Viel Liebe zum Detail

Posted by on 27. Juli 2010

In immer mehr Höfen sagen sich Natur und Architektur mittlerweile Guten Tag. Was einst als Wirtschaftsfläche und -gebäude geplant und angelegt wurde, ist vielen Menschen heute die genussvolle Verlängerung der persönlichen Wohnräume. Höfe verwandelten sich besonders in den letzten Jahren zu grünen oder blumigen Oasen der stillen Lebensfreude und zu Stätten der Begegnung für die ganze Familie, mit Freunden und Bekannten. Einblicke in diese meist versteckten Refugien hinter den Häusern will diese Serie geben. Ein schöner Hof ist der der Mohren-Apotheke am Neumarkt 8 in Bad Langensalza.

Von Iris Henning

BAD LANGENSALZA.

Wer sagt denn, dass ein wirtschaftlich genutztes Gebäude keinen schönen Hof haben muss? Der sanierte Hof am Neumarkt 8 ist ein sehenswertes Beispiel, wie ein Hinterhof zum Schmuckstück werden kann. Ist das große Flügeltor geöffnet, geht kaum wer daran vorbei, ohne wenigstens einen Blick durch die Einfahrt zu schicken. Ein schönes Fachwerk erhascht dieser. Das Fachwerk lässt eher an gelungene Architektur als an Arznei denken. In diesem Hofe ließe es sich schön sitzen und verweilen.

Doch dafür ist er nicht gemacht. So sind auch keine Bänke und Stühle zu entdecken. Die wären wohl hinderlich bein der Ein- und Ausfahrt von Dienstfahrzeugen, die Lieferung in die Apotheke bringen.

Die Adresse am Neumarkt ist seit 206 Jahren Apothekenstandort. So erteilte Kurfürst Friedrich August von Sachsen im Jahr 1804 das „Privilegium cum jure prohibendi“. In jenem Jahr führte Heinrich Wilhelm Brockmann die Mohren-Apotheke. Franz Studener, der heutige Inhaber, ist der zwölfte Apotheker, der die Arzneimittel-Tradition an diesem Standort ununterbrochen fortsetzt. Im Jahr 1992 trat er die Nachfolge von Christian-Rudolf Sommer an. Er sieht die Mohren-Apotheke nicht nur als einen Ort der Herstellung und Abgabe von Arzneimitteln, sondern auch als einen Punkt der Kommunikation. Und auch, wenn das schön sanierte Fachwerk an die Beschaulichkeit des 19. Jahrhunderts erinnert, verbirgt sich dahinter modernste Ausstattung: Computergesteuerte Lagerhaltung, moderne Laborausstattung, Ausgabeautomat und Rohrpost, verdrängt der Diplom-Pharmazeut das Bild der Apotheke als „Schubladen-Manufaktur“.

Das Gebäude am Hof ist freilich viel älter als die Apotheke das Privileg besitzt. Um 1500 wurde das Vorderhaus errichte. Der große Stadtbrand von 1711 legte es jedoch in Schutt und Asche. Mehr als 20 Jahre sollte es dauern, bis ein Mann namens Carl Albert Kessel an jenem Unglücksort eine Ausspanne errichtete, kennt der Apotheker die Geschichte des Hauses gut.

Schönheit hat der Hof allerdings erst in den letzten Jahren kennengelernt. Heruntergekommen und ungeliebt wie die meisten Hinterhöfe zeigte sich auch dieser am Neumarkt bis Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts. Der neue Besitzer, der das innerstädtische Anwesen aus Treuhand-Eigentum erwarb, bewies bei der Sanierung viel Liebe zum Detail.

Längst haben die Stadtführer den Hof der Mohren-Apotheke als attraktive Adresse entdeckt. Der Hof ist ein beliebtes Vorzeigeobjekt während des alljährlich stattfindenden Tages der offenen Höfe. Und gern bereiten der Diplom-Pharmazeut und Inhaber der Mohren-Apotheke, Franz Studener, und seine Mitarbeiterinnen den Gästen einen herzlichen Empfang, so wie in diesem Jahr. „Oh, so schön geworden“, waren oft zu hörende Worte der vielen Besucher.

DIASCHAU

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