Blickwechsel aus Holz

Posted by on 2. September 2010
Kunst in Kirchen (3): Die Bildhauerin Beate Debus hat in Dörna Blicke verkreuzt

Über sieben Wochen zeigen sieben Kirchen links und rechts des Landgrabens zeitgenössische Kunst. Das Leitbild „Über Kreuz“ hat die in Oberalba/Rhön lebende Künstlerin Beate Debus zu einer besonderen Form des Blickwechsels inspiriert. Vier hölzerne Kopfgruppen gestaltete sie für die Dorfkirche St. Georg in Dörna. Am heutigen Freitag wird ihr Kunstwerk von den Klängen an der Orgel begleitet.

Von Iris Henning

DÖRNA.

Oliver Stechbart wird die Orgel spielen. Dabei will sich der Kreiskantor gleichsam wie die Akteure des Kunst-in-Kirchen-Projekts an den Leitspruch „Über Kreuz“ halten. So titelte er das von ihm zusammengestellte Programm für diesen Abend.

Musik wird als die Debus-Arbeiten kreuzen und überkreuzen. Das dürfte ganz im Sinne der Holzbildhauerin sein. „Blickverkreuzung“ nennt sie ihre vier hölzernen Kopfgruppen. Kopfkörper ließ sie dabei zu Trägern der Augenbewegung werden. „Den Kopf löste ich in seiner Symmetrie auf, die Augenlinien oder auch Blicklinien können sich in alle Richtungen bewegen, sich kreuzen oder überkreuzen“, erklärt sie ihre Arbeit. Ihre Kopfgruppen hat sie dabei so positioniert, dass sie beim Öffnen des Kirchenportals den Besucher gleich auffallen, ihn quasi in Augenschein nehmen, mit ihm in Blickkontakt treten – wenn man es denn zulässt.

Beate Debus hat das Thema „Über Kreuz“ mit ihren hölzernen Kopfgruppen „als Überkreuzung verschiedener Blickachsen gestaltet, als Wechsel von Blickpunkten im Sinn eines Vexierspiels von Innen- und Außensicht“, beschreibt Kunsthistorikerin Dr. Susann Ortmann die Wirkung ihrer Arbeiten. Einander zugewandt öffneten sich die Skulpturen dem Du und reflektierten damit auch die Dialogsituation des Projekts „Kunst in Kirchen“. Dr. Ortmann weiter: „Gleichzeitig verlieren sich die Blicke im Raum, sie sammeln Eindrücke der Außenwelt und wandern wieder zu sich selbst zurück, um dem Gefundenen in andächtiger Innenschau einen Platz zuzuweisen. Das alles geschieht an der Grenze wischen Gegenständlichkeit und Abstraktion.“

Neben der Kirche in Dörna sind die Kirchen in Horsmar, Zella, Bickenriede, Struth, Eigenrieden und Sollstedt am Kunst-in-Kirchen-Projekt 2010 beteiligt. Sie haben bis zum 2. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das nächste Begleitprogramm findet am Sonntag, 12. September, in der St.-Sebastian-Kirche in Bickenriede statt. Ab 17 Uhr spielt dort das „The EB Devis Gospel-Quartett“. Dieses Konzert findet zugleich innerhalb der Reihe „Hör mal im Denkmal“ statt.

Das Projekt Kunst in Kirchen wird gefördert durch: Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Art-Region SV Sparkassenversicherung, Sparkasse Unstrut-Hainich, Thüringer Kultusministerium, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Evangelischer Kirchkreis Mühlhausen, Bistum Erfurt, Landratsamt Unstrut-Hainich-Kreis.

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