Es grüßt die Nilgans

Posted by on 18. August 2010
Gebremster Genuss am Blauen Band: Mit dem Kanu kommt man nicht weit

Manchmal liegt der etwas andere Urlaub gleich vor der Haustür. Ein erlebnisreicher Kurzurlaub kann eine Kanutour auf der Unstrut sein. Vom richtigen „Blauen Band“ der Wasserwanderer ist der Unstrut-Hainich-Kreis allerdings abgeschnitten. Schade.

Von Iris Henning

LANDKREIS.

Leise gleitet das Kanu über das Wasser. Nur die gleichmäßigen Paddelschläge sind zu hören. Manches Mal wird die Ruhe unterbrochen durch aufgeregtes Geschnatter der Enten, die durch uns ungebetenen Besuch aufgeschreckt werden. Auch das seltsame Krächzen der Nilgans ist zu hören. Heiser und keuchend zischen die Männchen, durchdringend, fast trompetenartig, schnattern die Weibchen. Es klingt wie honk-hää-hää-hää. Die gefiederten Einwanderer aus Afrika scheinen uns auszulachen, wie wir träge dahinschwimmen.

Viele Tiere sind am Flussufer, dass die Unstrut noch in einem schmalen Bett hält, zu beobachten: Wasservögel halten schützenden Abstand, Biber huschen schnell vorüber, Nutrias zeigen sich nur wenig von uns beeindruckt.

Auf diesem Stück des „Blauen Bandes“, zu dem die Unstrut gehört, ist die Welt in Ordnung.

Doch sehr weit kommt der Wasserwanderer aus dem Unstrut-Hainich-Kreis mit seinem Boot nicht. Frühestens nach Nägelstädt kann er sich zu Wasser lassen – vorausgesetzt der Flusspegel lässt das zu. Bei niedrigem Wasserstand ist unbeschwertes Paddeln für Faltbootbesitzer erst ab Herbsleben möglich. Und am Rückhaltebecken Straußfurt ist Schluss: Befahren mit jeder Art von Booten verboten, verkündet ein Schild. Der sanfte, naturnahe Tourismus auf der Unstrut beschränkt sich damit auf etwas mehr als 20 Kilometer, was einer sehr gemütlichen Tagestour, inklusive Pausen, entspricht.

Wenn auch diese Beschränkung der Tier- und Pflanzenwelt im Rückhaltebecken gut tut – für das touristische Potenzial ist sie allerdings hinderlich. Dieses Verbot am Rückhaltebecken hat schon den Unmut und das Unverständnis so mancher Wasserwanderer heraufbeschworen. Wer hier weiter will, muss entweder sein Boot gut zwei Kilometer weit über den Landweg transportieren oder riskiert eine Ordnungsstrafe. Vorbeugende Wasserwanderer werden ihr Boot darum wohl erst nach dem Rückhaltebecken, im Landkreis Sömmerda, zu Wasser lassen. So bleibt der Unstrut-Hainich-Kreis vom Blauen Band der Wasserwanderer, das von der Unstrut, über die Saale bis in die Elbe führt, abgeschnitten.

Für Tages- oder Wochenendpaddler ist die Grenze indes kein Problem. Die organisieren sich entweder einen bequemen Rücktransport oder machen kehrt. Die – zumindest bei niedrigem Wasserstand – geringe Fließgeschwindigkeit der Unstrut ermöglicht auch ein Rückpaddeln und abermals die Begegnung mit Nilgans, Biber und Nutria. Mit etwas Glück ist auch ein Eisvogel zu erspähen.

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