Stille Oase

Posted by on 24. August 2010

In immer mehr Höfen sagen sich Natur und Architektur mittlerweile Guten Tag. Was einst als Wirtschaftsfläche und -gebäude geplant und angelegt wurde, ist vielen Menschen heute die genussvolle Verlängerung der persönlichen Wohnräume. Höfe verwandelten sich besonders in den letzten Jahren zu grünen oder blumigen Oasen der stillen Lebensfreude und zu Stätten der Begegnung für die ganze Familie, mit Freunden und Bekannten. Einblicke in diese meist versteckten Refugien hinter den Häusern will diese Serie geben.

Von Iris Henning

BOLLSTEDT.

Bunt. Und so still, dass man das stete Summen der Insekten hört. Peter und Ellen Stauch sitzen gern vor der Kulisse ihres Hofes. Wieviel Sorten Blumen dieses Idyll so üppig bunten machen, wissen sie nicht. „Aber es sind besimmt mehr als 30“, blickt Peter Stauch auf sein gepflegtes Hof-Paradies. Neben dem Wandelblümchen und dem Orleander, den Rosen, Petunien, Gernaien und Co. blüht dort sogar noch das Stiefmütterchen. Auf diesem schönen Fleck scheint dieser eigentliche Frühblüher seine Zeit vergessen zu haben. Es blüht und blüht und blüht… „Es fühlt sich eben wohl bei uns“, schmunzelt der Blumenpfleger. Naja, er kümmere sich eben um jede seiner Pflanzen besonders, fügt er hinzu.

Besonders stolz ist Peter Stauch auf seine „Einwanderer“: Pflanzen aus Mexiko und Griechenland zum Beispiel. Die sind heimliche Mitbringsel von seinen früheren Reisen. In den Hotels geschnorrte Ableger brachte er auch hier zum Gedeihen und zur Blüte. Überhaupt hat Peter Stauch eine gute Hand für sein buntes Reich. Er macht keine Gärtnerei reich. Fast alle Pflanzen sind selbst gezogen, fast alle überleben bei ihm die Wintermonate, selbst so harte, wie die im letzten Jahr. So wohl fühlen sich die Pfleglinge bei ihm, dass manche es ihm mit dreifacher Blüte danken. Die Malve, zum Beispiel.

Der Hof an der Pfarrstraße mit der Granitpflasterung, der selbst gebauten Palisade und dem hübschen Fachwerkensemble bietet all der Pracht eine reizvolle Kulisse. Dabei kennt Peter Stauch das Anwesen aus seinen Kindertagen auch noch anders. Ein Ziegenstall, ein Hühnerstall und ein Hof, der wirtschaftlich genutzt wurde, erzählt er. Fotos haben dieses Grau-in-grau-Aussehen festgehalten. Es war keine Zeit für Blumen. Die zog erst ein, als Peter Stauch nicht mehr arbeiten ging. „Da hatte ich endlich Muse für so schöne Dinge“, berichtet er.

Den Grundstein dafür hat aber dennoch sein Vater gelegt. Auch der hatte die Nase voll vom erdigen Hof und immer schmutzigen Schuhen. Er ließ ihn mit Granitsteinen pflastern – damals vermultich der blanke Luxus. Die Rechnung darüber hat Peter Stauch noch: 800 Mark hat das gekostet.

DIASCHAU

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