Gigolo im Hainich

Posted by on 11. August 2010
Der Siebenschläfer ist eine richtige Schlafmütze und nur selten zu beobachten

Er sieht aus wie eine Kreuzung zwischen Maus und Eichhörnchen: der Siebenschläfer, der die lateinische Bezeichnung Glis glis trägt. Diese possierlichen Tierchen suchen sich gern in Baumlöchern, Vogelhäuschen und auch unter den Dächern von Häusern ihre Schlafquartiere. Sie sind Aktivisten der Nacht, weshalb sie nur selten zu beobachten sind.

Von Iris Henning

HAINICH.

Armes Ding. Da liegt es mausetot am westlichen Rand des Hainichs. Ich zücke meine Kamera, denn ganz sicher bin ich mir nicht, um was für ein Exemplar es sich bei diesem Fund handelt. Bei meinen fast täglichen Joggingrunden in den frühen Morgenstunden über Naturpfade sind Mäuse und auch mal ein Maulwurf, die die Nacht nicht überlebt haben, nicht selten. So einer Mischung zwischen Maus und Eichhörnchen begegnete ich allerdings noch nie.

Eine Stunde später hat der Biologe Dr. Ralf Weise das „Maushörnchen“ seinem Bildschirm. „Ein Siebenschläfer“, erklärt er. Den Fundort will er genau wissen. Seit Jahren arbeitet der in Eigenrieden lebende Wissenschaftler daran, einen Überblick zu bekommen, wo welche Kleinsäuger im Unstrut-Hainich-Kreis vorkommen. Er bestätigt: Siebenschläfer sind nur selten zu beobachten oder gar zu finden.

Als Dankeschön für den Beitrag zur Wissenschaft bekomme ich viel zu wissen über dieses Tierchen: Siebenschläfer gehören zur Familie der Bilche und haben bei einem Gewicht von 70 bis 120 Gramm eine Körperlänge von 13 bis 18 Zentimetern – ohne Schwanz. Mit seinem 11 bis 15 Zentimeter langen, buschigen Schwanz und der außerordentlichen Kletterfertigkeit erinnert er an ein kleines Eichhörnchen, wobei die Oberseite des Siebenschläfers grau und die Unterseite scharf abgegrenzt weiß gefärbt ist. Die Ohren sind rund und fast nackt. Charakteristisch ist der schmale dunkle Ring um die stark vorquellenden schwarzen Kulleraugen. Wie geschminkt sieht ein Siebenschläfer aus – ein richtiger kleiner Gigolo.

Und woher hat der Siebenschläfer nun seinen Namen?

Angeblich erhielt er den wegen seines sieben Monate dauernden Winterschlafes. Tatsächlich pflegt dieser Gigolo seinen Schönheitsschlaf aber viel länger: von Anfang September bis Anfang Mai. Er ist also eine richtige Schlafmütze.

Und noch etwas weiß der Biologe: Der Siebenschläfer war Tier des Jahres 2004.

Aber auch Dr. Weise hatte dieser Tage Glück. Er ging dem Tipp nach, dass sich in einem alten Bauwagen im Eichsfeldkreis eine ganze Familie dieser niedlich aussehenden Nager niedergelassen habe. Das frühe Aufstehen hat sich für den Biologen, der auch als Tierfotograf arbeitet, gelohnt. Seine reiche Fotosammlung ist um eine ganze Reihe über Siebenschläfer erweitert worden.

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