Knapp 27 Cent

Posted by on 28. Juli 2010
Zunehmende Sorge im Mühlhäuser Kulturbund um die finanzielle Zukunft

Zwischen Hoffen und Bangen bewegt sich derzeit der Mühlhäuser Kulturbund. Der mit über 300 Mitgliedern größten Kulturorganisation im Landkreis steht zwar in diesem Jahr das Wasser noch nicht bis zum Hals. Aber der Pegel steigt beständig und wird in wenigen Monaten lebensbedrohliche Höhe erreicht haben.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Es ist die fehlende Finanzsicherheit, die den gemeinnützigen Verein plagt. „So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie“, sagt der ehrenamtliche Vorsitzende Jürgen Thormann. Er meint die bis jetzt ausgebliebene Förderung durch die Stadt. 3200 Euro betrug bislang die jährliche Unterstützung. Das macht in etwa die Jahresmiete inklusiver aller Nebenkosten aus, die der Verein zu tragen hat.

Bis heute bekam der Kulturbund noch keinen Cent. Frühestens im September / Oktober könne der Verein mit einem Bescheid rechnen, habe ihm der Oberbürgermeister auf sein Drängen hin geantwortet, sagt Thormann. Vorausgesetzt, der Stadtrat stimme dem dann vorliegenden Haushaltsentwurf der Stadt zu. Hoffen und Bangen heißt es bis dahin für den Kulturbund, ob es eine Förderung für ihn geben wird und in welcher Höhe.

Den Mietvertrag für die Räume im Mühlhäuser Puschkinhaus kündigen musste der Kulturbund bislang noch nicht. „Wir sind schon immer sparsam. Unsere Rücklage reicht noch ein paar Monate, doch dann wissen wir auch nicht weiter“, blickt der Vorsitzende in die immer schmaler werdende Kasse.

Möglichkeiten zum noch mehr Sparen sieht er keine: „Wir machen schon alles ehrenamtlich. Unsere Dozenten und Gäste bekommen für ihre Vorträge lediglich ein Dankeschön und einen Blumenstrauß. Wir wollen auch ein Verein bleiben, der ehrenamtlich arbeitet und den Menschen in der Region viele Freizeit- und Bildungsangebote machen kann, die nichts kosten. Jeder, unabhängig von seinem Portmonee, soll Zugang zu uns und unseren Veranstaltungen haben“, betont Thormann das traditionelle Credo des über 60-jährigen Vereins.

Jährlich bietet der Kulturbund zwischen 500 und 600 öffentliche Veranstaltungen an. Dazu zählen Vorspielabend, Konzerte und Ausstellungen sowie Gespräche und Vorträge über Kunst, Literatur, aus Geschichte und Wissenschaft. Jährliche Höhepunkte sind der Sommerjazz an der Popperöder Quelle, Jazz zwischen den Jahren im Puschkinhaus und der „Faschingsmuffel“ von Dr. Christel Burkhardt. Mehr als 12000 Besucher im Jahr nutzen diese Angebote, darunter auch ein ganzer Teil junger Leute. Umgerechnet auf diese Zahl, würde die Stadt Mühlhausen mit einer jährlichen Summe von 3200 Euro jeden Besuch mit knapp 27 Cent fördern.

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