Das Gartenglück gepachtet

Posted by on 24. September 2010
Roswitha Gärtner hat durch geschickte Gestaltung ihre Parzelle zum Genießergarten gemacht

Das Laub wird zunehmend bunter. Die letzten Blumen des Jahres leuchten mit trotziger Kraft gegen den trüber werdenden Himmel, als wüssten sie, dass ihre Tage gezählt sind. Herbststimmung hat sich über die Gärten gelegt, auch über den von Roswitha Gärtner in der Kleingartenanlage „Breitsülze Quelle e.V.“. Bald heißt es, Abschied zu nehmen von der Gartensaison 2010.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

„Ich genieße meinen Garten bis zur letzten Minute, bis es gar zu kalt wird, draußen zu sein“, trotzt die Hobbygärtnerin den ersten Herbstboten. Zum Abschied wird sie sich Erinnerungen aus ihrem Gartenparadies mitnehmen. Das sind zum Beispiel mit Lavendel gefüllte Duftsäckchen, getrockneter Kugellauch als Schmuck für die Vase und getrocknete Schafgarbe als Dekoration für den Adventskranz.

„Du lieber Himmel, ich denke schon an den Adventskranz“, lacht die sympathische 70-Jährige und winkt gleich ab. Noch ist September. Vielleicht gibt es ja noch einen schönen Oktober, einen goldenen Herbst. Jede Minute davon wird sie genießen in ihrer etwa 450 Quadratmeter großen Sommerresidenz, durch die ein sanft geschwungener Weg führt. Was anderen der Urlaub auf Mallorca oder an der türkischen Riviera ist, ist für sie ihr Garten. Nein, das stimmt nicht ganz. Die Gartenzeit währt länger, von den ersten Sonnenstrahlen im zeitigen Frühjahr bis zum Abschied im trüben Herbst. Ihr Garten ist zudem mehr als nur Urlaub. Er ist Erholungsort und Ort sowohl des Rückzugs als auch der sozialen Begegnung. Und das seit beinah 40 Jahren. So lange kennt sie auch die Nachbarn links und rechts und gegenüber. „Eine sehr schöne Nachbarschaft, in der Hilfsbereitschaft nicht nur eine Worthülse ist“, ist Frau Gärtner froh. Das ist längst nicht mehr überall so.

Der Garten, das war damals ein Glücksfall für sie, ihren leider viel zu früh verstorbenen Mann und die Kinder, die damals noch klein waren. „Da wussten wir, wo wir am Wochenende hin konnten: hinaus aus der Stadt. Zudem hatten wir Platz für die Kinder zum Spielen und reichlich Obst und Gemüse, um uns zu versorgen“, erinnert sie sich gern an die Zeit. Stein auf Stein baute ihr Mann dann das Gartenhaus. Stück für Stück nahm das Fleckchen Erde die Gestalt an, die sich die Gärtners vorgestellt haben. Anfangs auf die Selbstversorgung ausgerichtet, später, als die Kinder groß waren, spielte die Freude an der Gestaltung die größere Rolle. Ecken und Nischen für lauschige Sitzplätze entstanden. Im Gärtner’schen Schrebergarten wurde sich dabei nach dem Lauf der Sonne orientiert. Ob Frühstück, Mittag, Kaffee und Abendbrot – ganz nach Belieben entweder in der Sonne oder im Schatten. Und auch ein geschütztes Plätzchen gibt es. So ist ein Draußenleben lange zu genießen.

Wenn der Garten auch ein Genießergarten ist, ein Faulenzergarten ist er mitnichten. Schönheit will gepflegt sein. „Das macht mir viel Freude. Außerdem ist es schön, etwas zu tun zu haben, genauso schön, wie mit den Nachbarn einen Kaffee zusammen zu trinken oder sich mit einem guten Buch zurückzuziehen“, will Roswitha Gärtner ihr kleines Paradies am Rande der Stadt auf keinen Fall missen. Schon jetzt freut sie sich auf die nächste Gartensaison, auf das Graben und Bücken, das Wachsen und Werden und auf das „Hallo Nachbar, wie geht’s?“.

Steckbrief

Die Kleingartenanlage „Breitsülze Quelle“ befindet sich im Nordwesten von Mühlhausen. Sie wurde

1949 gegründet. Gut 70 Parzellen gehören zu dieser Anlage.

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