Idyll der Geborgenheit

Posted by on 13. September 2010

In immer mehr Höfen sagen sich Natur und Architektur mittlerweile Guten Tag. Was einst als Wirtschaftsfläche und -gebäude geplant und angelegt wurde, ist vielen Menschen heute die genussvolle Verlängerung der persönlichen Wohnräume. Höfe verwandelten sich besonders in den letzten Jahren zu grünen oder blumigen Oasen der Lebensfreude und zu Stätten der Begegnung für die Familie, mit Freunden und Bekannten. Einblicke in diese meist versteckten Refugien hinter den Häusern will diese Serie geben. Ein schöner Hof ist der von Christian und Annett Görmar in Niederdorla.

Von Iris Henning

NIEDERDORLA.

Könnte die Großmutter von Christian Görmar ihren Hof heute sehen, würde sie still lächeln, zufrieden und glücklich darüber, dass es ihren Kindern und Kindeskindern doch so gut ergangen ist.

Um sie selbst hat das Glück einen Bogen gemacht, wie um so viele ihrer Generation. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörten amerikanische Granaten Teile des Hofes. Doch immerhin waren sie und ihre zwei kleinen Mädchen mit dem Leben davon gekommen. Nicht so ihr Mann: Er kam aus diesem verfluchten Krieg nicht mehr nach Hause.

Zeit zum Trauern blieb nicht. Die Kinder mussten ernährt und der Hof wieder aufgebaut werden.

Christian Görmar erzählt diese Geschichte über den Mut seiner Großmutter, die den Mut einer ganzen Frauengeneration widerspiegelt. Heute besitzt er diesen schönen Hof, der trotz der Kriegsschäden in seiner Ursprünglichkeit gut erhalten geblieben ist. Er ist einer der nur noch sehr selten zu findenden komplett erhaltenen Vier-Seiten-Höfe. Haupthaus, Seitengebäude und als Scheune errichtetes Hinterhaus grenzen den Hof zum Karree ein.

Mit dem Gefühl für das Schöne gestalteten die Görmars ihr Karree. Dort, wo ein Blumenbeet und eine Kräuterspirale auf einer mit Steinen eingefassten Etage stehen, vermutet niemand mehr, dass dieser Fleck der frühere Misthaufen, die Miste, war – von jedem Stall aus mit wenigen Schritten gut zu erreichen.

An Stallungen erinnern heute nur noch die Türen und Fenster der Seitengebäude. Schweine, Kühe und Pferde wohnen längst nicht mehr dahinter. Die Land- und Tierwirtschaft ist ausgezogen. Dafür bleibt den Görmars schon lange keine Zeit mehr.

Die Zeit, die sie übrig haben, investieren sie dennoch in ihren Hof. Liebevoll saniert sind die Gebäude. Ein schöner Blickfang ist der Laubengang. „Wir hatten Glück mit dem Dorferneuerungsprogramm“, sagt Christian Görmar. Das Förderprogramm erleichterte die Entscheidung für die kostspieligen Sanierungen des großflächigen Dachs und von Gebäudeteilen. Damit blieb auch einer der schönsten Höfe inmitten des Ortes gut erhalten. Die ältesten Gebäudeteile dieses Hofes stammen nachweislich aus dem Jahr 1838. Diese Jahreszahl ist über einer Tür angebracht. Das Haupthaus ist jünger. „Um 1870 wurde es gebaut“, weiß Christian Görmar. In Familienbesitz ist der Hof seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Großeltern haben ihn gekauft. Später ging er an die Eltern von Christian Görmar, seit 1999 ist die junge Familie der Besitzer. „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagt Annett Görmar. Wer auf diesem Hof zu Gast war, kann das nur bestätigen. Er ist ein Idyll der Harmonie und Geborgenheit.

DIASCHAU

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