Musikalischer Sommernachtstraum

Posted by on 26. Juli 2010
Gitarrenvirtuosen aus vier Ländern eröffneten in der Rathaushalle den 2. Mühlhäuser Saiten-Sommer

Ein Sommerabend zum Träumen und Seele baumeln lassen war das Eröffnungskonzert des zweiten Mühlhäuser Saitensommers am Freitagabend in der Mühlhäuser Rathaushalle. Gestaltet wurde das Konzert von Gitarrenkünstlern aus Deutschland, Italien, Venezuela und Japan.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Applaus und noch einmal Applaus. Ein Mädchen steht aus der Zuschauerreihe auf. Sie hat Rosen in der Hand. Jedem der Künstler schenkt sie eine. Die Blumen sind ihr persönliches Dankeschön für diesen wunderbaren Abend. Jeder der Zuschauer hätte sich wohl in diesem Augenblick eine Rose gewünscht, um sie Boris Tautorat (Deutschland), Nozomi Kimura (Japan), Jhon Jimènez (Venezuela) und Luciano Marziali (Italien) zu überreichen. Diese Vier sind Zauberer der Gitarre, Verzauberer des Publikums. Das nahmen sie einen Abend lang mit in eine musikalische Welt voll wunderbarer Geschichten und Märchen, Träume und Sehnsüchte, Glück und Melancholie. Mit 1000 und einem Saitenklang und wohl noch viel mehr erzählten sie aus der üppigen Fülle des Lebens.

Boris Tautorat und seine schöne exotische Frau Nozomi Kimura ließen die Zuhörer teilhaben an einer zärtlichen musikalischen Harmonie. Sie schwelgten in Träumen aus barocken Melodien von Jean-Philippe Rameau, suchten Sehnsüchte, Glücksmomente und Rhythmus bei den Zeitgenossen Andrew York, Sergio Assad und Paolo Bellinati.

Ein gefühlvoller Romantiker ist Luciano Marziali. Wie eine schöne Geliebte hält er seine Gitarre in den Händen, um ihr mit seiner behutsamen Zärtlichkeit die schönsten spanischen Melodien zu entlocken. Hinreißend sinnlich klingt sie, variiert verspielt zwischen träumerischer Melancholie und tänzelnder Lebenslust.

An diese Romantik knüpft schließlich auch der Vierte im Gitarrenzauberer-Bund an: Jhon Jiménez. Doch der große Venezuelaner mit dem zum Zopf gebunden schwarzen Haaren ist ein anderes Kaliber. Im nächsten Part überrascht er mit einer außergewöhnlichen Gitarren-Sonate, einem modernen, experimentierfreudigen Stück von Alberto Ginastera. Die Gitarre singt nicht mehr nur. Sie wird zu einem berauschenden Instrument der vielfältigsten Klänge, Töne und Rhythmen, mal atmosphärisch dicht, mal psychedelisch.

Das internationale Gitarren-Quartett „Los Desperados“ – in ihm spielen Boris Tautorat, Luciano Marziali, Nozomi Kimura und Alina Denisiuc – setzt schließlich den Schlusspunkt dieses musikalischen Sommernachtstraums. Mit dem schmeichelnden „Inspiration“ der „Gypsy Kings“ entlässt es das Publikum in eine warme Nacht.

Mit diesem Konzert wurde der 2. Mühlhäuser Saitensommer eröffnet. Drei Tage lang waren Marziali, Jimènez, Kimura und Tautorat die Dozenten für die Teilnehmer dieses Gitarren-Festivals. In dieser kurzen Zeit machten sie sowohl die Anfänger als auch die Fortgeschrittenen fit für ein gemeinsames Abschlusskonzert. Das fand gestern (Sonntagabend) in der Stadtbibliothek St. Jakobi statt. Der Mühlhäuser Saiten-Sommer ist eine Kulturinitiative der jungen Mühlhäuser Musikschule „Guitar Dojo“, die von Boris Tautorat und Nozomi Kimura geleitet wird.

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