Kochen in der Fremde

Posted by on 21. September 2010
Marcus Henning aus Eigenrieden zieht für ein halbes Jahr nach Chile

Koch oder Bäcker. Diese Berufswünsche standen bereits als Kind auf seinem Plan. Nicht auf dem Plan stand, dass er einmal als Koch ein Weltenbummler werden würde. Nach seiner Ausbildung in Mühlhausen und Arbeitsstellen in Bayern, Österreich und auf der Nordseeinsel Sylt zieht es den 22-jährigen Marcus Henning nun nach Südamerika, nach Chile.

Von Bea Kromberg

EIGENRIEDEN.

„Ich komme nur kurz nach Hause. Dann fahre ich weit weg und wir sehen uns lange Zeit nicht. Gruß Marcus“. So lautete der SMS-Text, den die Eltern während ihres Urlaubs erhielten. Später dann ein euphorischer Sohn am Telefon: „Papa, Mutti, ich gehe nach Chile.“

Das war im Sommer. Inzwischen hat der 22-jährige Jungkoch längst seine Koffer gepackt und ist auf dem Weg in das Land auf der anderen Seite der Erdkugel. 17 Stunden Flugzeit liegen zwischen Frankfurt und Santiago de Chile, mehr als 12.000 Kilometer beträgt die Entfernung zum Heimatort. Ist es hier um 12 Uhr mittags, zeigt die chilenische Uhr 6 Uhr in der Frühe. Da wird der Jungkoch schon auf sein müssen, um das Frühstück für die Hotelgäste vorzubereiten. Im Landhaus San Sebastian in Pucon, im landschaftlich reizvollen Süden des langen schmalen Landes, wird er arbeiten, unmittelbar am Rand des Nationalparks Huerquehue, wo der aktive Vulkan Villarrica seine magische Kraft versprüht.

Doch nicht nur die exotische Fremde reizt den jungen Koch. „Es ist vor allem das Kochen dort. Die Farm wird ökologisch geführt und bietet den Gästen Produkte an, die gesund und ganz frisch sind. Früchte, Gemüse und Milchprodukte – alles kommt direkt von der Farm“, weiß Marcus aus den Bewerbungsgesprächen mit seinem künftigen Arbeitgeber. Das sind Gabriela Gebhard und Andreas Barth, ein deutsches Ehepaar, das nach mehreren längeren Reisen durch Südamerika, speziell Chile und Patagonien, vor mehr als zehn Jahren ihre neue Heimat in einer der reizvollsten Landschaften Chiles, in Pucon, fand. Im Jahre 1997 begannen sie, auf einem 20 Hektar großen Grundstück ihre Farm mit Landhaus und Ferienwohnungen aufzubauen mit Viehzucht (Rinder, Schweine und Pferde), Kleintierhaltung (Enten, Hühner), aber auch alternativem Obst- und Gemüseanbau. Mit eigener Hausschlachtung und Molkereiprodukten sind sie weitgehend Selbstversorger für sich und ihre Gäste. „Ich bin unheimlich neugierig, dort in der Küche zu arbeiten“, freut sich der Eigenrieder Koch auf diese neue Herausforderung in dem inzwischen mit drei Sternen dekorierten Landhaus San Sebastian.

Seine ersten Schritte als Koch lernte Marcus in Mühlhausen, im „Ratskeller“. Martin Schaller gab dem Jugendlichen, der auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz war, eine Chance. „Dort habe ich vor allem Ausdauer gelernt“, blickt Marcus auf die dreijährige Lehrzeit zurück.

Seit er ausgelernt hat, zieht es den Jungkoch in die Ferne. Als Saisonarbeiter will er die Küchen und die Welt erkunden. Bayern und Österreich waren erste Stationen. Es folgte die Insel Sylt, wo er in einem kleinen, feinen Restaurant die Kunst der Zubereitung der Meeresfrüchte lernte. Nun kam das Angebot aus Chile. „Je mehr ich mich mit dem beschäftigt habe, desto größer wurde meine Begeisterung“, so Marcus Henning.

Jetzt hat er sich von seinen Eltern, seinem Bruder, Verwandten, Freunden und seinem früheren Lehrmeister, den er bei jedem seiner kurzen Zu-Hause-Urlaube gern besucht, für die nächsten sechs Monate verabschiedet und sich auf die Reise gemacht. In wenigen Tagen wird er sich im Landhaus San Sebastian die Kochschürze umbinden. Bis dahin gilt es, noch ein paar Sätze Spanisch zu lernen. Buena suerte, viel Glück, Marcus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.