Wandlung eines Hinterhofs

Posted by on 24. August 2010

In immer mehr Höfen sagen sich Natur und Architektur mittlerweile Guten Tag. Was einst als Wirtschaftsfläche und -gebäude geplant und angelegt wurde, ist vielen Menschen heute die genussvolle Verlängerung der persönlichen Wohnräume. Höfe verwandelten sich besonders in den letzten Jahren zu grünen oder blumigen Oasen der Lebensfreude und zu Stätten der Begegnung für die Familie, mit Freunden und Bekannten. Einblicke in diese meist versteckten Refugien hinter den Häusern will diese Serie geben. Ein schöner Hof ist der von Thomas und Katrin Kühmstedt in Bad Langensalza.

Von Iris Henning

BAD LANGENSALZA.

„Meine Frau hätte die Hände über den Kopf geschlagen und mich für verrückt erklärt, wenn ich ihr den Hof gleich gezeigt hätte, den ich samt Haus kaufen wollte“, glaubt Thomas Kühmstedt heute noch. Nichts als hinfällige Schuppen und Anbauten, der eine genauso hässlich wie der andere – so sah die Hinterhofkulisse aus, als Kühmstedts diese Immobilie mitten im Zentrum der Altstadt, am Kornmarkt 5, kauften. „Ein Schandfleck“, bestätigt Katrin Kühmstedt. Und: „Es gehörte schon jede Menge Fantasie dazu, sich diesen Hof wenigstens aufgeräumt vorzustellen.“

Zwischen damals und heute liegen 17 Jahre. Nichts als ein paar Fotos erinnern an den einstigen Gerümpelhof. Viel Zeit zum Fotografieren haben sich die Kühmstedts leider nicht gegönnt. Sie krempelten die Ärmel hoch und machten sich mit ihrem Wissen und Können als Architekten an die Arbeit, um die die meisten einen großen Bogen geschlagen hätten: Abreißen, aufräumen und sanieren, was zu sanieren möglich ist. Immerhin hatten sie historisches Pflaster unter sich: Den Keller des Hauses datiert Thomas Kühmstedt in den Anfang des 14. Jahrhunderts.

Lange acht Jahre hat die Grundsanierung des Areals gedauert, bis es lebenswert gestaltet war. Der einst so hässliche Hinterhof hat sich grundlegend gewandelt: viele Blumen und Grün, verborgene Sitzecke, ein Spielplatz für die Kinder und ein Brunnen. Die Ranken eines üppig wuchernden wilden Weins bilden Torbogen und zieren den Laubengang.

An historische Vorbilder konnten sich die Bauherren bei der Hofgestaltung nicht halten. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein waren die meisten Höfe der wirtschaftlichen Nutzung vorbehalten, auch der am Kornmarkt 5. Handwerk wurde hier betrieben, von einem Gastwirt und einem Fleischer wissen die Kühmstedts. Kämen diese Herrschaften heute zum Hoftor hineinspaziert, würden sie aus dem Staunen wohl nicht mehr herauskommen und die Menschen, die hier wohnen, beneiden. Zu einem idyllischen Lebensraum ist diese alte Bad Langensalzaer Adresse geworden und alle Annehmlichkeiten einer Stadt sind bequem zu Fuß erreichbar: Schule, Bibliothek, Bäcker …. Das war besonders Katrin Kühmstedt wichtig. „Wir haben vier Kinder, was soll ich da noch groß erzählen, wie wichtig für uns eine gute Infra-Struktur gleich vor der Haustür ist“, sagt sie.

Aus dem einstigen Gerümpelhof haben die Kühmstedts eine attraktive Stadtadresse gemacht. Für Gäste öffnen sie mittlerweile gern das Tor zum Hof. „Wir wollen zeigen, dass es mit Fantasie, Geduld und auch viel Arbeit möglich ist, aus einem hässlichen Hof einen schönen Lebensraum zu gestalten“, sagen sie.

DIASCHAU

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