Farbenfroher Einstieg

Posted by on 14. August 2010
Fröhlich und festlich: Kontrastreiche Eröffnung von Kunst in Kirchen

Der erste Gast war nicht der Erste. Einige Stühle waren schon von Schwarz-weiß-Porträts besetzt. Überhaupt war die Eröffnung des diesjährigen Kunst-in-Kirchen-Projekts am Samstag im Haus der Kirche außergewöhnlich. Sie zeigte: Kunst ist emotional, hat viele Gesichter und viele Farben.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Die ernsten Porträts waren die stillen Zuschauer der Eröffnung. Sie zeigen Antlitze von jungen und alten Menschen, die links und rechts des Landgrabens wohnen. Aufgenommen hat sie Ulrich Eifler aus Oberdorla. Er ist einer der sechs Thüringer Künstler, die in diesem Jahr Kunst in Kirchen gestalten. Weitere Mitwirkende sind Schüler der Jugendkunstschule Mühlhausen sowie aus dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium Lengenfeld unterm Stein und des Evangelischen Gymnasiums Mühlhausen. „Über Kreuz“ titelt die mittlerweile sechste Auflage des thüringenweit einmaligen Kunstprojekts. Dieses Thema reflektiert den ausgewählten geographischen Raum in besonderer Weise.

Kontrastreich wurde dieses Kunstprojekt eröffnet. Das Erfurter Modetheater „Gnadenlos schick“ sorgte mit seinen bunten Einblicken in eine witzige Modewelt für jene Aufmerksamkeit, die das Publikum dann auch gern den Rednern entgegenbrachte. Die heitere Mode schloss die Sinne auf für die festlich-ernsten Worte, die das Projekt ebenso braucht, um dessen Bedeutung ein Stück weit zu begreifen.

„Der Mühlhäuser Landgraben mit seiner Dörferkette zur Linken und Rechten scheint heute kaum mehr zu sein als eine historische Landmarke und dazu ein gut ausgezeichneter Wanderweg“, beschreibt Dr. Rolf Luhn, der Geschäftsführer der Art-Regio SV Sparkassenversicherung, in der Eröffnung die geographische Lage des Kulturdenkmals. „Dabei war er über Jahrhunderte nicht nur stark befestigte Grenzlinie zwischen dem mainzischen Eichsfeld und dem Gebiet der Reichstadt Mühlhausen, sondern auch Mentalitäts- und Konfessionsgrenze, die kaum ’normale‘ Nachbarschaft ermöglichte“, charakterisiert er diese Demarkationslinie. Über Kreuz und über die Kunst nun miteinander ins Gespräch zu kommen, sieht er als weitere Chance für mehr wechselseitige Akzeptanz und für engeres Zusammenrücken.

Dieses Miteinander-ins-Gespräch-kommen ist nur ein Nebeneffekt von Kunst in Kirchen. Vordergründig geht es darum, Aufmerksamkeit für zeitgenössische Kunst und das bauliche Erbe – die Kirchen – zu gewinnen. So gibt es im Landkreis 125 Dorfkirchen, die Kleinode in der regionalen Kulturlandschaft sind. Auch das sagte der Kunstexperte, was ebenfalls die zweite Rednerin, die Kunsthistorikern Dr. Susann Ortmann, bekräftigte.

Mit wohlwollendem Interesse sehen auch die Vertreter der Kirchen das alle zwei Jahre stattfindende Kunstprojekt. Pfarrer Andreas Schwarze und Hartmut Moritz luden herzlich ein, die beteiligten Kirchen in Eigenrieden, Struth, Dörna, Bickenriede, Horsmar, Zella und Sollstedt zu besuchen. Geöffnet haben diese sieben Kirchen sieben Wochen lang täglich von 10 bis 18 Uhr. Zudem wird es jede Woche in einer Kirche zusätzlich etwas Besonderes geben. Am kommenden Sonntag, 22. August, ist ab 17 Uhr in die St.-Marien-Kirche nach Sollstedt zu irischer Musik und Folkblues eingeladen.

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