Kunst im alten Fachwerk

Posted by on 13. September 2010
Der Stölcker-Hof war Treffpunkt für hunderte Denkmaltag-Bummlern

Zu einem Tag für Genießer machten Jürgen und Jens Stölcker den Denkmaltag in der Zöllnersgasse. Während Vater Jürgen Führungen durch seine alte Gerberei anbot, die längst ein technisches Denkmal ist, öffnete Sohn Jens seinen außergewöhnlich schönen Hof und lud die Gäste zum Essen und Trinken ein. Dazu gab’s Musik und als Premiere zeitgenössische Kunst im historischen Fachwerk.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

„Ist das schön hier“. Monika und Markus Horn aus Kammerforst sind begeistert von dem historischen Hof mit seinem mediterranen Charakter so unerwartet inmitten der Stadt, den netten Begegnungen, angenehmen musikalischen Unterhaltung und der originell gestalteten Kunstausstellung. Ein altes Fachwerk, grau und vergänglich wirkend, ist die Kulisse für große und kleine Bilder und Skulpturen.

Diese Mischung aus historischer Bausubstanz und moderner Kunst wirkt wie ein Magnet. Viele Besucher kommen, angelockt von dem Widersprüchlichen. Länger als sonst vielleicht bleiben sie vor den Kunstwerken stehen, lassen die beeindruckend großformatigen Bilder von Reinhard Wand aus Dachrieden auf sich wirken. Jedes Bild kommt einer Botschaft gleich: der Taucher mit dem Grashalm in der Hand, auf dem ein so verletzlich wirkender Schmetterling Platz genommen hat, die erschütternde Hiroshima-Szene oder der durch den stumpfen Schnee Stapfende, der allen Widrigkeiten zum Trotz einen knallroten Schirm aufgespannt hat. Gänzlich anders die auf den ersten Blick verspielten Bilder von Matthais Peinelt aus Mühlhausen. Doch Vorsicht: Mit witzig-frechen Sprüchen bedacht, haben es seine überwiegend mit Katzenmotiven gestalteten Bildern faustdick hinter den Ohren. Der Klassiker im Dreier-Bund der ausstellenden Künstler ist der Bildhauer Olaf Meinel aus Mühlhausen. Mit Figuren aus Holz und Stein schmückte er das Stölckersche Anwesen und bot damit für viele Gäste reizvolle Fotomotive.

„Wir stellen uns mit dieser Ausstellung erstmals als Künstlervereinigung ‚Trilobit‘ dem Publikum vor“, sagt Matthais Peinelt. Erst vor wenigen Wochen hat sich diese gegründet (unsere Zeitung berichtete). Über die Neugier und das Interesse der Mühlhäuser an der Ausstellung freut er sich. „Wenn sich nun auch noch Liebhaber finden, die das eine oder andere Stück kaufen würden, wäre das toll“, wünscht er sich auch diese Art von Anerkennung.

Die Kunstausstellung war auch für die Stölckers eine Premiere. „Wir wollten neben unserem Hof als Ausruh-Oase für die Denkmaltag-Bummler noch etwas anderes bieten“, sagt Jens Stölcker. Und es sei doch wunderbar, dass sich so viele Denkmal-Freunde auch für zeitgenössische Kunst interessierten. Diesem Charme des Gegensätzlichen setzte man sich gern aus.

DIASCHAU

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