Trödel auf dem Hof

Posted by on 13. September 2010

In immer mehr Höfen sagen sich Natur und Architektur mittlerweile Guten Tag. Was einst als Wirtschaftsfläche und -gebäude geplant und angelegt wurde, ist vielen Menschen heute die genussvolle Verlängerung der persönlichen Wohnräume. Höfe verwandelten sich besonders in den letzten Jahren zu grünen oder blumigen Oasen der Lebensfreude und zu Stätten der Begegnung für die Familie, mit Freunden und Bekannten. Einblicke in diese meist versteckten Refugien hinter den Häusern will diese Serie geben. Ein schöner Hof ist der von Petra Pistor in Bad Langensalza.

Von Iris Henning

BAD LANGENSALZA.

„Wie alt Haus und Hof sind? Na, Sie können mich ja Sachen fragen. Ich glaube, das weiß keiner mehr so genau“, antwortet Petra Pistor. Aber sie wisse, dass vor langer Zeit einmal ein Seifensieder hier gewohnt habe. Irgendwann einmal seien auch ein Dachdecker und ein Lebensmittelhändler ansässig gewesen.

Heute gibt sie dem Vier-Seiten-Hof in der Hüngelsgasse, gelegen zwischen Rosengarten und Stadtzentrum, neuen Lebensinhalt: mit einem Trödelladen. Den hat sie sich in einem Seitenflügel eingerichtet und fühlt sich ganz zu Hause in dieser konservierten Welt aus dem vergangenen Jahrhundert.

Längst reicht das Lädchen nicht mehr aus, all die Erinnerungen aufzubewahren. Nähmaschine, Wäschemangel, ein alter Handwagen und andere Utensilien bevölkern den Hof. Bedruckte Säcke, in den wohl vor hundert Jahren das Korn zur Mühle transportiert wurde, sind säuberlich auf Leinen gereiht. „Trödel zu sammeln, war schon immer meine Leidenschaft“, erklärt Petra Pistor die ungewöhnliche Dekoration ihres Hofes. Den besitzt sie seit etwa 14 Jahren. „Hier habe ich endlich den Platz gefunden, den ich für meine schönen Sachen brauche“, holt sie mit ihrem Arm zu einer breit ausladenden Geste aus. Auch das Querhaus, das früher wohl als Scheune genutzt wurde, ist gefüllt mit Kostbarkeiten aus der Vergangenheit: Schaukelpferd und Puppenwagen, Vogelbauer und Leiterwagen sind ausgestellt.

Dass ihr Hof plötzlich so viel Schauwert besitzt, freut Frau Pistor. Selbst die Stadtführerinnen der Kur- und Rosenstadt fragten schon, ob sie mit ihren Gästen hinein dürften. Die staunten dann jedes Mal, hinter dem unscheinbaren grauen Tor einen so gut erhaltenen Hof zu finden und alte, an lange zurückliegende Zeiten erinnernde Dinge, die hier so liebevoll gesammelt werden.

Mit dem Hof hat Petra Pistor auch ihre Berufung gefunden. Nach einem Seifensieder, Dachdecker und Lebensmittelhändler ist der Hof nun Herberge für den Handel mit Trödel und Gebrauchtwaren und damit einer Kulisse, wie sie passender wohl kaum sein kann.

DIASCHAU

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