung berichteten umfangreich über unser Projekt. Das macht uns schon stolz. Viele Besucher kamen wegen der Kunstwerke und Künstler und lernten die sehr schönen, reizvollen Dorfkirchen kennen. Und viele Besucher aus den Dörfern kamen zum Gottesdienst in ihre Kirchen und lernten moderne Kunst kennen“, schildert sie. Manche Kirche sei während der kulturellen Begleitveranstaltungen so voll gewesen, wie man es sonst nur in der Weihnachtszeit kenne, hätten sich auch die Pfarrer über das große Interesse gefreut.

Auch an diesem letzten Öffnungssamstag rechnet Gliemann mit vielen Besuchern, die die letzte Gelegenheit nicht verstreichen lassen wollen. Denn dann werden die Künstler ihre Werke wieder abholen. Möglich sei aber auch, dass die eine oder andere Kirchgemeinde sich zum Ankauf entscheiden wird.

Die bisherigen Kunst-in-Kirchen-Projekte sollen aber nicht in der Erinnerung der Beteiligten und Gäste verblassen. So wird derzeit über einen Bildband nachgedacht. „Es gibt sehr viele gute Bilder, die selbst Kunstwerke sind und die noch viel mehr über das Kunst-in-Kirchen-Projekt erzählen können“, bedankt sich Ines Gliemann für die Unterstützung durch den TA-Fotografen Roland Obst. Zudem soll der Katalog die Arbeit der vielen Akteure, auch der Schüler aus dem Gymnasium Lengenfeld unterm Stein und dem Evangelischen Gymnasium Mühlhausen, nochmals würdigen und ein Dokument darüber sein, wie zeitgenössische Kunst die Aufmerksamkeit auf das historische Erbe lenken kann.

Das Kunst-in-Kirchen-Projekt hat ein großes Betätigungsfeld. 125 Kirchen gibt es in den Dörfern im Landkreis, die in ihren Orten weit mehr sind als religiöse Stätten. Sie sind auch Orte der Begegnung und des kulturellen Lebens. Es war seinerzeit eine gute Idee der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises, des Kunstvereins Kunstwestthüringer und der Art-Regio Sparkassen-Versicherung, mit diesem Projekt auch eine Verbindung zu schaffen zwischen kulturellem Erbe und aktuellem Kunstschaffen. Im Jahr 2012 soll das Projekt fortgesetzt werden.

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