Hof als Begegnungsstätte

Posted by on 28. September 2010
Knut Ewers machte aus dem historischen Antoniushospital das „AntoniQ“

In immer mehr Höfen sagen sich Natur und Architektur mittlerweile Guten Tag. Was einst als Wirtschaftsfläche und -gebäude geplant und angelegt wurde, ist vielen Menschen heute die Verlängerung der Wohnräume. Höfe verwandelten sich besonders in den letzten Jahren zu grünen oder blumigen Oasen der Lebensfreude und zu Stätten der Begegnung für die Familie, mit Freunden und Bekannten. Einblicke in diese meist versteckten Refugien hinter den Häusern will diese Serie geben. Ein schöner Hof, an dem nicht nur der Besitzer seine Freude hat, ist der von Knut Ewers im „AntoniQ“. Unmittelbar an der Mühlhäuser Stadtmauer liegt das Anwesen.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Ein Traum: Umrahmt von der historischen Stadtmauer und hübschen Fachwerkhäusern liegt der „AntoniQ-Hof“ an der Holzstraße wie eine geschützte Insel mitten in der Stadt. Wer zum ersten Mal durch die Pforte tritt, hat irgendwie das Gefühl, die Schwelle in ein anderes, vergangenes Jahrhundert überschritten zu haben. Zeitlose heimelige Geborgenheit empfängt den Besucher. Es ist, als betrete man ein kleines Dorf mit Wohnhäusern, Kirche, Priorei, Ställen, Werkstatt und einem kleinen Park. In diesem Dorf wurde im Jahre 1207 ein Hospital gegründet, zu dem auch eine Kapelle gehörte. AntoniQ hieß da noch Antoniushospiz, Antoniusspital oder Antoniusstift. Es wurde als städtisches Krankenhaus gebaut und nicht, wie sonst damals üblich, von kirchlichen Orden. Das Antoniushospital gilt als das älteste (dokumentierte) Krankenhaus in Deutschland.

Vielen Mühlhäusern ist das Antoniushospital auch noch als Feierabendheim bekannt. Bis in die 1990er Jahre waren alte und behinderte Menschen dort untergebracht. Dann bezog der VEB Denkmalpflege einen Großteil des Geländes. Steinmetze, Maurer, Zimmerleute und Dachdecker übernahmen in und um Mühlhausen Spezialleistungen in der Denkmalpflege – ein Glücksumstand auch für das Antoniushospital. Bis zum Frühjahr 2002 blieb die Denkmalpflege an diesem Standort, der dann aber aus Platzgründen aufgegeben werden musste.

Das Antoniushospital sollte weiter Glück haben. Es wurde von einem entdeckt, der nicht nur ein Herz für historische Gebäude hat, sondern auch unglaublich viele Ideen für eine zeitgemäße Nutzung. Knut Ewers, verrückt genug, um in einem zum Wohnwagen umgebauten Feuerwehrauto einige Monate lang durch die Länder zu fahren, suchte nach einem geeigneten Objekt für seine Vorstellungen. Es wurde das Antoniushospital in einer Stadt, von der er zuvor nie gehört hatte. „Diese Abgeschiedenheit inmitten der Stadt ist einmalig“, ist er heute noch begeistert. Seine Pläne setzte Knut Ewers schnell um. Seit dem 9. September 2003 befindet sich eine Gruppenherberge mit Seminar- und Freizeitangeboten auf dem altehrwürdigen Gelände des Hospitals. Reich werden will der neue Betreiber damit nicht. Seine Angebote werden vor allem von Gästen mit kleinem Portmonee gern angenommen. Und sie kommen alle gern wieder. Das liegt nicht nur an dem einmalig schönen Hof, sondern auch an dem „Herbergsvater“, den fast alle ganz vertraut beim Vornamen nennen. „Was würden die schönsten Gebäude nützen, wenn ich als Besitzer, Betreiber, Betreuer, Bauarbeiter ein Kotzbrocken wäre … Bin ich aber nicht. Oder jedenfalls selten“, lacht der Wahl-Mühlhäuser.

Für sein Engagement zur Sanierung in Verbindung mit zeitgenössischer Nutzung hat Knut Ewers im Jahr 2006 den Thüringer Denkmalpreis bekommen. Das macht ihn stolz. Dennoch, so sinniert er, wünschte er sich eine sozialere Politik, die die meisten Menschen nicht ärmer und ärmer machen würde.

DIASCHAU

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