Den Charme des Alten bewahrt

Posted by on 20. September 2010
Bodo und Isolde Weber aus Görmar halten auch die Geschichte von Haus und Hof fest

In immer mehr Höfen sagen sich Natur und Architektur mittlerweile Guten Tag. Was einst als Wirtschaftsfläche und -gebäude geplant und angelegt wurde, ist vielen Menschen heute die genussvolle Verlängerung der persönlichen Wohnräume. Höfe verwandelten sich besonders in den letzten Jahren zu grünen oder blumigen Oasen der Lebensfreude und zu Stätten der Begegnung für die Familie, mit Freunden und Bekannten. Einblicke in diese meist versteckten Refugien hinter den Häusern will diese Serie geben. Ein schöner Hof ist der von Bodo und Isolde Weber im Mühlhäuser Ortsteil Görmar.

Von Iris Henning

GÖRMAR.

Rotes Backsteinpflaster empfängt den Besucher. „Hartgebrannte Ziegel aus Höngeda“, erklärt Bodo Weber. Über 80 Jahre bedeckt das Pflaster schon den Hof und kaum ist Verschleiß auszumachen. Dabei ratterten einige Jahrzehnte lang mit Eisen beschlagene und schwer beladene Pferdefuhrwerke hofein- und hofauswärts. Dass solches Pflaster heute nicht nur jeden Denkmalpfleger freuen würde und zudem als ökologisch wertvoll gilt, hat seinerzeit wohl niemanden interessiert. Als Otto Liborius im Jahr 1928 den Hof pflasterte, galt die ganze Aufmerksamkeit des Bauherren der Erweiterung des Hofes in einen einträglichen landwirtschaftlichen Betrieb.

Von seinem Vater Andreas Liborius, der Leinenweber war, hatte der junge Otto den Hof übernommen. Mit der Weberei hatte er nichts im Sinn. Ihm lag die Landwirtschaft näher. Für Pferde, Kühe, Schweine und Schafe brauchte er Platz, ebenso für Futter, Stroh und Gerätschaften. Eine Scheune wurde gebaut, die das Anwesen zum Vier-Seiten-Hof komplettierte. Das Holz für die Scheune, so erzählt der geschichtsinteressierte Bodo Weber, stammt aus dem Thüringer Wald. So war es seinerzeit üblich, den Winter über im Wald Holz zu rücken, um an das Baumaterial zu gelangen.

Bis in die dritte Liborius-Generation hinein bestimmte die Landwirtschaft das Familienleben. Um die 40 Schweine, bis zu acht Kühen, eine Schafsherde, Enten, Gänse und Hühner versorgte Kurt Liborius, der Sohn von Otto, weiß Bodo Weber aus der Familienchronik.

Heute ist die Landwirtschaft längst ausgezogen. 1986 wurde das letzte Schwein geschlachtet. Dem Hof blieb sein ländlicher Charme erhalten. Das Alte zu bewahren, waren von Anfang an die Vorstellungen von Bodo Weber und seine Frau Isolde, die Tochter von Kurt Liborius. 1983 kam das junge Paar auf Wunsch der betagten Eltern wieder zurück nach Görmar. Auch ohne Land- und Viehwirtschaft gab es viel zu tun: Lehmputz galt es zu erneuern, Wände und Laubengang waren zu sanieren und die alten Ställe umzugestalten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Hof zu einem Schmuckstück. Kaum ein Tag vergeht, an dem Isolde Weber nicht irgendetwas auf dem Hof arrangiert: ein Blumenschmuck hier, ein Getreidestrauß dort. In den Wintermonaten wird Tannengrün in die Blumenkästen gesteckt. „Der Hof ist doch ein Stück unseres Zuhauses“, meint sie. Das gilt besonders in der warmen Jahreszeit, wie eine gemütliche Sitzecke vermuten lässt.

Oft genutzt wird sie sicherlich nicht. Die Webers scheinen ständig dabei zu sein, Haus, Hof und den dazugehörigen Garten zu pflegen und zu verschönern. Zudem recherchiert Bodo Weber, der auch Ortsteilbürgermeister in Görmar ist, gern und oft in den Chroniken. Er ist auf der Suche nach dem Ursprung des Hauses und den Liborius-Vorfahren. Es ist zwar die Jahreszahl 1870 an der Fassade festgehalten. Doch gesicherte Dokumente fand er bislang nicht. Zudem scheint es ihm durchaus möglich, dass die Liborius-Linie weiter als bis zum Leinenweber Andreas Liborius reicht. So stieß er im Archiv bereits auf den noch älteren Gottlieb Liborius. Vielleicht hat der ja schon den Grundstein für den Hof gelegt, der heute zu den schönsten und gut erhaltenen Höfen in Görmar zählt.

DIASCHAU

One Response to Den Charme des Alten bewahrt

  1. Amalia B

    Vielen Dank für diesen netten Bericht. Ich liebe ja den Look von Lehmputz. Das hat einfach diesen Charme!

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