„Viel Glück für uns“

Posted by on 2. September 2010

In immer mehr Höfen sagen sich Natur und Architektur mittlerweile Guten Tag. Was einst als Wirtschaftsfläche und -gebäude geplant und angelegt wurde, ist vielen Menschen heute die Verlängerung der persönlichen Wohnräume. Höfe verwandelten sich besonders in den letzten Jahren zu grünen oder blumigen Oasen der Lebensfreude und zu Stätten der Begegnung für die ganze Familie, mit Freunden und Bekannten. Einblicke in diese meist versteckten Refugien hinter den Häusern will diese Serie geben, heute in das der Familie Horn in Kammerforst.

Von Iris Henning

KAMMERFORST.

„Kommen Sie herein, schauen Sie sich um“. Mit Freude empfangen Monika und Markus Horn ihre Gäste im großzügigen Dreiseitenhof mitten im Dorfzentrum. Gut und gern 900 Quadratmeter werden von dem Hauptgebäude und den Seitenflügeln links und rechts gerahmt. Steht die Toreinfahrt – sie ist breit und hoch genug für ein gut beladenes Pferdefuhrwerk – nicht offen, gelangt man durch einen kleinen Hausflur in den bäuerlichen Hof.

Bäuerlich genutzt wird dieser allerdings schon eine ganze zeitlang nicht mehr. 1992 kaufte die Erfurter Architektin Monika Horn das Gehöft. Sie hatte die Nase gestrichen voll von der Großstadtluft, sehnte sich nach einem geborgenem Ort, nach Natur. Dass es Kammerforst wurde, war dem Umstand zu verdanken, dass sie genau dort einen alten Hof fand, den sie sich mit Phantasie und Expertenwissen als Lebenswohnsitz vorstellen konnte und den sie sofort ins Herz geschlossen hatte. Der Ort Kammerforst war ihr bis dato unbekannt.

Jahre vieler Mühe und Arbeit strichen über die Hainichgemeinde. Allmählich nahm der abgewirtschaftete Hof die Gestalt an, die sich die Horns wünschten: in der Bausubstanz ein charismatischer Bauernhof aus dem 19. Jahrhundert mit dem Komfort modernen Wohnens. „Auch, wenn ich Landluft liebe und viel übrig habe für historische Gebäude – Sehnsucht nach einem Plumsklo habe ich nicht“, hält sich die Nostalgie von Monika Horn in verständlichen Grenzen.

Auch die „Miste“ im Zentrum des Hofes waren für die Neu-Kammerforster überflüssig. Bauern wollten sie nie werden. An die Ausmaße der „Miste“ erinnert nur noch die großflächige Mulde im Hof. Mit Blumen bepflanzte Steintröge säumen deren Rand. Ein Gartengrill in der Mitte verrät die Thüringer Rostbratwurstliebhaber. Ein Stapel frisch geschlagenes und grob zersägtes Holz lässt gemütliche Kaminheizung im Haupthaus erahnen.

Geblieben auf dem Hof ist das grobe Kopfsteinpflaster. „Damals haben mir die Leute geraten, es herauszureißen. Man breche sich ja sonst die Füße. Und überhaupt: Jetzt gebe es doch so schöne Sachen in den Baumärkten.“

Monika Horn war eigensinnig genug, diesen Rat in den Wind zu schlagen. Heute unkt niemand mehr über das holprige Pflaster. Längst wird solches als kostbare Rarität erkannt. Auch die Horns sind stolz auf dieses Pflaster, das mindestens 150 Jahre alt ist. „Vielleicht auch noch älter“, mutmaßen sie. Mit Bauherrenstolz weisen sie auch auf den schönen Laubengang hin, den sie gerettet haben, auf den offenen Hausbrunnen, auf die sanierten Fassaden, auf die Umgestaltung des alten Pferdestalls zum Carport. „Viel Arbeit, ja“, bestätigen die Horns mit einem Blick auf ihren Hof und angrenzenden Garten. „Aber auch viel Glück für uns“.

DIASCHAU

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